Aschheim: Jugendclique fällt Frau an und bedroht Polizisten - Beamter zieht Waffe
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Eine Jugendclique hat in Aschheim eine Frau bedroht. Auch Nazi-Parolen waren zu hören. (Symbolbild)

Polizist zieht Waffe

Jugendclique fällt Frau an und bedroht Polizisten - Jetzt reden die Anwohner

  • Günter Hiel
    VonGünter Hiel
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Eine 38-Jährige ist in Aschheim von einer Gruppe Jugendlicher geschlagen und getreten worden. Ein Polizeibeamter (48), der privat in der Nähe war, verhinderte Schlimmeres. Er musste die Waffe ziehen.

Update vom 4. September 2019, 16.30 Uhr: Eine leere Bushaltestelle am Ortsende von Aschheim. In der 30er Zone spielen Kinder Fußball, aus den Vorgärten der vielen Einfamilienhäuser tönt Vogelgezwitscher. Wer an der sogenannten „Planetensiedlung“ vorbeifährt kann kaum glauben, dass vor wenigen Tagen, am Mittwoch, 29. August, um 23.40 Uhr, eine 38-jährige Frau von Jugendlichen geschlagen und getreten wurde. Die Gruppe feierte lautstark in der Nähe eines Bushäuschens im Bereich der Erdinger Straße/Marsstraße. Außerdem wurden vereinzelt „Sieg Heil“ Rufe von Anwohnern wahrgenommen, die daraufhin wegen Ruhestörung die Polizei riefen. 

Ein 48-jähriger Polizeibeamter, der privat vor Ort war, hörte ebenfalls die Nazi-Parolen. Er näherte sich der zwölfköpfigen Gruppe und sah, dass an der Bushaltestelle eine Frau attackiert wurde. Er gab sich sofort als Polizist zu erkennen und forderte die Gruppe auf, von der Frau abzulassen. Als er einen 16-Jährigen festnehmen wollte, wehrte sich dieser, und weitere Jugendliche bedrängten den 48-Jährigen. Der Polizist zog seine private Waffe, um sich und die Frau vor weiteren Angriffen zu schützen. Da kam schon ein Streifenwagen zu Hilfe. 

Der festgenommen Jugendliche, ein 16-Jähriger aus dem Landkreis, wurde nach der Sachbearbeitung an seine Eltern übergeben. Die angegriffene Frau wurde in Gesicht und am Arm verletzt. Die Hintergründe sind noch nicht geklärt. 

Der Tatort: An dieser Bushaltestelle in Aschheim griffen die Jugendlichen die Frau an.

Anwohner haben den Einsatz auch mitbekommen, sie waren jedoch bis zum Bericht des Münchner Merkur im Unklaren. „Mitten in der Nacht ist meine Frau aufgewacht“, sagt ein Bewohner der Marsstraße. Sie habe laute Rufe und Lärm gehört. „Sie ist auf den Balkon, um zu sehen was da los ist, da war auch die Polizei da“, sagt der Anwohner. „Kurze Zeit später kam dann ein Polizist vorbei. Es sei alles in Ordnung, hat er gesagt.“ 

Ein paar hundert Meter entfernt kann sich ein Mitarbeiter eines Hotels daran erinnern, dass sich ein Gast am Morgen nach der Tat bei ihm erkundigt habe, ob es letzte Nacht eine Schlägerei gegeben hätte, es wäre so laut gewesen. „Normalerweise ist es hier eher ruhig“, sagt der Hotelmitarbeiter. Das bestätigt auch die Polizei Haar. 

Um den Fall schnellstmöglich aufklären zu können, sucht die Polizei Zeugen:. Wer hat in der Nacht auf den 30. August im Bereich Erdinger Straße/Mars-/Saturnstraße Wahrnehmungen gemacht, die im Zusammenhang mit dem Überfall stehen könnten? Hinweise ans Polizeipräsidium, Tel. 089/29 10-0.

