+
Bedrohter Sichtschutz: An diesem Abschnitt des Einsteinrings soll das Wirecard-Parkhaus in den begrünten Wall gebaut werden

Es soll im Grüngürtel gebaut werden

Anwohner protestieren gegen Parkhaus am Einsteinring - sie haben eine klare Forderung

  • vonNico Bauer
    schließen

Am Einsteinring im Dornacher Gewerbegebiet soll ein Parkhaus entstehen, damit ein DAX-Konzern der Gemeinde erhalten bleibt. Anwohnern und Naturschützern passt der Neubau gar nicht.

Aschheim – Die Gemeinde Aschheim hat größere Anstrengungen unternommen, um den DAX-Konzern Wirecard langfristig im Gewerbegebiet Dornach zu halten. Das ist gelungen – dank der leer stehenden Gebäude an der Einsteinstraße, in denen einst die Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge untergebracht war. So weit, so gut. Das große Politikum beim Umzug des Konzerns ist das dazugehörige Parkhaus.

Das soll im Grüngürtel auf der anderen Seite des Einsteinrings realisiert werden. Ein Plan, der einigen Gegenwind erfährt, wie im Bauausschuss deutlich wurde. Hier wurden die Einwände der Öffentlichkeit behandelt.

Parkhaus am Einsteinring: So groß soll es werden

Das Parkhaus hat eine Grundfläche von 2500 Quadratmetern, eine Wandhöhe von 1,50 Meter und bietet Platz für mehr als 400 Fahrzeuge. Es ersetz einen Teil des mit Bäumen begrünten Walles in Richtung des benachbarten Wohngebietes.

Mehrere Bürger hatten schriftliche Stellungnahmen abgegeben. Sie befürchten, dass der Durchbruch des Walles neue Belastungen für den Wohnort bringt. Ein Anwohner wählte deutliche Worte: „Der Wall bietet einen Sichtschutz für uns direkte Anwohner. Der Blick auf ein notdürftig begrüntes Parkhaus ist eine Zumutung.“

Parkhaus am Einsteinring: Das haben die Naturschützer dagegen

Die Gemeinde sieht das anders, verweist darauf, dass das Parkhaus deutlich niedriger wird als die Gebäude in der Nachbarschaft. Zudem füge sich das Bauwerk in die Umgebung ein.

Der Bund Naturschutz und einige Dornacher Bürger kritisierten aber auch, dass das Grün am Einsteinring ein Linienbiotop sei, das durch dieses Parkhaus unterbrochen werde. Die Naturschützer sehen dies als unzulässig an, wie sie in ihrer Stellungnahme deutlich machen. Das wird auch mit einem Beispiel untermauert: „Der schön und ökologisch angelegte Teich nördlich des Kreisels (Einmündung Einsteinring in die Erdinger Landstraße) wird durch das Parkhaus als Biotop abgeschnitten, sodass beispielsweise im S-Bahn-Biotop lebende Zauneidechsen ihn nicht mehr erreichen können.“ Er bekomme einen Inselstatus und sei ökologisch dementsprechend abgewertet. Für die Gemeinde ist das Trenngrün nicht wesentlich beeinträchtigt, der Umfang der artenschutzrechtlichen Prüfung werde zudem eh eng mit der Naturschutzbehörde abgestimmt.

Parkhaus am Einsteinring: Anwohner fordern eine Tiefgarage

Die klare Forderung der Anlieger lautet, dass die benötigten Parkplätze unter den Bürogebäuden in einer Tiefgarage untergebracht werden sollen. „Die Ausrede, dass dies finanziell teurer wäre wird nicht akzeptiert, genauso wenig wie das Grundwasser“, schreibt ein Anlieger. Die Gemeinde wiederum verwies darauf, dass eine mehrstöckige Tiefgarage bei dem hohen Grundwasserstand „erheblich in den Grundwasserstrom und damit ein ebenfalls relevantes Schutzgut eingreifen würde“. Zudem sei so eine Tiefgarage unter Bestandsgebäuden wirtschaftlich unverhältnismäßig umfangreich. Ein Parkhaus sei umweltverträglicher als der nachträgliche Bau einer Tiefgarage.

Das könnte Sie auch interessieren: Die coolsten Arbeitsplätze im Landkreis - wir stellen jeden Tag einen neuen vor

Der Dornacher Gemeinderat Heinrich Broda (FW) sprach sich weiterhin gegen das Parkhaus aus. Er betonte, dass er damit auch die Meinung vieler Dornacher wiedergebe: „Ein paar Bürger haben Stellungnahmen geschrieben, aber mündlich sind viel mehr gegen das Parkhaus.“ Bürgermeister Thomas Glashauser (CSU) wies auf die Konsequenzen für die Gemeinde hin, sollte man das Parkhaus verweigern: „Das heißt, dass man eine Firma ablehnen muss, die sich hier ansiedeln möchte.“ Auch wenn keiner den Namen Wirecard aussprechen durfte, war klar, dass es bei dem langjährigen Verbleib des DAX-Konzerns in Dornach auch um erhebliche Gewerbesteuereinnahmen der Gemeinde gehen dürfte.

Bei einer Gegenstimme trieb der Ausschuss das Projekt voran.

Lesen Sie auch: Wirt an beliebtem Badesee sperrt zu - obwohl das Geschäft gut läuft

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare