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Die Hunde der Feuerwehr Aschheim üben wöchentlich.

Quer durch Oberbayern

Voller Einsatz für ein Leckerli: Ein Besuch bei der Rettungshundestaffel Aschheim

  • Laura Forster
    vonLaura Forster
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Wenn in und um München eine Person vermisst wird, rücken die Hunde der Rettungshundestaffel Aschheim aus. Sie nehmen die Fährte des Vermissten auf. Wir haben Hund und Herrchen beim Training besucht.

Aschheim – Der braune Labrador Bobby hält die Ohren gespitzt. Den Kopf leicht schief gelegt, blickt er konzentriert den Waldrand entlang. Der Karabiner klickt. Sein Besitzer löst die Leine vom Geschirr – Bobby stürmt los. Im Schweinsgalopp durchquert er das knöchelhohe Gras. Der Hund stoppt, schnüffelt und schleicht mit geducktem Kopf auf eine reglose Gestalt am Boden zu. Seine Nase berührt beinahe den Kopf der Frau. Bobby beginnt lautstark zu bellen. Er verstummt erst, als sein Halter Thomas Kämmerer sich neben ihn kniet und ihm eine Tupperdose mit Leckerlis hinhält. Die am Boden liegende Frau erwacht aus ihrer Opferrolle und streicht dem Hund mit beiden Händen über den Kopf. Heute war das Szenario nur eine Übung im Training der Rettungshundestaffel der Feuerwehr Aschheim. Doch Führer und Hunde sind in ständiger Alarmbereitschaft.

Simulierter Ernstfall.

Vier Mal war die Rettungshundestaffel vorige Woche unterwegs, erzählt Leiterin Christina Lex. Ein Trümmereinsatz in Günzburg, drei Personensuchen im Münchner Umland. Die Gruppe ist für die Landeshauptstadt und die angrenzenden Landkreise zuständig. Wenn es die Anforderungen verlangen, fährt sie aber auch durch ganz Oberbayern. Die letzten Tage waren besonders intensiv. „Normalerweise haben wir 30 bis 35 Einsätze im Jahr“, erklärt Lex. „Meistens in der Nacht.“ Per Handy und Funk werden die Hundeführer alarmiert. Der Trupp trifft sich entweder am Feuerwehrgerätehaus in Aschheim oder fährt direkt zum Einsatzort. Dort angekommen koordiniert ein Fachberater das Geschehen. „Jeder bekommt eine Fläche zugeteilt, die er mit seinem Hund durchsucht“, sagt Lex.

Rettungshundeführer sind ausgebildete Feuerwehrmänner

Im Training für den Ernstfall übt jedes Mensch-Hund- Duo alleine, so wie an diesem Tag. Die Teams warten am Waldrand neben dem Übungsplatz der Feuerwehr auf ihren Start. Sabine Heirich hält die Leine locker in der Hand. Die Reflektoren an ihrer Feuerwehruniform glitzern im Sonnenlicht. Dobby, ihr Border Collie, tappst aufgeregt von einer Pfote auf die andere. Heirich zieht ihm das Einsatzgeschirr über den Kopf und knipst es am Bauch zu. Der Hund beginnt zu jaulen, die Glöckchen am Halsband klirren. „Eine Art Startzeichen“, erklärt die Rettungshundeführerin. Der neongelbe Stoff des Geschirrs ist mit dem Emblem der Feuerwehr Aschheim bestickt. „Wir sind alle ausgebildete Feuerwehrmänner und Feuerwehrfrauen“, sagt Heirich. Das ist Grundvoraussetzung und unterscheidet die Rettungshundestaffel Aschheim von anderen Vereinen, wie dem Arbeiter-Samariter-Bund. „Wir müssen im Notfall ja auch handeln können“, erklärt Lex. Einige der 22 Mitglieder sind auch als First Responder oder Notarzt aktiv.

Sein Gleichgewicht trainiert der Labrador Murphy mit der Sprossenleiter.

