Angst vor der Zukunft

- Unterföhring - "Wir müssen das erst noch richtig verdauen", sagt Tobias Heines und gibt damit die angespannte Atmosphäre bei Konica Minolta in Unterföhring wieder. Kein Wunder. Niemand war auf die Nachricht vom Ausstieg des Konzerns aus dem Kamera- und Fotogeschäft (wir berichteten) vorbereitet. Mitarbeiter hatten übers Internet davon erfahren - wohl noch vor der eigenen Geschäftsführung.<BR>

<P>Heines ist Marketing-Assistent und gehört mit 26 Jahren zu den Jüngeren im Betriebsrat. Er ist erst vor fünf Jahren von Nordrhein Westfalen nach Bayern gezogen. "Ich möchte hier bleiben. Hier habe ich keine Kollegen, sondern nur Freunde. Ich bin immer noch froh, ein Mitarbeiter von Konica Minolta zu sein", sagt Heines kämpferisch, aber im Endeffekt weiß er: "Ich muss mich wohl ganz neu orientieren."<P>Die Meldung war selbst für den Betriebsratsvorsitzenden Matthias Dietrich ein Hammer: "Restrukturierungsmaßnahmen waren schon angedacht. Mit einem kompletten Rückzug aus dem traditionellen Kerngeschäft hat keiner gerechnet. Das ist zum Weinen."<P>Weltweit sind 3700 der insgesamt 33 000 Mitarbeiter betroffen. In Unterföhring werden wohl 120 Beschäftigte im Fotobereich ihren Arbeitsplatz verlieren. Weitere 55 Mitarbeiter aus den medizinischen und grafischen Bereichen sind von dem Ausstieg zwar nicht betroffen, wissen aber ebenfalls nicht, wie es konkret für sie weitergeht.<P>Wolfgang Hering ist 56 Jahre alt, seit 39 Jahren im Unternehmen, seit 22 Jahren in Unterföhring. Hering ist traurig und hat Angst um seine Zukunft. "Für den Ruhestand bin ich zu jung", sagt er, weiß aber auch: "Die Branche ist sehr rückläufig."<P>Die Gefühlspalette ist groß. "Vom ekstatischen Wahnsinn bis zur tiefster Trauer ist alles vorhanden", schildert Dietrich. "Wir müssen jetzt versuchen, Ideen zu entwickeln, wie dem entgegenzuwirken ist", sagt Dietrich. Seit Dienstag laufen Gespräche mit der Geschäftsleitung. Die Verhandlungen seien sehr fair und Weder Sozial- noch Zeitplan vorhanden hoffnungsvoll gestartet. "Es geht ja nicht, dass man die Bude einfach so abknipst. Es sind Sachen da, die man erst allmählich runterfahren muss", unterstreicht der Betriebsratsvorsitzende. "Außerdem", sagt Dietrich, "hat man noch andere Firmenbereiche, wo man überprüfen kann, ob eine Transfermöglichkeit von Mitarbeitern stattfinden kann".<P>Pressesprecher Rainer Bellmann zieht mit dem Betriebsrat an einem Strang und macht aus seiner Wut keinen Hehl: "Der Mensch steht immer mehr im Hintergrund. Die Aktien bestimmen den Gang. Das ist schade." Anfang Februar wird es nach seiner Einschätzung neue Informationen geben: "Bis jetzt gibt es ja keine Planung - weder einen Sozial- noch einen Zeitplan."Ali Danabas<P>

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