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Gasengpässe im Winter: Andrang auf E-Heizungen und Holzöfen - „Hier ist der Teufel los“

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Von: Max Wochinger

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Gibt es genügend Gas im Winter? Viele Menschen im Landkreis München schauen sich vorsichtshalber nach neuen Heizungen um. (Symbolbild) © IMAGO/Thomas Bartilla

Die Sorge vor Versorgungsengpässen wächst. Die Menschen im Landkreis bereitet sich auf einen ungewissen Winter vor – mit Elektroheizungen und Holzöfen.

Landkreis – Was rentiert sich und was nicht? Norbert Strama aus Neubiberg überlegt seit einigen Wochen, wie er künftig sein Haus heizen will. Explodierte Energiepreise und mögliche Versorgungslücken haben den ehemaligen Schuhmacher zum Nachdenken angeregt. „Man weiß ja nicht, ob es überhaupt noch Gas gibt?“ Nun muss er sich orientieren in einem Dschungel aus Heizformen und Fördermöglichkeiten.

In Stramas Haus ist eine Gasheizung installiert und es gibt einen offenen Kamin. 600 Euro habe er bisher im Jahr für Gas gezahlt. „Jetzt hat sich der Gaspreis fast verdoppelt“, sagt er. Langfristig will er Tiefenwärme oder eine Solaranlage.

„Ich muss diesen Winter noch nicht umstellen“

Die Bundesregierung warnt indes vor einem Stopp der Gasexporte aus Russland, im Winter könnte es zu Versorgungslücken kommen, so auch die Stadtwerke München (siehe Kasten). Die Zeit drängt. „Ich muss diesen Winter noch nicht umstellen“, sagt Strama. Er wird sich wohl heuer auf seine zweite Heizquelle konzentrieren: auf den Holzofen.

So wie Norbert Strama denken viele Menschen im Landkreis: Die Nachfrage nach Holzöfen und Elektroheizungen ist stark gestiegen. „Hier ist der Teufel los“, sagte etwa Silke Göhler vom gleichnamigen Ofenbau- und Sanitärbetrieb aus Höhenkirchen-Siegertsbrunn. Bis zu 30 Kunden würden am Tag anrufen, den meisten muss sie absagen. Temperaturen über 30 Grad rege für gewöhnlich nicht zum Holzofenkauf ein. Im Krisenjahr 2022 ist es anders.

„Die Leute nehmen momentan was greifbar ist“

Das zeigt sich auch bei der Verfügbarkeit: Göhlers Betrieb werden zwar immer wieder Holzöfen geliefert, viele Bestellungen kämen aber nicht vor April 2023 an. Ihre Kunden kann sie nur einen Rat geben: im November nochmal anrufen.

Dass Bürgerinnen und Bürger nach Alternativen zu Gas und Öl suchen, merkt auch Günther Hiltl, Marktleiter der Hagebau-Filiale in Unterhaching. Die Nachfrage nach Wärmewellen, Radiatoren und Heizlüfter sei deutlich gestiegen. Ob günstige Heizlüfter für zehn Euro oder höherpreisige Geräte: „Die Leute nehmen momentan was greifbar ist“, sagt Hiltl.

Vor seinem Kamin: Norbert Strama aus Neubiberg wird garantiert nicht frieren im Winter.
Vor seinem Kamin: Norbert Strama aus Neubiberg wird garantiert nicht frieren im Winter. © Marc Oliver Schreib

Experte rät: Lieber den Verbrauch senken

Der Markt hat das Potenzial der Energiekrise erkannt: Die Leitung plant, Radiatoren und Heizlüftern auf Aktionsflächen prominent zu bewerben. Radiatoren sind teurer geworden, die Preise seien aber noch stabil, sagt Hiltl. Künftig würden sie sich aber „im Rahmen der normalen Preissteigerung anpassen“. Im Moment gebe es noch Restbestände vom vergangenen Winter. „Es gibt aber keine Garantie, dass die Geräte noch im Herbst vorhanden sind“, so Hiltl.

Martin Handke von der Energieagentur Ebersberg-München sieht die Anschaffung von E-Heizungen und Öfen derweil kritisch: „Energetisch betrachtet sind Radiatoren ein Rückwärts-Purzelbaum.“ Auch der Strom- und Holzpreis würde wegen des Mehrverbrauchs künftig steigen. Zudem würde die Umwelt mit Feinstaub belastet. Aus Sicht des Energieberaters gibt es eine einfache Lösung: den Verbrauch von Gas und Öl senken.

Wie lange fließt noch Gas in den Landkreis?

Die Stadtwerke München (SWM) sind ein großer Gaslieferant für die Kommunen im Landkreis München. „Bis auf Weiteres ist die Versorgungssicherheit noch gewährleistet“, teilen die SWM mit. Im nächsten Winter könne es aber eng werden. Die Lage sei wegen der reduzierten Gaslieferungen ernst.

Die Bundesregierung hat die zweite Stufe des „Notfallplan Gas“ ausgerufen. Wenn sich die Situation weiter verschlechtert, kann das Kabinett die dritte Stufe ausrufen. „Dann kann der Staat auch aktiv in den Markt eingreifen“, so die SWM. Bei Versorgungsengpässen würden dann private Haushalte, soziale Einrichtungen, Krankenhäuser und Anlagen zur Fernwärmeerzeugung besonders geschützt.

Wo es den SWM möglich ist, werden sie bei der Strom- und Fernwärmeerzeugung Ersatzbrennstoffe einsetzen und auf Gas verzichten, teilt der Betrieb mit. Die SWM hätten etwa die bereits geplante Umstellung des Kohleblocks im Heizkraftwerk Nord auf Erdgas verschoben. Der Block sei „sehr leistungsfähig“ und könne mehr Wärme und Strom erzeugen als in den vergangenen Jahren. Zudem reaktivieren die SWM zwei stillgelegte Ölbrenner an Heizwerken.

Die Stadtwerke machen deutlich, dass Energiesparen „das Gebot der Stunde“ sei. Wer weniger Energie verbrauche, trage zur Versorgungssicherheit bei, schone die Umwelt und spare Geld. „Jede eingesparte Kilowattstunde Strom reduziert den Gaseinsatz für die Stromerzeugung“, so die Stadtwerke.

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