Auf Händen getragen wurde Regisseurin Anni Linner stets von den Mitgliedern der Theatergruppe. Dieses Bild ist 2013 entstanden, als das Stück „Gespenstermacher“ aufgeführt wurde.
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Auf Händen getragen wurde Regisseurin Anni Linner stets von den Mitgliedern der Theatergruppe. Dieses Bild ist 2013 entstanden, als das Stück „Gespenstermacher“ aufgeführt wurde. (Archivfoto)

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Trauer um die Seele des Theaters: Anni Linner mit 95 Jahren gestorben

  • Laura Forster
    VonLaura Forster
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Drei Jahrzehnte lang führte sie Regie beim Aschheimer Bauerntheater. Nun ist Anni Linner im Alter von 95 Jahren in Aschheim gestorben.

Aschheim – Sie war das Herz des Aschheimer Bauerntheaters. Über drei Jahrzehnte führte sie Regie bei den zahlreichen Stücken. Nun ist Anni Linner im Alter von 95 Jahren bei ihrer Familie in ihrer Wohnung in Aschheim gestorben. In der Gemeinde hinterlässt sie ein tiefes Loch.

„Auch wenn ich darauf vorbereitet war, hat mich ihr Tod sehr getroffen“, sagt Robert Bauer, Kassier und langjähriges Mitglied des Aschheimer Bauerntheaters. „Anni war die Stütze, Seele und das Herz des Theaters.“ Bauer kann sich noch gut an die Anfänge erinnern – und welche Rolle Linner dabei gespielt hat. „Wir haben 1985 mit dem Bauerntheater begonnen, die Anni hat uns immer geholfen, die Stücke voranzutreiben.“

„Anni hatte immer für uns ein Hustengutzel in der Tasche“

Die Aschheimerin war nicht nur für die Theaterstücke zuständig. Linner hat sich auch um die Klamotten, Schuhe und die Requisiten gekümmert. „Sie war da ganz pingelig, dass alles zusammenpasst.“ Zwar ist Anni Linner eine strenge Regisseurin gewesen, sagt Bauer, trotzdem habe sie sich mit viel Fürsorge um alle gekümmert. „Anni hatte immer für uns ein Hustengutzel in der Tasche“, sagt er.

Wenn Bauer an die Zeit mit Anni Linner zurückdenkt, erinnert er sich vor allem an den sogenannten vierten Akt, das Beisammensein nach der Aufführung. „Da hat die Anni noch bis ins hohe Alter mit einer Zigarre im Mund mitgefeiert.“ Bis vor fünf Jahren saß die Aschheimerin noch selbst im Souffleurkasten und half den Schauspielern bei kleinen Texthängern. „Die letzten Jahre ging es gesundheitlich nicht mehr“, sagt Bauer. Linner hat es sich aber trotzdem nicht nehmen lassen, bis zum Schluss jede Vorstellung zu besuchen.

„Jetzt ist der letzte Vorhang für sie gefallen.“

Neben dem Bauerntheater schlug Linners Herz für ihre Familie. Ihre Tochter Marianne Mermi und die beiden Enkel besuchten die Aschheimerin täglich. Bis zu ihrem Tod pflegte ihre Familie die 95-Jährige. „Sie wurde rundum versorgt“, sagt Mermi. Mit ihrer humorvollen und freundlichen Art war Anni Linner im ganzen Dorf beliebt und bekannt. „Jeder hat sie gemocht, denn sie hat nie gejammert, sondern war immer lustig drauf“, sagt Bauer.

Ihr ganzes Leben hat Linner in Aschheim gewohnt und gearbeitet – 45 Jahre war sie in der Gemeinde tätig. 1951 heiratete sie Johann Linner, die beiden bauten sich Stück für Stück ihr eigenes Haus auf. Früh starb ihr Ehemann im Alter von 51 Jahren. Trotz des schweren Verlustes blieb Linner gesellig. „Sie hat viele Ausflüge und Reisen gemacht“, sagt Mermi. „Es hat ihr Spaß gemacht, mal etwas rauszukommen.“ Ihren 95. Geburtstag hat Anni Linner noch im März mit ihrer Liebsten gefeiert. „Trotz der Trauer freuen wir uns, dass wir sie so lange um uns gehabt haben“, sagt Bauer. „Jetzt ist der letzte Vorhang für sie gefallen.“

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