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Freuen sich auf die Umsetzung: Landrat Christoph Göbel (l.) und Aleksandar Dordevic.

Hilfe für Menschen mit Behinderung

Ein Plus an Chancengleichheit

Landkreis - In eineinhalb Jahren ist der Aktionsplan für die Belange von Menschen mit Behinderung erarbeitet und im Kreistag einstimmig beschlossen worden: Jetzt beginnt die Umsetzung.

„Der Aktionsplan ist ein wichtiger Baustein, um den Landkreis inklusiver zu machen“, heißt es in einer Pressemitteilung des Landratsamtes.

An die 30 000 Menschen mit einer Behinderung leben im Landkreis München. Das ist fast jeder zehnte. Viele von ihnen warten darauf, dass Barrieren im täglichen Leben abgebaut werden und sie ein selbstbestimmtes Leben führen können.


131 Maßnahmen und Empfehlungen

Der Aktionsplan beinhaltet 131 Maßnahmen und Empfehlungen. 43 Empfehlungen richten sich speziell an die 29 Kommunen im Landkreis. 74 Empfehlungen richten sich an Akteure wie den Freistaat Bayern, den Bezirk Oberbayern, die Deutsche Bahn oder den MVV. Diese Vielzahl an unterschiedlichen Akteuren zeigt ganz deutlich, dass die Maßnahmen des Aktionsplans als gesamtgesellschaftliche Aufgabe gesehen werden müssen.

 Über 300 Personen haben den Aktionsplan entwickelt: Menschen mit Behinderung, ihre Angehörigen, Vertreter von im Landkreis München tätigen Werkstätten, Wohngruppen, Förderstätten und Frühfördereinrichtungen sowie Verantwortliche aus den Wohlfahrtsverbänden und den Städten und Gemeinden des Landkreises. Der Landkreis gehört nun zu den ersten Landkreisen in Bayern, die die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention aus dem Jahr 2009 angehen.

4000 Behinderte befragt

Die UN-Behindertenrechtskonvention hat die Sichtweise auf Menschen mit Behinderung und ihre Lebenswirklichkeit verändert. Sie sieht Behinderung nicht als individuelles, unabwendbares Schicksal, sondern als Wechselwirkung zwischen der persönlichen Einschränkung und gesellschaftlichen, rechtlichen und auch physischen Barrieren. In diesem Sinne wurden in Zusammenarbeit mit betroffenen Bürgern neun Themenfelder wie Wohnen, politische Teilhabe, Mobilität und Barrierefreiheit im öffentlichen Raum, frühkindliche Bildung, Freizeit, Kultur und Sport, Schule, Arbeit und Beruf, Assistenz sowie Gesundheit in über 30 Einzelveranstaltungen bearbeitet. Begleitend wurden über 4000 schwerbehinderte Menschen im Landkreis mittels eines anonymen Fragebogens zu ihren Problemen und zu Wünschen und Anregungen befragt. Landrat Christoph Göbel (CSU) hat sich auf allen Veranstaltungen unmissverständlich geäußert: „Wir wollen nicht vielen Plänen einen weiteren hinzufügen. Hier geht es um konkrete Handlungsempfehlungen, wie man im Alltag den inklusiven Gedanken besser umsetzen kann.“

Erste Maßnahmen werden umgesetzt

Für dieses Jahr plant der Landkreis bereits konkrete Maßnahmen. Zusammen mit dem Behindertenbeirat des Landkreises wird die Verwaltung zum Beispiel den Ratgeber für Menschen mit körperlicher und geistiger Behinderung neu auflegen.Zudem ist ein Fachtag rund um das Thema Arbeitswelt und Menschen mit Behinderung geplant. Weitere Handlungsschritte werden folgen: Angebote in der Jugendarbeit sollen zunehmend barrierefrei ausgebaut werden. Um gemeinsame Aktivitäten von Schülern mit und ohne Behinderung zu unterstützen, wird der Aufbau einer Datenbank mit „guten Praxisbeispielen“ forciert. Zusätzliche Projekt- oder Fahrtkosten soll der Landkreis mittragen. Bisher gibt es auch zu wenige Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung. Die Landkreisverwaltung, die Landkreisbetriebe, die Verwaltungen und Betriebe der Kommunen sollen prüfen, ob Beschäftigungsmöglichkeiten geschaffen werden können. Auch die Umsetzung eines „Budgets für Arbeit“ soll die Einrichtung inklusiver Arbeitsplätze fördern. Aleksandar Dordevic, Behindertenbeauftragter im Landkreis, freut sich nun auf die Umsetzung dieser und vieler anderer erarbeiteter Ziele.

Unterlagen anfordern:

Unter der Internetadresse: http://aktionsplan.landkreis-muenchen.de/ kann man den 250-Seiten-starken Aktionsplan herunterladen. In gedruckter Form können ihn Interessierte unter der Emailadresse: chancengleichheit@lra-m.bayern.de bestellen und auch gerne Anregungen zur Umsetzung geben


mm

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