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Eine Kirche an historischer Stelle: Aschheims Altbürgermeister Helmut Englmann erklärt, dass unter der Kirche „St. Peter und Paul“ die Mauern sechs weiterer Gotteshäuser gefunden worden sind.

Ein Altbürgermeister mit Liebe zum Ort

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Aschheim - In der Ortsmitte von Aschheim stehen viele Brunnen, Stelen und mehr oder weniger versteckte Denkmäler. Die meisten von ihnen erinnern an Ereignisse aus der Aschheimer Geschichte – und haben in der Zeit ihren Platz in Aschheim gefunden, während der Helmut Englmann Bürgermeister war.

Der Altbürgermeister, der nun seit zwei Jahren nicht mehr im Amt ist, hat es sich jetzt zur Aufgabe gemacht, Menschen die Geschichte seines Ortes näher zu bringen. Jüngst gab er den Mitgliedern der örtlichen Frauen Union (FU) eine Führung durch die Gemeinde. „Unsere Geschichte reicht vom Jahr 2460 vor Christus bis 1944“, sagte Englmann. Funde aus alter Zeit gibt es einige: Etwa die beiden Skelette, die beim Bau der Umgehungsstraße gefunden wurden. Das eine stammt von einem Jäger, der etwa 2480 vor Christus auf die Jagd ging, das andere von einem deutschen Luftwaffen-Pilot, der 1944 im Krieg abgeschossen wurde. „So nah liegt bei uns Geschichte zusammen“, sagte Englmann. 

Sechs Kirchen vergraben

Eines der markantesten Gebäude im Ort ist die Kirche „St. Peter und Paul“, unter der sich sechs andere Kirchen befinden. Englmann zeigte die Tafeln und präsentierte einen im Boden frei gelegten Blick auf die Mauerwerke der Gotteshäuser vergangener Tage. Dabei scherzte er, „dass 1492 Amerika entdeckt wurde, und Aschheim 1480 schon die sechste Kirche bekam“. Dort befindet sich unter einem Kirchenvordach auch das leere Grab des heiligen Emmeram, der von Frankreich nach Ungarn ziehen wollte. Er starb bei Feldkirchen und wurde in Aschheim beigesetzt. Zwischen 652 und 714 muss das gewesen sein. „Die Bayern hatten schon damals keine gescheite Geschichtsschreibung“, spöttelte Englmann. 

Mit Leidenschaft und Witz

Der Altbürgermeister führte seine Zuhörer mit Leidenschaft, Liebe zu Aschheim und Witz durch den Ort. So erzählte er von der einstigen Aussegnungshalle des Aschheimer Friedhofes, „deren historischer Wert bei minus Null lag“. Das Gebäude wurde mittlerweile beseitigt, damit die Kirche von der Straße aus wieder zu sehen ist. Überhaupt ist Englmann stolz auf die Kommune – die nach seiner Ansicht in vielen Dingen selbst der Landeshauptstadt überlegen ist: Beim Schäfflertanz etwa gilt in Aschheim seit dem Jahr 1886 die Tradition, nach der jeder Bursche nur einmal mittanzen darf. Die, wie er findet, überragend ausgebildeten Aschheimer Schäffler werden dann zum Großteil von München übernommen. „Wenn Sie die Münchner Schäffler einmal tanzen sehen, dann sehen Sie Aschheimer“, sagte Englmann. 

Auch deshalb tanzen vier Schäffler auf dem Denkmalbrunnen vor dem Kulturellen Gebäude, das einst ein zentraler Bauernhof war. Die Mitglieder der Frauen Union waren begeistert von der Führung. Vorsitzende Gabriele Denzel kündigte an, dass im Oktober ein historischer Spaziergang durch Dornach folgen soll. Helmut Englmann ist als Führer bereits gebucht.

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