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Maritta Emser kleidet die Promis ein

Daniela Katzenberger macht Dornacher Braut-Ausstatterin berühmt

  • Sophia Schreib
    vonSophia Schreib
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Aschheim - Maritta Emsers Hochzeitsimperium „Cecile“ liegt in Dornach. Die „Grande Dame“ hat sogar schon eine Prinzessin im Oman für ihre Märchenhochzeit eingekleidet. Und ist aktuell in der Vox-Hochzeits-Serie „Zwischen Tüll und Tränen“ zu sehen.

-Frau Emser, wie kamen Sie zu einer Prinzessin in den Oman?

2006 durfte ich bei einer Königshochzeit in Oman dabei sein und die Braut ausstatten, denn eine Bekannte von ihr lebte in der Nähe von Köln und kannte mein Geschäft. Die Braut hatte sich ein Kleid von Valentino ausgesucht, das habe ich komplett auseinandergenommen, lange Ärmel dran gemacht und insgesamt mehr geschlossen. Dazu habe ich eine zehn Meter lange und fünf Meter breite Schleppe angefertigt und 400 000 Strasssteine aufgesetzt.

-Wie läuft so eine Prinzessinnen-Hochzeit ab?

Meine Aufgabe war es, das Brautkleid immer wieder zu richten und in Szene zu setzen. Sie müssen sich das so vorstellen: Das Brautpaar sitzt auf einer Art Diwan und die Szenerie wird per Video in die „Frauensäle“ des Schlosses, in dem die Frauen feiern, und in die „Herrensäle“ übertragen. Je besser das Brautkleid sitzt, je strahlender es wirkt, umso mehr Reputation bedeutet das für die Braut. Für mich war diese Hochzeit ein außergewöhnliches Erlebnis. Ich liebe den königlichen Stil: Das Gold, die schönen Stoffe. Auch zuhause sind wir so ähnlich eingerichtet. Design und Material spielen eine große Rolle für mich: Da darf es ruhig auch mal etwas luxuriöser sein.

-Apropos Geschmack: Ihre Kundschaft ist international: Die Frauen kommen aus Europa, Saudi-Arabien oder den USA. Wer sucht nach welchem Kleid?

Prinzipiell suchen alle Frauen, die zu uns kommen, nach einem hellen, „europäischen“ Brautkleid. Die Nationalität spielt da überhaupt keine Rolle, nur die Religion. In muslimischen Ländern müssen die Frauen sehr viel mehr bedeckt sein.

-Und wie viel Mode steckt in einem Brautkleid?

Das Brautkleid ist für fast alle Frauen heute sehr wichtig. Ob es besonders modisch ist, spielt aber nur für etwa 20 Prozent unserer Kundinnen eine entscheidende Rolle. Unsere Erfahrung, vor allem in München ist, dass die meisten ein klassisches, traditionelles Kleid suchen – dabei aber sehr anspruchsvoll sind. Die meisten beginnen ein, zwei Jahre vor der Hochzeit mit der Planung und beschäftigten sich in dieser Zeit auch sehr viel mit der Frage nach dem perfekten Kleid. Im Internet klicken sie sich durch Millionen von Fotos und informieren sich über Schnitte, Stoffe, Trends und Hersteller.

Im schlimmsten Fall kann das sogar zu einem so genannten „Hochzeits-Burnout“ führen.

Ihre Hochzeit verfolgten Millionen Zuschauer im Fernsehen: Daniela Katzenberger heiratete in einem Brautkleid von Maritta Emser. Das hat die Hochzeitsausstatterin aus Dornach berühmt gemacht.

-Ein Hochzeits-Burnout? Diese Krankheit gibt es wirklich?

Ich bin mit vielen Ärzten bekannt, und die erzählen mir das. Die Frauen fangen plötzlich an zu schreien und kriegen einen kompletten Nervenzusammenbruch. Einfach, weil sie damit überfordert sind, an einem perfekten Tag, in einem perfekten Kleid die perfekte Braut sein zu wollen.

