Imam Benjamin Idriz im Römerhoftheater.

Angeregter Dialog mit rehabilitiertem Imam

Garching - Es war ein wichtiger Tag für Benjamin Idriz. Am Vormittag hatte der Imam erfahren, dass seiner muslimischen Gemeinde in Penzberg die Gemeinnützigkeit wieder zuerkannt wird.

In einem internen Bericht hatte der Verfassungsschutz erklärt, dass man dieser keine demokratiefeindlichen Absichten mehr nachweisen könne.

Diese wichtige Rehabilitierung ging abends in der angeregten Diskussion im Römerhoftheater in Garching fast unter. Erst nach der Veranstaltung, als einige Zuhörer sich sein Buch „Grüß Gott, Herr Imam“ signieren ließen, verkündete Idriz glücklich und gelöst die Neuigkeit.

Deutschlandweit hat er Aufsehen erregt mit diesem Buch. Auf Einladung des SPD-Ortsvereins war er in Garching zu Gast und sprach im fast voll besetzten Römerhoftheater über den benötigten Dialog der Kulturen. Ein munteres Gespräch entwickelte sich zwischen den Gästen und dem Imam, der die Gläubigen seiner Religion durchaus kritisch betrachtete.

Idriz las anfangs aus seinem Buch und dem „Weg vom Dialog zur Freundschaft, vom Sie zum Du.“ Seine Folgerung war auch klar: „Wenn wir eine gelungene Integration wollen, dann ist Dialog mehr als ein Luxus.“ Das Publikum war sehr angetan von verschiedenen Passagen, die provozieren und die Diskussion anschieben möchten.

Idriz erklärte, „dass Muslime leider noch nicht in der Lage sind, Kritik zu hören“. Dabei müsse eine Debatte über seines und andere Bücher erfolgen. Er begrüße kritische Bewertungen seiner Bücher in türkischen Zeitungen: All diese Beiträge förderten eine Diskussion.

Erfreut äußerte sich der Imam darüber, nirgends so viele Muslime im Publikum gesehen zu haben wie in Garching. Er erinnerte sich an einen Vortrag in Bad Tölz, wo unter 140 Menschen gerade einmal zwei Muslime waren. Im Römerhoftheater waren es deutlich mehr als zehn: „Der Prozess hat begonnen“, stellte er fest. Idriz, der den Koran bereits mit elf Jahren auswendig gelernt hat, erklärte: „Ein Moslem in Deutschland wendet sich zum Beten nach Mekka und für die Politik nach Berlin und Brüssel.“

Auch sieht er den ersten weiblichen Imam nicht als Tabuthema. „Das ist dann der Wettlauf mit der katholischen Kirche“, scherzte SPD-Ortsvorsitzender Götz Braun, der die Diskussion moderierte.

Idriz machte deutlich, dass die islamischen Länder die Trennung von Religion und Politik benötigten. Es gebe schon Entwicklungen in diese Richtung „und das beste Beispiel ist die Türkei“. Christen in der Türkei hätten heute eine deutlich bessere Situation als noch vor zehn Jahren. Die Frage, ob der Islam zu Deutschland gehöre, bejahte Idriz: „Wenn ich zu Deutschland gehöre, dann gehört auch meine Religion dazu.“ Im Gegenzug respektiere er ja auch das hohe Ansehen von Bischöfen und Kardinälen in der deutschen Gesellschaft. Nach der Veranstaltung zeigten sich einige Zuhörer überrascht. „Ich hatte einen etwas älteren, konservativen Mann erwartet“, sagte eine Zuhörerin, „aber Herr Idriz spricht wie ein moderner Pfarrer“. nb

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