+
Schauplatz eines Machtkampfs? Das Haus der Musik, das die Gemeinde Aschheim an der Erdiger Straße gebaut hat, ist durchaus beliebt. Intern allerdings knirscht es. 

Billiger Unterricht auf Kosten der Freiberufler?

Musikschullehrer in Aschheim fürchten um ihre Existenz

  • schließen

Im Haus der Musik in Aschheim sorgt der Machtanspruch, mit dem der neue Vorstand der Blasmusik auftritt, für Existenzsorgen bei den Musiklehrern. Die Freiberufler wehren sich gegen Einmischung in ihre Selbstständigkeit.

Aschheim Seit über zwei Jahrzehnten haben die Musiklehrer vertrauensvoll mit dem Verein „Blasmusik Aschheim“ zusammengearbeitet. Seit Werner Schneider nach 20 Jahren als Vorsitzender ausgeschieden ist, geben sein Nachfolger Friedrich Ampenberger (39) und dessen Mitstreiter im Vorstand den Takt an. Sie fordern, dass die elf Musiklehrer bis 30. April einen „Rahmenvertrag“ unterschreiben. Unter anderem soll darin die Honorarhöhe für den Musikunterricht einheitlich festgelegt werden.

Gegen den Vertrag regt sich Widerstand. Trotz einiger Gespräche ist der Vorstand nicht bereit, die Festlegung der Honorarhöhe den Musikpädagogen weiterhin selbst zu überlassen. Bisher sind die Musiklehrer freiberuflich tätig. Das Haus der Musik, das die Gemeinde für den Musikunterricht zur Verfügung stellt, dürfen sie kostenlos nutzen. Dafür müssen ihre Schüler Mitglied im Verein „Blasmusik Aschheim e.V.“ werden und einen Jahresbeitrag von 15 Euro zahlen.

Nun sehen sich einige der Freiberufler in ihrer Selbstständigkeit beschnitten, ohne dass sie einen Vorteil davon hätten. Sie sind sozial und tariflich nicht abgesichert. Der neue Vorstand will in einer „Rahmenvereinbarung“ die Honorare festlegen auf 19 bis 22 Euro für 30 Minuten Einzelunterricht. Das sind 60 bis 70 Euro monatlich bei 38 Einheiten pro Jahr. Zum Vergleich: An den Musikschulen in Ismaning und Unterföhring wird 73,50 Euro monatlich für 30 Minuten Einzelunterricht gezahlt.

Sinkende Honorare und Drohgebärden

Ein Großteil der Lehrer fühlt sich überrumpelt. Manche befürchten, angesichts sinkender Honorare ihre Miete nicht zahlen zu können. In einer Versammlung sei der Eindruck vermittelt worden: Wer den Vertrag nicht unterschreibt, dessen Mitarbeit ist nicht länger erwünscht.

Es geht nicht nur um die Summe, die am Ende des Monats fehlt. Es geht auch um die Einflussnahme: Früher haben wir auf Augenhöhe mit dem Vorstand kommuniziert, heißt es von Seiten der Musikpädagogen. Wenn es Konflikte gab, wurden die nach kurzen Gesprächen gelöst und ausgeräumt. Nun wolle der Vorstand mit viel Elan und striktem Vorgehen Neuerungen vorgeben und mehr Kontrolle ausüben.

Soll die Blasmusik im Haus der Musik das kulturelle Angebot für die Gemeinde Aschheim ausbauen? Bürgermeister Thomas Glashauser (CSU) war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Auf der Homepage des Vereins ist zu lesen, dass mit dem Bezug des Hauses der Aufbau einer Musikschule verbunden sei. Die Musikpädagogen befürchten, dass sie bluten sollen für einen sozial verträglichen Musikunterricht zu günstigen Preisen. Ihre Forderung: Dann soll der Verein uns Honorare zahlen oder uns gleich anstellen.

Mit der Kritik konfrontiert sagt Vorsitzender Friedrich Ampenberger: „Wir wollen die Lehrer nicht beschneiden und wir wollen keinen Lehrer raushauen. Wir hatten die Idee, den Handschlag-Vertrag, den es früher gab, zu Papier zu bringen.“ Der Vorstand habe die Preise der Musiklehrer abgefragt: „Wir haben festgestellt, dass wir mit unserer Preisspanne genau im Durchschnitt liegen.“ Natürlich, so räumt er ein, könne ein erfahrener Lehrer mehr verlangen als ein Anfänger: „Aber wir wollen nicht, dass der ein oder andere meint, er sei so toll, dass er viel mehr verlangen kann als der Durchschnitt.“

Vorstand will sich nicht raushalten

Der Aufbau einer Musikschule sei nicht das Ziel, betont Ampenberger, der wie seine Vorstandskollegen ehrenamtlich tätig ist. Auch eine Geschäftsstelle will der Verein nicht einrichten. Mittlerweile hätte es „ein fruchtbares Gespräch“ mit den Musiklehrern gegeben, demnach soll die Honorarhöhe Jahr für Jahr angepasst werden: „Das findet in dieser Version sicherlich Anklang.“

Zwischen Misstrauen und Transparenz

Aus „versicherungstechnischen Gründen“ und um zu verhindern, dass Schüler im Haus der Musik eingeschleust werden, die nicht Mitglied im Verein sind, sollen die Musiklehrer künftig auch mitteilen, wann sie welchen Schüler unterrichten. Wo die Musikpädagogen Misstrauen und Einmischung sehen, spricht Friedrich Ampenberger von Transparenz. Er beteuert: „Wenn ein Lehrer am Hungertuch nagt und ein höheres Honorar benötigt, kann er zu uns kommen und mit uns reden.“ Aber genau gegen diese Abhängigkeit wehren sich die Freiberufler.

Infos zum Haus der Musik

Das Haus der Musik, das die Gemeinde Aschheim an der Erdiger Straße gebaut hat, hat Zulauf. Inzwischen lernen annähernd 200 Schüler jede Woche Trompete, Klavier oder Gitarre. Der Verein „Blasmusik Aschheim e.V.“ bietet in den Räumen von der Früherziehung bis zum Einzelunterricht ein breites Angebot.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

A9-Unfall: „Es schaut nicht gut aus“ - Polizeisprecher über den Zustand der drei Verletzten
Die A9 bei München war am Donnerstag in Richtung Nürnberg lange komplett gesperrt. Ein schwerer Unfall hatte sich gegen 14 Uhr ereignet. 
A9-Unfall: „Es schaut nicht gut aus“ - Polizeisprecher über den Zustand der drei Verletzten
Keine Kita-Plätze: Mutter klagt gegen Landkreis
Weil sie für ihre Zwillinge keinen Kita-Platz fand, musste eine Höhenkirchnerin daheim bleiben. Nun verklagt sie den Landkreis - und will den Lohnausfall kompensiert …
Keine Kita-Plätze: Mutter klagt gegen Landkreis
Stichflamme aus Ethanolofen - Neubiberger schwer verletzt
Eine Stichflamme aus einem Ethanolofen hat am Mittwochabend einen Mann schwer verletzt und eine Wohnung in der Neubiberger Wendelsteinstraße in Brand gesetzt.
Stichflamme aus Ethanolofen - Neubiberger schwer verletzt
Startschuss für umstrittenes Bauprojekt
Die Erweiterung der Jagdfeld-Schule in Haar hat begonnen: Ein Projekt, das für viel Ärger und Aufruhr sorgte. Und das einige für „den größten Schmarrn“ halten.
Startschuss für umstrittenes Bauprojekt

Kommentare