Die große Politik und das kleine Heimatkommune Garching – beides lag Albert Probst am Herzen. Foto: FKn

Albert Probst: Ein großer Garchinger ist gegangen

Garching - Die beiden Anekdoten aus dem Leben von Albert Probst haben auf den ersten Blick nichts gemein - und doch sagen viel aus über einen der bekanntesten Politiker, den Garching je hervorgebracht hat.

Die erste Geschichte spielt am 9. November 1989, soeben hat die DDR die innerdeutsche Grenze geöffnet, und im Bundestag stehen einige Abgeordnete auf, um spontan die Nationalhymne zu singen. Als einer der Ersten stimmt Albert Probst mit ein, damals Staatssekretär in der Regierung Kohl. „Er hat sich immer sehr für die deutsche Einheit eingesetzt“, erzählt seine Tochter Nicola Gerhardt. „Das war für ihn eine Herzensangelegenheit.“

Die zweite Anekdote spielt in Garching, in Albert Probsts Haus - genau an der Stelle, wo früher der elterliche Bauernhof stand. Das hat er Besuchern stets erzählt, und verschmitzt hinzugefügt: „Dort, wo jetzt das Esszimmer ist, war früher der Schweinestall.“

Die große Politik und das kleine Heimatdorf, der weltgewandte Wissenschaftler und der stolze Bauernsohn: Albert Probst hat es geschafft, diese Gegensätze glaubhaft zu vereinen. Nun ist er, wie berichtet, überraschend im Alter von 83 Jahren gestorben.

Die Liebe zur Politik und zur Demokratie wurden Albert Probst quasi in die Wiege gelegt. Sei Onkel Max Hagn war erster Bürgermeister in Garching nach dem Krieg, als das beschauliche Dorf noch keine 2000 Einwohner zählte. Schon früh nahm er den 14-jährigen Neffen zu Sitzungen mit. Auch Probsts Vater engagierte sich in der CSU, nachdem er während des Krieges von den Nazis verhaftet und abgeführt worden war - vor den Augen des Sohnes. „Diese Geschichte hat unser Vater oft erzählt“, sagt Nicola Gerhardt. „Das hat ihn stark geprägt.“

Im Alter von 18 Jahren beginnt die steile politische Karriere von Albert Probst. Sie führt ihn über den Kreistag (1960 bis 1973) und den Garchinger Gemeinderat (1966 bis 1990) in den Bundestag, dem er für die Landkreise München und Freising von 1969 bis 1998 angehört. Zwischen 1982 und 1991 ist Probst Staatssekretär im Bundesforschungsministerium unter Kanzler Helmut Kohl; später vertritt er Deutschland im Europarat.

Trotz all dieser Aufgaben behält er eins nie aus den Augen: sein geliebtes Garching, wo die Probst’sche Familie bereits seit 1612 lebt, und wo er mit seiner Frau Annette vier Kinder großzieht. Über Parteigrenzen hinweg erarbeitet er sich einen Ruf als ehrlicher und aufrichtiger Politiker, dem vor allem das Wohl Garchings am Herzen liegt. Eine besondere Beziehung verbindet ihn mit dem langjährigen SPD-Bürgermeister Helmut Karl. „Sie haben sich gegenseitig sehr geschätzt“, erzählt Gerhardt. „Beide waren vom Typ her barocke Bayern.“

Zuletzt hat sich Albert Probst immer intensiver mit der Garchinger Geschichte beschäftigt. Eifrig schrieb er an der neuen Stadtchronik mit, die im Mai erscheinen soll. Erst vorige Woche war der 83-Jährige zu einem Treffen ins Rathaus gekommen - „quietschfidel“, wie Bürgermeister Dietmar Gruchmann (SPD) sagt.

Am Wochenende habe er den 80. Geburtstag eines Freundes gefeiert, sagt seine Tochter. „Am Abend hat er sich schlechter gefühlt, und am Montag ist er nach München ins Krankenhaus.“

Dort ist Albert Probst am Dienstag gestorben, offenbar infolge eines verschleppten Herzinfarkts. Der Sterberosenkranz ist heute um 19 Uhr in St. Katharina; am Samstag folgt um 12 Uhr das Requiem mit anschließender Beerdigung in St. Severin.

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