Alternative Stromerzeugung mit Mikro-Wasserkraftwerk

Pullach - Allerspätestens seit Fukushima ist klar: Unsere Stromerzeugung braucht Alternativen. Karl Kolmsee (45) hat mit seinem Mikro-Wasserkraftwerk eine Idee vorgelegt. Und will mit ihr einen „Massenmarkt“ erobern.

Karl Kolmsees Erfindung ist mehr als eine Turbine. Sie ist ein vollständiges Kraftwerk. Darauf legt der Tutzinger größten Wert. Warum? Weil dies zu den Besonderheiten gehört, die Kolmsees Mikro-Wasserkraftwerk auszeichnen. Dieses gewinnt Flüssen, Bächen und Kanälen nicht nur Strom aus ihrer bloßen Fließgeschwindigkeit (also der kinetischen Energie) ab, sondern setzt ihn durch das Electrical Management System (EMS) gleich in gebrauchsfertigen Wechselstrom von 220 Volt um. Keine Turbine, ein Kraftwerk!

Bis vor einigen Tagen wurden Prototypen des nur 300 Kilo schweren Geräts noch am Pullacher Wasserkraftwerk und im Starnberger See getestet. In Taucheranzügen seien die sechs Mitarbeiter seines jungen Unternehmens „Smart Hydro Power“ sowie „zwei wackere Starnberger“ - die einfache Kombination aus Motor, Generator und Diffusor auf den Schultern stemmend - in den See gegangen, erzählt Kolmsee. Um hohe Fließgeschwindigkeiten zu simulieren, spannte das Team das Gerät dann hinter ein Motorboot - und startete. Das Ziel: Abgleich einer errechneten mit der tatsächlichen Leistungskurve. Anders gefragt: Erreicht das Gerät bei hohen Fließgeschwindigkeiten die versprochene Maximalleistung von fünf Kilowatt? Kolmsees Fazit nach den Tests: „Wir sind zufrieden und bestellen am Montag unseren Generator.“

Nicht erst seit diesem Ergebnis stehen für Kolmsee die Zeichen auf Erfolg. „Wir wollen natürlich einen Massenmarkt erobern“, fabuliert er und denkt auch über Europa hinaus. Vor allem im südamerikanischen Amazonasbecken, aber auch an großen Flüssen wie Rhein, Elbe und Donau seien die Voraussetzungen für das Miniatur-Kraftwerk optimal. Mindestens 1,70 Meter Wassertiefe und eine minimale Fließgeschwindigkeit von einem Meter pro Sekunde sind vonnöten, um die Turbine unterhalb der Wasseroberfläche anzutreiben.

Schon im September soll die Produktion mit 25 Geräten starten. Ab 2012 plant Kolmsee dann die Herstellung von 250 Einheiten jährlich. An Anfragen mangele es nicht, schwärmt der Firmenchef. Die kämen „von Australien bis Chile, von Norwegen bis Südafrika“.

Marcus Mäckler

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