Wo geht’s hin? Bei dem kleinen Paket handelt es sich um eine „Privatsendung“, vermutet Sortiertzentrumschef Florian Betz (M.). Ein Kunde aus Unterschleißheim, das verrät das System, schickt es nach Hohenpolding im Landkreis Erding.
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Wo geht’s hin? Bei dem kleinen Paket handelt es sich um eine „Privatsendung“, vermutet Sortiertzentrumschef Florian Betz (M.). Ein Kunde aus Unterschleißheim, das verrät das System, schickt es nach Hohenpolding im Landkreis Erding.

Das Tor zur weiten Welt der Pakete: Ein Blick ins Aschheimer Sortierzentrum

Wie kommt ein Paket von heute bis morgen von A nach B? Wie überwindet es kurze und weite Distanzen? Ein Blick ins Paketzentrum Aschheim, wie das funktioniert.

Aschheim - Espressobohnen, Mode, Feinkost und immer mehr Fahrräder: Pro Tag durchlaufen eine halbe Million Pakete das DHL-Sortierzentrum in Aschheim. Bald werden es noch mehr. Gleich nebenan wird ein neues Paketzentrum gebaut (wir berichteten). Mit dessen Fertigstellung im Herbst 2022 verdoppelt sich die Kapazität. „Auch wenn wir gut arbeiten können, ist die Vergrößerung dringend notwendig“, bekräftigt Florian Betz. Er ist der Leiter des Paketzentrums mit seinen 400 Angestellten. In den 20 Jahren, die Betz dabei ist, hat sich im Paketbereich viel getan.

Mit dem Internethandel sei alles viel größer und internationaler geworden. „Früher saßen unsere Kunden hier im Großraum München“, so Betz. „Heute sind wir für viele Kunden aus dem Ausland die Anlaufstation für eine Verteilung in Deutschland.“ Sogar wetterfühlig sei das Paketgeschäft inzwischen geworden, heißt es in einer Pressemitteilung. Regnet es draußen, haben die Menschen mehr Lust und Muse, im Internet einzukaufen. „Am nächsten Tag haben wir spürbar mehr Pakete“, sagt Betz.

„Wir wollen ein Paketdienstleister für alle Kunden sein.“

Der Großteil der Ware aus dem Ausland wird per 40-Tonner direkt ins Paketzentrum Aschheim eingeliefert. Doch auch das Privatkundengeschäft und die regionalen Sendungen spielen für den Paketriesen eine Rolle, wie Betz beim Gang durch seine „Paketfabrik“ erklärt: „Wir wollen ein Paketdienstleister für alle Kunden sein.“ Um dies zu verdeutlichen, pickt sich der Leiter des Paketzentrums im Entladebereich zwei unterschiedliche Sendung heraus, einen mittelgroßen Karton und ein riesiges Paket aus einem Rollbehälter.

Der kleinere Karton ist mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Privatkundenpaket, das sich Verwandte geschickt haben. Jedenfalls tragen Absender und Empfänger dieselben Nachnamen. Der Absender sitzt in Unterschleißheim, die Empfängeradresse liegt in Hohenpolding (Kreis Erding). „Rund zehn bis 15 Prozent aller Paketsendungen bleiben hier in unserem Einzugsgebiet“, erklärt Betz. Die bisherigen Stationen des Pakets ermittelt er an seinem Schreibtisch. Eingeliefert wurde die Sendung um 16.09 Uhr in einer Filiale in Unterschleißheim. Dort wurde das Paket erstmalig gescannt und in einen Rollbehälter verpackt. In der Filiale füllen sich über den Tag hinweg mehrere dieser Behälter, die ein Zwölftonner abends bei der Einsammelfahrt abholt und ins Paketzentrum bringt. Dabei fährt der Laster auf seiner Tour mehrere Filialen und Großkunden an.

Übers Förderband durchs Paketszentrum

Im Paketzentrum angekommen, wird der Karton zunächst per Hand aufs Band aufgelegt und gescannt. „Damit erkennt das System unser Paket als Sendung aus der Region für die Region“, erklärt Betz. Jetzt muss es mit dem Ziel „eigener Versorgungsbereich“ der Endstelle für Hohenpolding zusortiert werden. Dazu fährt das Paket auf seiner Schale auf einem insgesamt zwei Kilometer langen Förderband in luftiger Höhe durch das Paketzentrum. An der richtigen Endstelle angekommen, kippt die Schale das Paket ab, der Karton gleitet über eine meterhohe Rutsche abgebremst nach unten. „Ordentlich verpackte Ware übersteht die Rutschpartie problemlos“, beruhigt Betz.

