+
Noch ist es zu sehen: Das alte Schusterhaus mit seiner für Neubiberg typischen Walmdachform wird entkernt. Die verschiedenen Materialien kommen in die umstehenden Container, dann wird es abgerissen. 

Das alte Schusterhaus an der Hauptstraße in Neubiberg wird abgerissen

Hier war das Handwerk lebendig

Das alte Schusterhaus an der Hauptstraße in Neubiberg war einzigartig. Jetzt  muss es Neubauten weichen.

Neubiberg – Das Walmdachhaus an der Hauptstraße 27 in Neubiberg hatte einen ganz eigenen Charme. Nicht nur architektonisch. Es lebte von der direkten und fachkundigen Hilfsbereitschaft des Ehepaars Strama. Rund 40 Jahre haben sie hier zu zweit bis zur Rente eine Schuhwerkstatt betrieben und aus jedem noch so zertretenen Stück etwas gezaubert, das wie neu aussah(wir berichteten). Norbert Strama und seine Frau Resi führten die dritte Schuhmacherei an der Stelle und haben sich dem Thema der Orthopädie frühzeitig verschrieben. Aber sie haben auch die Philosophie gelebt, dass jeder reparierte Schuh Balsam für die Umwelt ist, da kein neuer produziert werden muss. Das Haus hatte weitere Funktionen. Zum Beispiel nutzten es die Stramas, um beim Hauptstraßenfest im Juli tatkräftig mitzuhelfen als Basis für den Feuerwehr-Imbiss-Stand.

Haus wird entkernt

Jetzt wird das alte Haus entkernt für den Abriss. Glas, Holz, Fensterläden, Fußböden, Leitungen, alle Materialien werden sorgfältig getrennt. Das Inventar ist längst hinausgeschafft. Verkaufen ließ es sich zum allergrößten Teil nicht. Resi Strama: „So ein Geschäft ließe sich nur als Ganzes verkaufen. In diesem Fall unmöglich.“ Die Neubiberger Familie Hofmeier hat das Anwesen vor 15 Jahren erworben, jetzt macht es zwei Neubauten Platz, in denen Geschäfte und Wohnungen unterkommen. Die Planung ist vom Gemeinderat bereits abgesegnet. Möglicherweise wird hier eine Arztpraxis eröffnet, was der ärztlichen Versorgung im Ort zugute käme.

Nächste Schusterei im Nachbarort

Eine Schusterei gibt es nun keine mehr in Neubiberg. Die nächste befindet sich in Ottobrunn oder Altperlach. Im Haus, das 1928 Stück für Stück gebaut wurde, hat sich zwischenzeitlich auch ein Milchgeschäft befunden, und bei der Garage hat sich ein Taxiunternehmer verdingt. Immer wenn ein bisschen Geld vorhanden war, hat man daran weitergebaut. Norbert Strama: „Man hat schon darin wohnen können, aber wenn du eine Lampe aufhängen oder ein Loch durch die Decke bohren wolltest, dann hast du suchen müssen.“ Was Gewicht hatte, musste an den Balken gehängt werden. Der Vorgänger der Stramas hatte die Werkstatt bis 1972 in der Garage, den Verkauf im Erdgeschoss des Wohnhauses. Das hat Norbert Strama umgekrempelt und die Schusterei anstelle des Verkaufsraumes gesetzt. Denn das Geschäft mit dem Schuhverkauf flaute durch die Anbindung zur S-Bahn schlagartig ab, und die Neubiberger kauften ihre Schuhe fortan im breit sortierten Pep oder in Ottobrunn. Aber das Schuhmacherhandwerk blieb lebendig bis zur Schließung im August 2018.

Als Andenken hat sich Norbert Strama ein paar Schuhe und Ehrenurkunden bewahrt. Er ist Ehrenmitglied im Burschenverein, bei der Feuerwehr und sitzt im Gemeinderat.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Unterwasser-Rasenmäher stutzt Seegras in Bach
Auch unter Wasser wächst Gras, genauer gesagt Seegras. Und weil auch das gemäht gehört, waren unter der Woche Arbeiter mit einem speziellen Boot auf dem Ismaninger …
Unterwasser-Rasenmäher stutzt Seegras in Bach
Polizei sprengt Corona-Party an Regatta
Über hundert Menschen haben sich am Mittwochabend bei schönem Wetter am Ufer der Ruderregatta niedergelassen.
Polizei sprengt Corona-Party an Regatta
Wegen ungenehmigter Garage: Gemeinde muss Straße verlegen
Ein langer Streit in Hailafing endet mit einer Niederlage der Gemeinde. Obwohl die Garage eines Anliegers ohne Genehmigung entstand, darf sie stehen bleiben - und die …
Wegen ungenehmigter Garage: Gemeinde muss Straße verlegen
Trambahn-Krach: Grünwalder ärgern sich über Lärm am Gleis - MVG macht wenig Hoffnung
Die Trambahn-Linie nach Grünwald ist der Gemeinde wichtig. Doch die direkten Anwohner ärgern sich über den Krach, der aus ihrer Sicht zu vermeiden wäre.
Trambahn-Krach: Grünwalder ärgern sich über Lärm am Gleis - MVG macht wenig Hoffnung

Kommentare