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Beherrscht das Handwerk des Zeichnens: Statt digitaler Technik setzt Alfons Kiefer (61) auf fotorealistische Darstellungen.

Illustrator aus Unterschleißheim arbeitet für "Playboy"

Alfons Kiefer liebt's realistisch

Unterschleißheim - Der Illustrator arbeitet deutschlandweit für Magazine, unter anderem für den "Playboy".

„Ich hatte Glück“, sagt der Illustrator Alfons Kiefer. Der 61-Jährige sitzt an einem Glastisch in einem abgedunkelten Raum in seinem Haus in Unterschleißheim. In der einen Hand hält er eine Kaffeetasse, mit der anderen deutet er auf die Wände um ihn herum: Überall hängen und stehen seine Werke, manche sind schon Jahrzehnte alt. Glücklich blickt er hier auf seine Karriere als Illustrator zurück.

Alles begann in den 80er Jahren. Alfons Kiefer, inzwischen ein Mann mit ergrautem Schnauzbart, war damals blutjung und hatte erst wenige Jahre zuvor sein Kommunikationsdesign-Studium in Trier beendet. Er zog nach Unterschleißheim und stellte sich bei einem Artdirector der Zeitschrift „Playboy“ vor. Schließlich war es sein großer Traum, für den „Playboy“ zu illustrieren. Im Glauben, nie kontaktiert zu werden, hinterließ er seine Visitenkarte.

Einige Wochen nach dem Besuch bekam er überraschenderweise den ersten Auftrag vom „Playboy“. Rückblickend sagt der Mann, er sei zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen - damals suchte der „Playboy“ Illustratoren. Zunächst entwarf er kleinere Vignetten. „Das habe ich gut gemacht“, sagt der Künstler. Bald bat ihn der Artdirector, eine Doppelseite zu gestalten. „Da war ich ganz nervös“, gibt Alfons Kiefer zu. Sechs Wochen hatte er Zeit und erledigte seine Arbeit trotz anfänglicher Zweifel zur vollen Zufriedenheit.

Von da an sei alles andere von ganz alleine gekommen: Er bekam Aufträge für Titelseiten vom „Spiegel“ und „Stern“, gestaltete zusammen mit seinem Kollegen Klaus Voormann das Cover von „Anthology“, dem Kompilationsalbum der „Beatles“. Alfons Kiefer erzählt mit leuchtenden Augen von diesem Projekt. Dann springt er unvermittelt von seinem Stuhl am Glastisch auf. Aus einem Regal hinter ihm kramt er die Umschläge der Schallplatten hervor und zeigt sie stolz vor.

Mit verschmitztem Lächeln erzählt er von Menschen, die glaubten, es handle sich um eine Fotocollage. Dabei haben die Kollegen alles von Hand gemalt. An dieser Technik hält Alfons Kiefer bis heute fest: Erst in diesem Jahr designte er so den Buchumschlag der Sonderausgabe des Bestsellers „Das finstere Tal“ von Thomas Willmann. Das war im Rahmen des Projekts „Eine Stadt liest ein Buch“ entstanden.

„Ich bin mit Pinsel und Stift groß geworden“, betont Kiefer. Er zeigt auf ein Bild an der Wand: Grausam wird ein Mann unter Wasser von zwei Händen gewürgt. Zunächst hält man das Werk für eine Fotografie, so fein und exakt sind die Pinselstriche. In Wirklichkeit handelt es sich um ein fotorealistisches Werk, Alfons Kiefer hat die Fotografie also täuschend echt abgemalt. „Den größten Teil meiner Fähigkeiten habe ich mir autodidaktisch beigebracht“, erzählt der Illustrator. Seine Arbeiten am Computer zu erstellen und damit dieses Können aufzugeben, kann er sich nicht vorstellen. In dem düsteren, von der Außenwelt abgeschirmten Raum scheint die Zeit kurz stehenzubleiben.

„Viele junge Kollegen arbeiten digital“, sagt der 61-Jährige. Das Handwerk des Zeichnens würden nur noch wenige beherrschen. „Das ist ein bisschen schade“, findet Alfons Kiefer. Doch immer weniger Auftraggeber würden seine aufwändigen Techniken schätzen, das Geld in den Verlagen ist dafür zu knapp. Er hat auch Sorge, dass seine bewährten Farben eines Tages nicht mehr hergestellt werden.

Viel habe er mit seinen Arbeiten nie verdient, sagt Alfons Kiefer. Die jungen Illustratoren jedoch hätten es heute viel schwerer. Empfehlen, sagt er und klingt plötzlich ein bisschen traurig, würde er seinen Beruf heute niemandem mehr. Er selbst aber ist mit seiner Karriere glücklich: Schließlich hat er alle Ziele erreicht.

Sophia Baumann

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