Die Malerin verharrt nicht bei einem künstlerischen Prozess, sondern will weitergehen und neue Wege einschlagen (hier mit dem Bild Challenge 1 und 2). Foto: robert brouczek

Der Arbeit mit Farbe und Pinsel verfallen

Ottobrunn - Nach ungewöhnlichen Aquarellen stehen in der neuen Ausstellung in der Ottobrunner Galerie „Treffpunkt Kunst“ jetzt Acrylbilder im Mittelpunkt.

„Reflections“ betitelt Künstlerin Johanna Bell-Hartl ihre Ausstellung abstrakter Arbeiten. Mit Aquarellen hat die 60-Jährige aus Kolbermoor begonnen, sich dann aber schnell wiedergefunden beim Malen mit Acryl. Abstrakte und informelle Malerei ist das, was die Künstlerin fasziniert. Ihr geht es um die Sichtbarmachung von Gefühlen und Gedanken, von Wörtern, die ihr im Kopf herumgeistern und die sie auf der Leinwand umsetzen will.

In der Ottobrunner Ausstellung sind ihre neuesten Arbeiten zu sehen: gut ein Dutzend großformatige Bilder, die zumeist englische Titel tragen. Der Mann der Künstlerin stammt aus Boston, daheim wird Englisch gesprochen, also überträgt sich dies auch auf ihre kreative Arbeit. Der Ehemann war es auch, der Bell-Hartl ermuntert hat, künstlerisch tätig zu werden. Sie war Assistentin der Geschäftsführung eines Mobilfunkunternehmens und in der Freizeit stets umtriebig, wie sie lachend erzählt: „Ich brauche immer irgendein Projekt. Die Wände neu anstreichen, den Boden verlegen.“ Ihr Mann hat sie dann zum Malen ermuntert. Der Arbeit mit Farbe und Pinsel „bin ich sofort verfallen“, sagt Bell-Hartl. 16 Jahre ist das jetzt her. Dass das Gegenständliche nichts für sie ist, war ihr sofort klar. Sie wollte abstrakt malen. Und da die Malerin bei einem künstlerischen Prozess nicht verharren, sondern weitergehen und neue Wege einschlagen will, besucht die Künstlerin regelmäßig die Reichenhaller Akademie. „Ich bleibe nur selten dem Moment verhaftet, denn ich bemühe mich, über ihn hinauszugehen, um so eine weitere Stufe der Kreativität zu erreichen. Die so erlebte Autonomie befähigt mich, mein Werk anzunehmen oder zu verwerfen.“

Erst im Sommer hat sie wieder an der Reichenhaller Akademie gemalt und gleichzeitig eine Rosskur durchgemacht. „Ich habe gemerkt, dass ich ganz schön eingefahren bin.“ Die Neuorientierung sei nötig gewesen, auch wenn die Künstlerin einiges durchgemacht hat. „Ich war wütend, ich habe geheult.“ Mit ihrem Dozenten lag sie im künstlerischen Clinch. „Wir haben uns manchmal gezofft, das war Wahnsinn.“ In dieser Zeit ist auch das Bild „Challenge“ entstanden - mit 1,20 mal zwei Meter die größte Arbeit in der Ottobrunner Ausstellung. „Das war wirklich eine Herausforderung“, betont Bell-Hartl. Sie hat mit Acryl und Pigmenten gemalt, die Grundfläche ist tiefschwarz. Grautöne setzt die Malerin aus Kolbermoor ein, aber auch hellblau oder ein helles Petrol. Eine Arbeit sei „frech wie Rotz am Ärmel“, freut sich die Künstlerin.

Bewusst geht sie den Dialog mit dem Betrachter ein, will ihm auf Augenhöhe begegnen und lässt ihm beim Betrachten ihrer Arbeit jede Freiheit: „Meine Bilder zeigen die Wahrnehmung von Unterschieden, die auf jeden Betrachter in unterschiedlicher Weise wirken und zur Reflektion anregen wollen.“

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