Nicht nur die Menschen müssen qualifiziert sein, auch für ihre Tiere ist eine Prüfung als Rettungshund Pflicht. Und die ist alles andere als einfach. „Die Durchfallquote ist hoch“, sagt Lex. Dazu kommt, dass die Prüfung alle zwei Jahre wiederholt werden muss. Einer der Gründe, weshalb die Gruppe in Aschheim zwei Mal die Woche trainiert. Zu einer Suchaktion trifft sie sich samstags oder sonntags – in Kieswerken, Abrissgebäuden oder in den Staatsforsten.

Das Trainingsgelände erstreckt sich von Erding über Geretsried bis Kolbermoor bei Rosenheim. Zudem trainiert die Staffel einmal unter der Woche die Gewandtheit und Gehorsamkeit der Tiere, mithilfe von Treppen und Tunneln. „Die Geräte schulen die Trittsicherheit und das Gleichgewicht der Hunde“, erklärt Lex, während sie vom Waldweg auf den Übungsplatz der Feuerwehr abbiegt.

Diese Frau hat ein Leben gerettet: Brigitta Baumann geht in Haar spazieren, als sie zusammenbricht. Herzinfarkt. Dass sie überlebt hat, verdankt sie ihrer Nachbarin Caroline Schmidt. Und einem Beatles-Song.

Belohnung statt Zwang während der Arbeit

Ihr Kollege Mike Berg schlendert über den Platz, sein Labrador Murphy folgt ihm bei Fuß. Vor einer Rampe bleibt der Rettungshundeführer stehen und schickt seinen Hund mit einer Handbewegung los. Murphy trabt das Holzbrett hoch, balanciert seine Pfoten über die Sprossen einer Leiter und rutscht auf der anderen Seite die Rampe wieder runter. Mit wedelndem Schwanz rennt der Hund auf Berg zu. Zeit für eine Belohnung. Für den gemeisterten Parcours bekommt der Hund ein Leckerli. „Die Rettungshundearbeit funktioniert nicht über Zwang, sondern positive Verstärkung“, erklärt Lex. Wichtig sei, dass die Hunde Spaß haben. „Geeignet für den Job ist fast jede Rasse, nur zu groß oder zu klein sollten die Tiere nicht sein“, sagt Lex. Ein Rettungshund muss freundlich und motivierbar sein. Lex selbst ist seit 20 Jahren aktive Rettungshundeführerin. Ohne die Unterstützung ihres Mannes, der auch ehrenamtlicher Rettungshundeführer ist, undenkbar. „Der Zeitaufwand ist enorm“, sagt Lex. Die Trainingssuchaktionen dauern meist einen ganzen Tag. Für Einsätze stellen einige Arbeitgeber die Mitglieder des Teams auch frei. „Das ist ein großer Pluspunkt“, sagt Lex.

Durch die Röhre: Aruba meistert den Parcours unter dem wachsamen Blick von Hundestaffel-Leiterin Christina Lex.

Ein Einsatz, der ihr immer in Erinnerung bleiben wird, ist der Einsturz der Eissporthalle in Bad Reichenhall im Januar 2006, bei dem 15 Menschen ums Leben kamen. 18 Stunden war sie damals vor Ort. „Das war schon belastend“, sagt sie. Die Suchen können sich lange ziehen, manchmal sogar über Tage. Und manchmal kommt die Hilfe der Rettungshunde zu spät. „Ich habe bis jetzt einen Toten gefunden“, sagt Lex. Oft werden die Vermissten aber wieder aufgespürt, wenn auch nicht immer durch die Tiere. „Manchmal sind die Personen so weit weg, dass die Hunde keine Chance haben“, sagt Lex. Falls der Vermisste aber in dem zugewiesenen Gebiet ist, würden ihn die Rettungshunde finden.

Lex hat schon sieben Hunde ausgebildet. Toffifee – ein weißer Terrier – ist die nächste angehende Rettungshündin. „Mir gefällt die Arbeit mit den Tieren“, sagt Lex und krault das Ohr ihres Australian Cattle Dog Aruba. „Man kann etwas Ehrenamtliches leisten und seinen Hund zum Lebensretter machen.“

Aus der Gemeinde: Der Bilanzskandal bei Wirecard weitet sich immer weiter aus. Auf die Gemeinde Aschheim sieht Bürgermeister Thomas Glashauser dennoch keine enormen finanziellen Probleme zukommen.

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