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Sein Rücktritt schockiert die Feuerwehren im Landkreis: Gerhard Bauer war ein Garant für moderne Jugendarbeit und hat vieles bewegt.

Zerwürfnis mit Kreisbrandrat

Kreisjugendwart Gerhard Bauer schmeißt überraschend hin

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Gerhard Bauer (49) will nicht mehr. Überraschend hat er nach sieben Jahren sein Amt als Kreisbrandmeister und damit auch als Kreisfeuerwehrjugendwart niedergelegt. Und das obwohl gerade die Jugendarbeit sein Steckenpferd war, die ihn unentbehrlich aus Sicht der Feuerwehren im Landkreis machte. Hintergrund sind offenbar Differenzen mit Kreisbrandrat Josef Vielhuber. 

Landkreis – Überraschend hat Gerhard Bauer (49) nach sieben Jahren sein Amt als Kreisbrandmeister und damit auch als Kreisjugendwart niedergelegt. Und das obwohl gerade die Jugendarbeit sein Steckenpferd war, die ihn unentbehrlich aus Sicht der Feuerwehren im Landkreis machte. So hat er etwa den Kreisjugendfeuerwehrtag zu einer beliebten Veranstaltung im Landkreis entwickelt und mit vielen weiteren Angeboten die Begeisterung junger Leute für die Feuerwehr geweckt.

Weitere Zusammenarbeit hält Bauer für unmöglich

Dass er jetzt aufhört, habe weder berufliche, gesundheitliche oder private Gründe, betont der Aschheimer. Vielmehr schwelte wohl schon seit Längerem der Unmut über seinen Vorgesetzten in der Kreisbrandinspektion in ihm. Gemeint ist damit Kreisbrandrat Josef Vielhuber. „Irgendwann ist mal ein Punkt erreicht, wo man sagt: So, jetzt hast du dich genug geärgert“, sagt Bauer gegenüber dem Münchner Merkur. Was genau zu dem Zerwürfnis geführt hat, will Bauer in der Öffentlichkeit lieber nicht breittreten. Nur so viel: Eine weitere Zusammenarbeit mit seinem Vorgesetzten hält er für unmöglich. In einem internen Schreiben, das der Redaktion vorliegt, schreibt er: „Es gab zuletzt einfach so viele Ärgernisse, die sich massiv auf mein Familienleben ausgewirkt haben, das konnte ich nicht länger zulassen.“

Kreisbrandrat Vielhuber: „Ich bin enttäuscht“

Kreisbrandrat Josef Vielhuber kann sich Bauers Beweggründe für dessen Rücktritt nicht erklären. 

Kreisbrandrat Josef Vielhuber selbst ist sich keiner Schuld bewusst. Von Unstimmigkeiten oder Streit wisse er nichts. „Das überrascht mich schon sehr, vor allem, weil Herr Bauer jederzeit freie Hand bei seiner Arbeit und seinen Ideen hatte“, sagt Vielhuber. Der Rücktritt Bauers sei für ihn überhaupt nicht absehbar gewesen. Letztlich habe er es auf Überarbeitung zurückgeführt. Denn Gerhard Bauer war neben der Kreisjugendarbeit auch für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zuständig. An mangelnder Wertschätzung könne es laut Vielhuber nicht gelegen haben: „Ich habe ihm immer wieder, auch öffentlich, für sein Engagement gelobt und mich bedankt.“ Die angeblichen Differenzen erschließen sich ihm jedenfalls nicht. „Das enttäuscht mich schon sehr“, sagt er. Den Rücktritt Bauers akzeptiert er. „Wenn jemand nicht mehr will, muss man das hinnehmen. Es gäbe ja öfter auch mal Wechsel in der Kreisbrandinspektion. Das sei nichts Ungewöhnliches. Ein Nachfolger ist allerdings noch nicht in Sicht.

Kommandanten wollen, dass Bauer zurückkommt

Einfach hinnehmen wollen das viele Kommandanten und Jugendwarte im Landkreis aber nicht. Sie wünschen sich, dass Gerhard Bauer noch einmal über seinen Rücktritt nachdenkt. Denn die Nachwuchsarbeit ist eine der wichtigsten Säulen für die Zukunft der Feuerwehren. „Er hat so eine hervorragende Arbeit geleistet, so einen Abgang hat er nicht verdient“, sagt etwa Ottobrunns Kommandant Eduard Klas. Man müsse sich in der Kreisbrandinspektion bemühen, ihn zu halten oder zurückzuholen.

Grasbrunns Kommandant: „So jemand darf nicht einfach gehen“

Auch Johannes Bußjäger, Kommandant der Feuerwehr in Grasbrunn, war schockiert, als er erfahren hatte, dass Gerhard Bauer aufhört. „Der Gerhard hat die Jugendarbeit im Landkreis revolutioniert, was vorher unmöglich war, hat er möglich gemacht. So jemand darf nicht einfach gehen“, betont Bußjäger. So hat Gerhard Bauer den Kreisjugendfeuerwehrtag modernisiert und in den Sommer verlegt. Der Jugendwissenstest findet jetzt direkt bei den Feuerwehren statt, sodass es für die Jugendfeuerwehren einfacher ist, daran teilzunehmen. Das Ergebnis: Das Interesse der Jugendlichen stieg. Die Teilnehmerzahlen explodierten. Besonders stolz ist Bauer auch auf den eigenen Jugendwart-Kurs, den er entwickelt hat. So wuchs die Zahl der jährlich ausgebildeten Jugendwarte von sechs auf 30. Für Johannes Bußjäger steht fest: „Gerhard Bauer muss bleiben, es geht hier schließlich um die Sache und nicht um persönliche Befindlichkeiten.“ Er schlägt vor, dass Vielhuber und Bauer sich noch einmal zusammensetzen sollten, um sich auszusprechen. „Meinetwegen lade ich beide auch zu einem Grillfest bei uns ein, dann redet man das aus. Ein Streit ist es nicht wert, dass man alles hinschmeißt.“

Bauer will sich als Kreisbrandrat bewerben

„Dass ich jetzt nicht mehr regelmäßig zu den Jugendfeuerwehren fahren kann, beispielsweise zu Wettbewerben und Prüfungen, tut mir wirklich sehr weh“, sagt Bauer. Er hätte noch so viele Ideen, die er jetzt nicht mehr realisieren könne. Sehr berührt habe es ihn, dass er nach Bekanntwerden seines Rücktritts so viel Unterstützung von den Kommandanten und Jugendwarten aus dem Landkreis erfahren durfte. „Sie haben mir gezeigt, dass ich die Aufgaben des Kreisjugendwarts wohl recht gut erledigt habe“, sagt Bauer. Deshalb denkt er jetzt auch darüber nach, bei der nächsten Wahl des Kreisbrandrats Ende 2021 seinen Hut in den Ring zu werfen.

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