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Ältester Grabstein auf dem Friedhof von Baierbrunn ist der, der an Martin Köck erinnert. Er war königlicher Posthalter, starb um 1870.

Alte Grabsteine erzählen von vergangenen Leben

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Baierbrunn - In Baierbrunn waren am Sonntag gut 20 Baierbrunner und Baierbrunn-Besucher nicht in der Kirche. Sondern machten einen kleinen Rundgang um die alte Dorfkirche. Und ließen sich von Archivar Alfred Hutterer am Tag des offenen Denkmals den Alten Dorffriedhof erläutern.

Auf dem Hausbesitzers-Gattinnen, der ehemalige Posthalter der Gemeinde, einige Lehrer und Mesner begraben liegen, deren Namen freilich auch vielen heute noch ein Begriff sind.

Angelegt wurde der Friedhof Anfang des elften Jahrhunderts, „die Kirche wird 1065 erstmals als Steinkirche erwähnt, da wird es den Friedhof bereits gegeben haben“, sagte Hutterer. Davor waren Baierbrunner auf der anderen Seite der B 11 begraben worden, wie Funde beim Bau der neuen Gebäude für den Verlag „Wort & Bild“ immer wieder gezeigt haben. Mitte der 1950er-Jahre machte die Gemeinde einen weiteren Friedhof auf – an der Reichentalstraße.

„Die Grabsteine hier stehen alle unter Denkmalschutz“, erklärte Hutterer. Um gleich mal auf besonders schöne Exemplare hinzuweisen, versehen mit Glasplatten, wie sie „heute nicht mehr hergestellt werden“. Der älteste Grabstein, soweit man weiß, wurde für den königlichen Posthalter in der Gemeinde errichtet, Martin Köck, um 1870 herum. Sein Sohn, der auch Martin hieß, hat eine Wirtshaustochter aus Eberfing bei Weilheim geheiratet, Agathe. „Und das Gasthaus dort gibt es auch noch, die Hochzeitsscheibn hängt da noch.“ Man lernte im Lauf des einstündigen Spaziergangs, dass Goethe auf seiner Italienischen Reise auch durch Baierbrunn gekommen ist, dass in der Gemeinde früher mal königliche Straßenwärter ihr Auskommen fanden, dass es im Ort auch mal ein Künstlerheim gab, in dem Kunstschaffende aus der Umgebung sich eine Weile erholen konnten – an der Hermann-Roth-Straße. Kurt Lafter, der Gründer der Stiftung, die das Künstlerheim getragen hat, ist ebenfalls auf dem kleinen Friedhof begraben, auch eine der Keramikerinnen, die regelmäßig bei ihm Urlaub machten. Malwine Rack.

Dann sagte Hutterer wieder: „Da hamma was Schön’s“, und man besah sich das Grab des „ehrengeachteten“ Martin Gerb, Mesner vom Ort, der gelebt hat von 1824 bis 1898. Las ein paar Schritte weiter vom „tugendsamen Jüngling“ Rudolf Fischhaber, der im ersten Weltkrieg gefallen ist, oder vom „braven Musterschüler“ Albert Strobl, der am 30. August 1937 mit nur zwölf Jahren gestorben ist. Einen einzigen Grabstein mit Wappen gibt es auf dem kleinen Friedhof auch, er erinnert an Josef Ritt, einen Tiroler, der hierher gezogen ist. Nach dem Rundgang zwischen alten Steinen, die von vergangenen Leben erzählen, zeigte Hutterer in der Kirche ein paar Fotos von den Häusern, in denen einige der hier Bestatteten gewohnt haben. Und von denen die meisten auch längst nicht mehr stehen. „Man kann die Zeit ned aufhalten“, meinte der Ortschronist, der an einer kleinen Broschüre über den Friedhof arbeitet. Schaute ein wenig ins Leere. Aber da kamen dann schon die nächsten Besucher, denen er versprach: „Ich mach’ gleich weiter.“

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