Laura Forster

Die Erstmeldung vom 3. September

Aschheim – Der Einsatz war bereits am Mittwoch, 29. August, bestätigte das Polizeipräsidium am Dienstag, 3. September. Gegen 23.40 Uhr meldeten Anwohner über den Polizeinotruf über eine Ruhestörung durch mehrere feiernde Jugendliche im Bereich zwischen der Erdinger Straße/ Marsstraße in Aschheim. Auch „Sieg Heil“ Rufe hatten die Anwohner laut Polizei gehört. Ein 48-Jähriger Polizeibeamter, privat vor Ort, hatte diese Rufe ebenfalls gehört. Bei einem Buswartehäuschen stellte der 48-Jährige kurze Zeit später eine Gruppe von etwa zwölf Leuten fest, die eine Frau schlugen und traten.

Video: YouTube greift ab sofort härter gegen Nazi-Botschaften durch

Aschheim: Gruppe schlägt Frau - Polizeibeamter zieht seine private Waffe 

Er gab sich sofort als Polizeibeamter zu erkennen, forderte die Gruppe auf, von der Frau abzulassen und nahm einen der Jugendlichen vorläufig fest. Der Jugendliche wehrte sich. Außerdem bedrängten weitere Personen aus der Gruppe den 48-Jährigen und bedrohten ihn. Der Polizist zog daraufhin seine private Schusswaffe, um sich und die Frau vor weiteren Angriffen zu schützen. Die Gruppe zog sich daraufhin wenige Meter zurück. Bevor die Situation weiter eskalieren konnte, traf eine Polizeistreife in der Erdinger Straße ein und unterstützte den 48-Jährigen bei der Festnahme. Der Rest der Clique floh vom Tatort.

Aschheim: 16-Jähriger vorübergehend festgenommen - Frau verletzt

Bei dem Jugendlichen handelt es sich um einen 16-Jährigen aus dem Landkreis München. Er wurde nach der Sachbearbeitung den Erziehungsberechtigten übergeben. Die angegriffene Frau, eine 38-Jährige aus dem Landkreis München, wurde im Gesicht und am Arm verletzt. Die Hintergründe des Angriffs auf die Frau sind derzeit unklar und Gegenstand der aktuellen Ermittlungen.

Vorfall an Bushaltestelle in Aschheim: Staatsschutz schaltet sich wegen Nazi-Parolen ein 

Auch inwieweit die zuvor gehörten „Sieg Heil“ Rufe im Zusammenhang mit dem Angriff auf die 38-Jährige stehen, bedarf der weiteren Ermittlungen. Der Angriff auf die 38-Jährige wird als gefährliche Körperverletzung bewertet und durch das Kommissariat 23 bearbeitet. Hinsichtlich der „Sieg Heil“ Rufe hat sich das Kommissariat 44, Staatsschutz, in die Ermittlungen eingeschaltet.

Angriff an Bushaltestelle: wahrscheinlich Jugendliche aus dem Raum Aschheim

Derzeit wird geprüft, ob die Jugendgruppe auch für Sachbeschädigungen im Bereich des Tatorts verantwortlich ist. Erste Ermittlungen weisen zudem darauf hin, dass es sich um Jugendliche aus der Umgebung von Aschheim handelt.

Aschheim: Polizei sucht Zeugen - fast eine Woche nach der Tat

Die Polizei sucht Zeugen: Wer hat im angegebenen Zeitraum im Bereich Erdinger Straße/Mars-/Saturnstraße Wahrnehmungen gemacht, die im Zusammenhang mit diesem Vorfall stehen könnten? Hinweise ans Polizeipräsidium München, Kommissariat 23 bzw. 44, Tel. 089/2910-0, oder jede anderen Polizeidienststelle.

Mit einem Messer hat ein Unbekannter einen 29-Jährigen an einer Bushaltestelle bedroht. Auslöser für die Situation war offenbar ein falscher Blick. Im BMW-Werk Landhut kam es zu zwei Vorfällen im rechtsextremen Bereich. Ein „Sieg Heil“-Gruß und ein Hitler-Gedenkbild sorgen für Aufsehen. Ein 52-Jähriger ist in Erding komplett ausgerastet - er brüllte laut „Sieg Heil“ und zeigte den Hitlergruß. In Augsburg ist am Freitagabend (6. Dezember) ein Streit zwischen zwei Paaren und einer Gruppe junger Männer eskaliert. Am Ende war ein Mann (49) tot.

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