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Wirecard hat seinen Sitz in Dornach.

„Viel darf ich nicht sagen“

Bürgermeister zu Wirecard-Skandal: Gemeinde drohen keine Finanzprobleme

  • vonNico Bauer
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Der Bilanzskandal bei Wirecard weitet sich immer weiter aus. Auf die Gemeinde Aschheim sieht Bürgermeister Thomas Glashauser dennoch keine enormen finanziellen Probleme zukommen.

Aschheim – Seit Tagen keine Nachrichtensendung ohne den Blick nach Dornach: Dem dort ansässigen Dax-Konzern Wirecard werden Luftbuchungen in Milliardenhöhe vorgeworfen. Der Aktienkurs befindet sich im steilen Sinkflug. Gestern veranlasste die Münchner Staatsanwaltschaft sogar die Festnahme des ehemaligen Vorstandsvorsitzende Markus Braun, der allerdings auf Kaution wieder entlassen wurde. Aschheims Bürgermeister Thomas Glashauser beobachtet den Bilanzskandal bei Wirecard natürlich genau – er sieht auf die Gemeinde aber keine extremen Finanz-Probleme zukommen.

Bei Gewerbesteuereinnahmen sind Gemeinden zur absoluten Schweigsamkeit verpflichtet. „Viel darf ich also nicht sagen“, bittet Glashauser um Verständnis, „aber ist auch klar, dass sich ein Dax-Konzern in der Gemeinde steuerlich gut auswirkt.“ In der jüngsten Gemeinderatssitzung hatte der Bürgermeister angedeutet, dass Veränderungen beim Aktienkurs nicht zusammenhängen mit den Gewerbesteuerzahlungen eines Unternehmens. Zu den Entwicklungen bei Wirecard sagt der Bürgermeister nichts: „In einem laufenden Verfahren steht es mir nicht zu, etwas zu bewerten.“

„Wenn nicht, dann haben wir kein sehr großes Problem“

Er habe einen sehr guten Kontakt zu zwei wichtigen Personen in dem Unternehmen und das werde auch so bleiben. „Ich habe sehr gekämpft, um Wirecard hier zu halten“, sagt Glashauser, „und wir sind stolz, unseren Dax-Konzern hier gehalten zu haben.“ Dank der Vermittlung der Gemeinde wurde eine Lösung gefunden: Wirecard bezieht wenige Hundert Meter entfernt vom aktuellen Unternehmenssitz am Einsteinring andere Gebäude, um dort weiter wachsen zu können. Ein Zugeständnis der Gemeinde war die Genehmigung für ein Parkhaus im Grüngürtel, der eigentlich das Dornacher Gewerbegebiet zum Ort hin abschließt. Geplant war der Firmenumzug innerhalb der nächsten beiden Jahre. Bürgermeister Glashauser muss nun abwarten, ob es bei diesen Plänen bleibt. Er hat Wirecard aber noch lange nicht abgeschrieben: „Es heißt doch immer, dass man in guten wie in schlechten Zeiten zusammenhalten sollte.“

Im Haushalt 2020 rechnet die Gemeinde bei der Gewerbesteuer mit 27,5 Millionen Euro. Ein Ansatz, der laut Glashauser weiter im Bereich des Möglichen liegt. „Vor Corona lag die Rechnung bei 41 Millionen Euro“, sagt er, „derzeit stehen wir bei gut 25 Millionen Euro.“ Die „Aschheimer Vorgehensweise“, Einnahmen eher vorsichtig zu kalkulieren, bewähre sich. Der Planwert könne trotz Coronavirus und trotz Wirecard-Skandal erreicht werden – „und wenn nicht, dann haben wir kein sehr großes Problem“, betont Glashauser. Dieses Jahr zeige, wie wichtig es sei, bei den ansässigen Unternehmen über alle Branchen hinweg breit aufgestellt zu sein. Darunter hätte Glashauser freilich auch weiterhin gerne einen Dax-Konzern.

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