-Wie gehen Sie mit diesen „gestressten Bräuten“ um?

Viele, die zu uns kommen, wissen, wie gesagt, schon sehr genau, was sie wollen. Die Herausforderung für uns besteht dann darin, mit viel Fingerspitzengefühl das Kleid herauszusuchen, das ihnen auch wirklich steht – und das zu ihren Budgetvorstellungen passt.

Maritta Emser (67) vor einem Haute-Couture-Traum des israelischen Brautmodelabels „Berta“. Das ist derzeit mein „absoluter Favorit“, sagt Emser.

-Bei „Cecile“ in Dornach kostet das teuerste Kleid 15.000 Euro. Ist das der Preis für exklusives Design?

Das teuerste an diesen Kleidern sind die Stoffe. Wer eine lange und breite Schleppe möchte, bezahlt den Preis dafür; ebenso für Spitze, die über das gesamte Kleid fließt oder für Perlen, die von Hand aufgestickt sind. Natürlich bieten hochwertige Materialien einen ganz anderen Tragekomfort, insofern sind die Preise gerechtfertigt. Ich würde sagen, für ein ordentliches Brautkleid sollte man zwischen 1500 und 2000 Euro einplanen.

-2010 haben Sie die „Katze“, Daniela Katzenberger, zu deren Hochzeit eingekleidet. Das hat Sie berühmt gemacht.

In dieser Zeit war ich wahnsinnig oft im Fernsehen, und heute erkennen mich die Leute quasi überall. Auch an der Hotelbar in Südtirol oder in der Schweiz. Natürlich falle ich auch durch meine großen Brillen immer sehr schnell auf.

-Viele künftige Bräute kennen Sie auch aus der VOX-Serie „Zwischen Tüll und Tränen“ (Bräute werden in verschiedenen Geschäften bei Brautkleidberatung und -kauf gefilmt, Anm. d. Red.). Hier gehören Sie zu den drei Verkaufsberatern, die für die meisten Gespräche sorgen...

Ja, bei „Tüll und Tränen“ bin ich einer der Haupt-Acts, unter anderem, weil ich manchmal etwas strenger bin. Aber nicht zur Braut, sondern zu den Begleiterinnen. Ich sage: Ein Brautkleid ist eine Emotion, und die will ich in der Braut wachrufen. Da müssen sich die Begleiterinnen mit ihren persönlichen Geschmacksvorstellungen auch mal zurückhalten.

-Früher haben Sie auch selbst Brautkleider entworfen. Wie kam es dazu?

Ich bin ursprünglich gelernte Friseurin und stand vor der Meisterprüfung, als ich wegen einer Trombose schlagartig mit meinen Beruf aufhören musste. Nach meiner Heirat bin ich in den Betrieb meines Mannes eingestiegen, der eine Braut- und Kommunionskleidfabrikation führte. Und hier habe ich alle von der Pike auf gelernt: Ich kann schneidern, ich kann entwerfen, ich war im Vertrieb tätig, im Büro und im Verkauf. Nach der Scheidung habe ich 1989 dann mein erstes eigenes Brautmodengeschäft in Kerpen eröffnet, auf ursprünglich 70 Quadratmetern. Heute sind in wir mit 4400 Quadratmetern das größte Brautmodenhaus Europas.

-2008 expandierten Sie vom Rhein an die Isar – und bezogen in Dornach das ehemalige Gebäude der Luxusmarke Escada. Warum wollten Sie gerade nach München?

Ich hatte in Kerpen viele Kunden, die tatsächlich aus München kamen. Modebewusstes Publikum, das eingeflogen wurde, weil wir in Nordrhein-Westfalen modemäßig weit vorne sind. Die haben gesagt: „Frau Emser, kommen Sie doch auch nach München!“ Für meine Mitbewerber in München bin ich aber noch immer die Preußin. Ein Austausch findet nicht statt, hier kämpft jeder für sich allein.

Lesen Sie hier: Daniela Katzenberger löst mit diesem Tanga-Foto Diskussionen aus.

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