Am Spätabend an der Endstelle im Paketzentrum angekommen, hat das für Hohenpolding bestimmte Paket nun mehrere Stunden Pause. Am frühen Morgen wird es erneut in einen Rollbehälter verpackt und verlässt das Paketzentrum gegen fünf Uhr auf einem Lkw, der es auf seiner Tour direkt zur Zustellbasis bringt. Dort sortiert der Zusteller das Paket in seine Tour ein – und wenn nichts dazwischenkommt, ist das Paket spätestens am Nachmittag beim Empfänger.

Spezieller Verteilkreis: Hier landen Sperrgüter wie das österreichische Fahrrad, die zu groß für die Förderbänder sind.

Bei dem zweiten Paket, das sich Florian Betz ausgesucht hat, handelt es sich um ein Fahrrad eines österreichischen Herstellers. Versandadresse ist ein Logistikzentrum im Münchner Umland, der Empfänger hat sein Rad nach Norderstedt bei Hamburg bestellt. „Seit Corona boomt das Geschäft mit Fahrrädern und besonders mit E-Bikes“, sagt Florian Betz. „Deshalb sind wir froh, dass wir in den Paketzentren auch Sperrgüter bearbeiten können.“ Für das Förderband ist der Karton aber zu groß, selbst auf einem „Doppelschaler“ beträgt die Maximallänge 1,20 Meter. Deshalb wird der Karton mit dem Fahrrad in der Eingangsbearbeitung in einen Rollbehälter gepackt und gemeinsam mit weiteren Sperrgütern in einen speziellen manuellen Verteilkreis in der Mitte des Paketzentrums gebracht. Dort sortieren Mitarbeiter die Großpakete per Hand auf die Nah- und Fernziele. Der Rollbehälter Richtung Hamburg füllt sich rasch, die letzte Lücke neben dem Karton mit dem Fahrrad schließt ein stattlicher Granatapfelbaum. „Es gibt nichts“, sagt Betz, „was nicht online bestellt werden kann und auch bestellt wird.“

Anpacken ist gefragt: Die Sperrgüter laden die Mitarbeiter in Rollbehälter, die wiederum in „Wechselbrücken“ landen.

Damit den Mitarbeitern im Verteilkreis genügend Bewegungsfreiheit für die schwere Arbeit bleibt, werden volle Behälter zügig abtransportiert. Auch den Rollbehälter mit dem Rad für Norderstedt und dem Granatapfelbaum für Hamburg schnappt sich ein Mitarbeiter und schiebt ihn zum Rolltor für Sendungen nach Hamburg. Gleich daneben landen die Pakete, die das Förderband über die Rutsche abwirft. Diese verladen die Mitarbeiter der Tagschicht bis 21 Uhr in eine sogenannte Wechselbrücke für den Weitertransport, die Rollbehälter mit den Sperrgütern werden auf die Ladefläche geschoben. Bei den Wechselbrücken handelt es sich um sieben Meter lange Containerboxen auf Stelzen. Sobald die Boxen gefüllt sind, nimmt sie ein Fahrer auf einer Lafette, also einem fahrbaren Untergestell, auf und transportiert sie ab. Der Lkw fährt allerdings nicht auf der Autobahn bis Hamburg durch, sondern nur ein paar Kilometer weiter zum Güterbahnhof Riem, wo ein Kran die Wechselbrücken auf den „Parcel InterCity“ hebt. Die Zeit, die durch das Umladen verlorengeht, holt der Zug spielend wieder auf. „Beim Schienentransport emittieren wir deutlich weniger Treibhausgase“, erklärt Florian Betz. „Wir halten also unser Leistungsversprechen und tun der Umwelt etwas Gutes.“

Der Zug wird tags darauf gegen halb fünf Uhr in der Früh Hamburg erreichen und mit ihm das Fahrrad.

mm

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