Urteil im Larissa-Prozess

"Der Teufel führte die Hand"

  • Nina Gut
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Unterföhring/ München - Der Angeklagte (24) sitzt zusammengesunken auf der Anklagebank, die Hände im Schoß. Er trägt ein dunkelblaues Hemd und ein graues Jackett. So wartet er darauf, dass das Landgericht München I das Urteil über ihn spricht – über den Mann, der seine erst 16 Jahre alte Freundin Larissa P. voriges Jahr mit einem Klappmesser erstochen hat.

Das Urteil: Freispruch vom Vorwurf des Mordes. Denn der 24-Jährige hat im Wahn auf seine Freundin eingestochen. Doch er ist nach wie vor gefährlich für seine Mitmenschen. Deshalb weist ihn das Gericht auf unbestimmte Zeit in die geschlossene Psychiatrie ein. Der 24-Jährige und die 16-Jährige waren Anfang März 2015 beim Bowlen gewesen und kamen nach Mitternacht heim in die Unterföhringer Wohnung, in der Larissa P. mit ihrem Vater wohnte. Irgendwann lief der Angeklagte in Boxershorts aufgebracht auf die Straße, Larissa hinterher. Ein Nachbar konnte die Situation beruhigen. 

Warum hat der Angeklagte zugestochen?

Doch zurück in der Wohnung ging der 24-Jährige in die Küche, nahm ein Messer und stach unvermittelt auf seine junge Freundin ein. Dabei durchtrennte er unter anderem die Halsschlagader. Die Verletzungen seien „absolut tödlich“ gewesen, stellte der Rechtsmediziner Wolfgang Keil fest. Larissa konnte nicht mehr gerettet werden. Die entscheidende Frage für das Gericht lautete nun: Warum hat der Angeklagte zugestochen? Weil es Streit um eine Trennung gab, so wie es in der Anklage stand? Oder weil er im Wahn handelte? Denn er selbst schilderte einen Zustand, in dem er nicht mehr Herr seiner Sinne gewesen sei: Er habe gedacht, dass Larissa eine Hexe sei. Stimmen hätten ihm gesagt, dass er sie töten müsse. Er habe das Gefühl gehabt, der Teufel stehe hinter ihm und führe seine Hand. Das Gericht musste diese Angaben hinterfragen: Hat er im Wahn gehandelt oder spielte er das nur vor? Ergebnis: „Wir können es nicht widerlegen. Deshalb müssen wir letztlich davon ausgehen“, sagte der Vorsitzende.

24-Jähriger war wegen Psychose in Behandlung

 Er folgte damit dem Gutachten des Sachverständigen, der eine polymorphe psychotische Störung diagnostizierte, eventuell gefördert durch Cannabis-Konsum. Bereits 2012 war der 24-Jährige wegen einer Psychose in Behandlung in der Psychiatrie. Die schien überwunden. Doch schon Tage vor den Messerstichen an Larissa soll der Angeklagte wieder auffällig geworden sein. Freunde schilderten, dass er sich komisch verhielt. Er habe das Gefühl gehabt, mit der Erde in Kontakt treten und mit Pflanzen sprechen zu können. Er hatte auch das Gefühl, er habe einen guten und einen bösen Teil in sich. Auch der Nachbar schilderte den verwirrten Zustand des Angeklagten, der auf der Straße schrie, sang und „Teufel“, „Jesus“, „Allah“ und „Luzifer“ schrie.

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