Der Widerstand flaut nicht ab: Die Neufahrner wehren sich gegen die Windkraftpläne der Nachbargemeinde Berg, denen auch etliche Bäume zum Opfer fallen. Das wollen die Anwohner nicht tatenlos hinnehmen – sie laufen Streife. Foto: sh

Alle zwei Stunden Kontrolle im Wald

Neufahrn - Neufahrner wollen die Abholzaktion in den Wadlhauser Gräben nicht verpassen

Neufahrn - Die Situation in den Wadlhauser Gräben spitzt sich zu. Wie berichtet, können die Fällungen aus naturschutzrechtlichen Gründen nur bis 1. November durchgeführt werden. Verstreicht diese Frist, müssen die Berger bis 1. September 2015 warten, was mit erheblichen wirtschaftlichen Einbußen verbunden wäre.

Nach wie vor bezweifeln viele Bürger, dass die Windkraftanlagen wirklich rentabel arbeiten - und letztendlich der Schaden höher ist als der Nutzen. „Die Nerven liegen blank.“ Robert Lawatsch aus Neufahrn atmet tief durch. „Die Ungewissheit ist schlimm.“ Wer macht was im Wald? Darf er das oder nicht? Wann beginnen die Arbeiten? „Eigentlich wollen wir nur ehrlich informiert werden. Es gehen schon genügend Gerüchte um.“ Jeder beobachtet jeden, Rückschlüsse werden gezogen, die Reaktionen nach sich ziehen.

Georg Lang hat die Waldwege in seinem Forst unpassierbar gemacht, ein Mitarbeiter des von Berg beauftragten Planungsbüros, der dabei war, Markierungsarbeiten auszuführen, erhielt eine Anzeige. „Ich wollte abgeklärt wissen, ob er das wirklich darf“, erklärte die 44-jährige Frau, die bei der Polizei vorstellig wurde. „Ist er dazu berechtigt oder nicht, darf er das in Abwesenheit eines Forstbeamten oder des Umweltbaubegleiters?“

Nun hat sich um Lawatsch eine Gruppe aus 20 Bürgern gebildet, die rund um die Uhr alle zwei Stunden die Waldwege abgehen. „Wir wollen wissen, was sich hier vor Ort tut, egal von welcher Seite aus.“ Der 46-Jährige betont, man sei keinesfalls auf Krawall aus, im Gegenteil: „Damit würden wir uns nur selber schaden. Wir wollen eher die Luft rausnehmen.“

Das heißt für Lawatsch auch, im Notfall zu schlichten. „Es hilft ja nichts, sich an die Bäume zu ketten, wenn die Arbeiten beginnen.“ Aber der Neufahrner und seine Gruppe werden bei Rodungsbeginn vor Ort sein: „Wir wollen wissen, ob alle Auflagen erfüllt werden.“ Als Beweggrund steht für Lawatsch und seine Mitstreiter die Liebe zum Wald an erster Stelle. „Wir wollen nicht, dass er sinnlos zerstört wird. So können wir sagen, dass wir alles versucht haben.“

Die Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofes steht noch aus, ein Termin ist für Februar angesetzt. „Nur, dass sie dann vor vollendeten Tatsachen stehen - die Bäume sind weg.“

Sabine Hermsdorf

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