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Erst mal schnuppern: Dr. Andreas Miller leitet das Fischlabor im Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit. Auch die Sinne – riechen und sehen – kommen hier zum Einsatz.

100 Jahre Amt für Lebensmittelsicherheit

Wie kommt das Pferd in die Lasagne?

Oberschleißheim - Hier enttarnt man Gammelfleisch, untersucht Vitamin-Cocktails und hier kämpft man auch gegen hochinfektiöse Gefahren wie Ebola: Am Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit.

Wenn am Flughafen München ein Fluggast mit Ebola-Verdacht ankommt, dann schrillen demnächst am Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) in Oberschleißheim alle Alarmglocken. Dann sind deren Experten gefordert. „Die Bundesregierung hat wichtige Schritte eingeleitet, um die Zusammenarbeit gegen die Epidemie in Westafrika koordiniert zu organisieren. Unsere Experten kommen dann am Flughafen München zum Einsatz“, sagt LGL-Pressesprecherin Claudia Schuller. Zur Bekämpfung des Ebola-Virus wurde gerade vom Bund eine Task Force am LGL mit fünf Stellen bewilligt.

Mit Sonderaufträgen kennen sie sich aus in Oberschleißheim: Seit 1. Juli 2006 ist zum Beispiel die Spezialeinheit zur Lebensmittelsicherheit im Einsatz. „Unser Team ist in Folge des so genannten Gammelfleisch-Skandals entstanden“, berichtet „Gründungsmitglied“ und Leiter Dr. Reiner Faul (52). Den Fall des 2010 zu drei Jahren Freiheitsstrafe verurteilten Illertissener Fleischhändlers Gerhard Kollmer bezeichnet Faul als den größten Erfolg seiner Truppe.

95 Mitarbeiter des Landesamts, das am Wochenende sein 100-jähriges Bestehen mit einem „Tag der offenen Tür“ feiert (siehe Kasten), sind in den Kontrollabteilungen im Einsatz. Tierärzte, Agraringenieure, Lebensmittel-Chemiker und -Technologen, Ökotrophologen, Lebensmittelkontrolleure, EDV-Spezialisten und Juristen arbeiten hier Hand in Hand. Faul: „Dieses interdisziplinäre Vorgehen gibt es so nur in Bayern.“

Unangemeldete Besuche in Großbetrieben – für Schlagzeilen sorgte der Fall „Müller-Brot“ 2012 – gehören ebenso zu den Aufgaben der Spezialeinheit wie ein akkurates Krisenmanagement (z.B. bei Ehec und Dioxin) oder die Umsetzung von „Rapid Alerts“ im europäischen Schnellwarnsystem: „Wenn in Finnland in einem bayerischen Joghurt eine Scherbe gefunden wird, springt das gesamte System an.“ Der Standort Oberschleißheim ist mit seinem rund 30 000 Quadratmeter umfassenden Grundstück und den knapp 600 Mitarbeitern (1100 insgesamt) die größte LGL-Dependance. Die Zentrale liegt in Erlangen, weitere Dienststellen gibt es in München, Würzburg, Nürnberg und Schwabach.

Endlos lange Gänge tun sich auf, die Labors ähneln sich mitunter wie ein Ei dem anderen. Im West-Trakt residiert Dr. Brigitte Schlagintweit: Sie arbeitet seit 1989 am LGL, seit 14 Jahren im Bereich „Diätetische Lebensmittel, Nahrungsergänzungsmittel, Novel Food“. Auf den vor allem durch immer neue EU-Richtlinien wachsenden Paragrafen-Dschungel angesprochen, bleibt sie gelassen: „Umfangreich und kompliziert, aber ich habe viele Regelungen in der Entstehung mitbekommen, kenne also die Historie und tu‘ mich leichter.“

Einblicke: So arbeiten die Lebensmittel-Prüfer

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In Nahrungsergänzungsmitteln mit stark überhöhtem Vitamingehalt sieht die Expertin durchaus „problematische Produkte“. Zwar gebe es da keine Höchstgrenzen, doch der hauseigene Toxikologe stuft das durchaus als problematisch ein. „Wenn man sich gesund und abwechslungsreich ernährt, bekommt der Körper alles, was er braucht“, sagt Schlagintweit. Sie muss es wissen. Sie ist die Expertin.

Tag der Offenen Tür

Als vor 100 Jahren der Grundstein für die „Veterinärpolizeiliche Anstalt“ gelegt wurde, begann eine besondere Erfolgsgeschichte im Verbraucherschutz. Der Name der Institution änderte sich mehrfach, ihr Ziel nicht: die Gesundheit von Tier und Mensch zu gewährleisten. Anlässlich des Jahrestages seiner Gründung lädt das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) zu einem Tag der offenen Tür in die Veterinärstraße 2 in Oberschleißheim ein. Am Samstag, 18. Oktober, präsentiert die Fachbehörde zwischen 11 und 17 Uhr einen Mix aus Laborführungen und Vorträgen – zu Themen wie „Hygienestatus in der Schulverpflegung“ oder „Wie kommt das Pferd in die Lasagne?“ Wer eine Probe seines Leitungswassers mitbringt, kann sie auf Wasserhärte, Nitrat und Nitrit testen lassen.

Guido Verstegen

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