Das Aschheimer Rathaus und das benachbarte Sauer-Haus werden abgerissen.
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Das Aschheimer Rathaus und das benachbarte Sauer-Haus werden abgerissen.

Einzug wohl im zweiten Halbjahr 2025

Entscheidung steht fest: Aschheims Rathaus wird neu gebaut

  • VonNico Bauer
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Die Entscheidung ist gefallen: Das Aschheimer Rathaus wird abgerissen und neu gebaut. Eine Sanierung ist damit vom Tisch. Im Gemeinderat war für diesen Beschluss eine Mediatorin nötig.

Aschheim – Nun also doch. Die Gemeinde Aschheim wird den Rathaus-Altbau durch einen Neubau ersetzen. Nach eineinhalb Jahren im Beinahe-Stillstand hat der Gemeinderat in einer über vierstündigen Sondersitzung diese Entscheidung getroffen.

Seit Jahren ringt das Gremium bereits mit der Frage, ob das wegen gravierenden Brandschutzmängeln leerstehende Rathaus abgerissen und neugebaut oder saniert werden soll. 2019 wähnte man sich am Ziel, als der Abriss des Altbaus bereits beschlossen war. Mit den Kommunalwahlen 2020 und den einhergehenden Veränderungen der Mehrheitsverhältnisse im Gemeinderat wurde die Diskussion noch einmal neu gestartet. Zuletzt wurde es dann sehr ruhig um die Entscheidung.

Sanierung teurer als Neubau

In der Sondersitzung präsentierte Bürgermeister Thomas Glashauser (CSU) die Mediatorin Brigitte Gans, die eloquent durch den Abend führte und immer wieder mal den scharfen Ton aus der Diskussion nahm. Unter ihrer Moderation stellte die Verwaltung noch einmal bekannte Dinge vor vom Raumprogramm bis hin zur Kosten-Kalkulation. Zentrales Ergebnis der stundenlangen Vorträge war eine finanzielle Pattsituation. Der Abriss des Altbaus mit Ersatzbau samt Erweiterungsbau wurde auf 14,50 Millionen Euro geschätzt. Die Sanierung des Altbaus samt Erweiterungsbau auf dem benachbarten Grundstück (Sauter-Haus) käme auf 14,72 Millionen Euro. Also gut 200 000 Euro mehr – plus etwaiger baulicher Unwägbarkeiten während der Sanierung.

Neu war diesmal eine vage Skizze davon, wie ein Ersatzbau mit Erweiterungsbau aussehen könnte. Für diese Visualisierung bekam die Verwaltung auch Lob von allen Seiten.

Das passiert mit den bestehenden Gebäuden auf dem Areal. Rathaus, Carport und Sauter-Haus werden abgerissen und durch Neubauten ersetzt.

Nach knapp vier Stunden Diskussion plädierte die CSU-Fraktion auf Abriss und Neubau, wie man es bereits in der letzten Legislaturperiode beschlossen hatte. „Mich hat die Vorstellung in meiner Meinung bestätigt, dass wir einen Neubau benötigen“, sagte Rolf Dettweiler (CSU), „die Entscheidung ist reif und überfällig.“ Fraktionskollege Florian Meier ergänzte, dass eine Sanierung finanziell deutlich größere Mehrkosten-Risiken beinhalte. Die Freien Wähler dagegen wollten ein Verfahren für die Architektenauswahl nehmen, in dem Abriss und Sanierung möglich bleiben. „Wir sind hier die Einzigen, die wirklich ergebnisoffen diskutieren“, sagte Eugen Stubenvoll (FW). Aus seiner Fraktion ergänzte der 2. Bürgermeister Robert Ertl, „dass wir weiter nicht wissen, auf was wir uns einlassen“. Die Grünen deuteten an, dass man zur Variante „Abriss mit Ersatzneubau“ tendieren. Am Ende stimmten drei der vier Fraktionsmitglieder für den Altbau-Abriss.

„Haben Sie die Hoffnung, dass die Sanierung doch noch günstiger wird?“

Mediatorin Brigitte Gans redete mit Engelszunge auf die Gemeinderäte ein, um kurz vor einem Mehrheitsbeschluss noch einen Konsens zu finden. Ihre Frage an Eugen Stubenvoll: „Haben Sie die Hoffnung, dass die Sanierung doch noch günstiger wird?“ Die FW machten weiter deutlich, dass sie sich nicht zwischen Abriss und Sanierung beim Altbau festlegen wollten. Bürgermeister Glashauser hatte sich lange zurückgehalten und wollte nun eine Entscheidung, mit der man den Bürgern zeigen könne, wie es nun weitergehen soll. Er deutete an, dass sich der Gemeinderat mit der unendlichen Rathausgeschichte blamieren könne.

Kurz vor Mitternacht wurde dann doch ein Beschluss gefasst mit namentlicher Abstimmung. Mit 13:7 Stimmen wurde einmal mehr der Abriss des Altbaus beschlossen. Gegenstimmen waren die sechs anwesenden Vertreter der Freien Wähler und Sabine Maier (Grüne). Mit allen 20 Stimmen wurde der Abriss des Sauter-Hauses beschlossen, um hier einen Erweiterungsbau realisieren zu können.

Wie geht es nun weiter? 

In der Sondersitzung legte das die Ausschreibung begleitende Büro „Kellerer & Kellerer“ einen neuen Zeitplan vor. Ein Bezug des neuen Rathaus-Komplexes ist demnach im zweiten Halbjahr 2025 möglich. In der Sondersitzung wurde das Raumprogramm für die Verwaltung noch einmal per Beschluss bestätigt. 2022 wird ein Planungsjahr, wobei im ersten Halbjahr der Architekt ausgewählt werden sollte und Mitte des Jahres eine erste verbindliche Kostenschätzung auf dem Tisch liegen könne. Anfang 2023 sollten die Gewerke ausgeschrieben werden, damit die Erstellung des Rohbaus im zweiten Halbjahr erfolgen kann. Der Innenausbau benötigt dann das zweite Halbjahr 2024 und das erste Halbjahr 2025. Dann könnte sich Aschheims Version der unendlichen Geschichte dem Ende nähern.

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