Mehr Platz: Das Sauter-Haus rechts soll abgerissen werden, um einen Anbau für das Rathaus (links) zu ermöglichen. nb

Beschlüsse könnten kippen

Neue Mehrheit: Freie Wähler bremsen Rathaus-Abriss in Aschheim aus

  • vonNico Bauer
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Eigentlich war der Abriss des Rathauses in Aschheim schon beschlossen. Doch weil sich durch die Kommunalwahl die Mehrheiten im Gemeinderat geändert haben, sind die Pläne plötzlich wieder infrage gestellt.

Aschheim – Nach dem politischen Erdbeben und den grundlegenden Veränderungen der Kräfteverhältnisse im Gemeinderat Aschheim geht es nun direkt ans Eingemachte. Am Donnerstagabend stellten die Freien Wähler den Antrag auf den sofortigen Stopp des Rathaus-Neubaus und erreichten zumindest den Kompromiss, dass ein weiterer Sachverständiger sich des Themas annimmt.

Der Antrag der Freien Wähler lautete ganz klar „Rolle rückwärts“ inklusive der Aufhebung mehrerer Gemeinderatsbeschlüsse, mit denen der Abriss des Rathaus-Altbaus samt Neubau beschlossen wurde. Der Antrag beinhaltet zudem, dass die laufende Ausschreibung im Vergabeverfahren für die Auswahl eines Architekturbüros aufgehoben werden soll und dann ein Gutachter mit dem Schwerpunkt Altbausanierung hinzugezogen werden sollte. Den Antrag begründen die Freien Wähler mit Ungereimtheiten in dem Verfahren und einer noch offenen Kostensituation.

CSU rettet sich zu einem Kompromissvorschlag 

Der CSU war klar, dass der Antrag nicht vom Tisch zu bekommen war. „Ich gebe offen zu, dass mir nichts anderes übrig bleibt als eine Neubetrachtung“, sagte Bürgermeister Thomas Glashauser (CSU). Er und die CSU suchten aber einen Kompromissvorschlag, bei dem die gefassten Beschlüsse nicht direkt einkassiert, sondern erst einmal ausgesetzt werden. Nach dem neuen Gutachten könne man den Schritt dann immer noch gehen.

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Die Freien Wähler hatten dann für die Rathaus-Prüfung auch einen konkreten Vorschlag mit einem Büro aus Pullach. Hierzu sagte der Bürgermeister, dass die Kommune bei einem Auftragsvolumen zwischen 20 000 und 50 000 Euro eine kleine Ausschreibung machen müsse, mit der Einholung von verschiedenen Angeboten.

„Die Hürde, Beschlüsse des Gemeinderates aufzuheben, muss sehr hoch sein“, sagte Bernhard Stilling (CSU) in der teilweise hitzig ausgetragenen Debatte. Ein solches Vorgehen seitens der Freien Wähler sei bedenklich. Stilling warnte auch, dass man mit einer Verlängerung des Rathaus-Themas der Verwaltung Probleme mache. Man könne auch nicht einfach ein Drittel des Personals entlassen, wenn am Ende der benötigte Platz fehle.

„Im Gully versenktes Geld“

Für Eugen Stubenvoll, den Fraktionschef der Freien Wähler, war es „völlig unverständlich“, dass man bei dem Projekt nicht auf die Kosten schaue. Dem hielt Ingrid Lenz-Aktas (SPD) entgegen, dass die Gemeinde aus finanziellen Gründen schnelle Rathaus-Fortschritte brauche: „Die Kosten für das Mietgebäude sind im Gully versenktes Geld“.

Gerangel um neuen Hühnerhof in Aschheim

Zwischenzeitlich waren die Fronten zwischen den großen Fraktionen FW und CSU sehr verhärtet, aber nach einer Sitzungsunterbrechung lenkten die Freien Wähler ein und akzeptierten den Kompromiss. Demnach sollen nun Angebote von Sachverständigen eingeholt werden, damit ein weiterer Experte den Rathaus-Altbau ansieht. Mit diesem Gutachten wird die Grundsatzfrage noch einmal neu diskutiert – ob der Altbau saniert oder abgerissen werden soll.

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