Während der Morgenvisite kontrolliert Tierärztin Anja Kasparek den Zustand der Pferde.
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Während der Morgenvisite kontrolliert Tierärztin Anja Kasparek den Zustand der Pferde.

Zwischen MRT und Koppel

Visite in der Pferdeklinik

  • Laura Forster
    vonLaura Forster
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Die Tierärzte in der Pferdeklinik Aschheim behandeln Patienten aus ganz Europa. Ein Besuch.

Aschheim – Tierärztin Dr. Anja Kasparek spreizt ihre Finger und fährt durch das weiche Fell einer Fuchsstute. An einer kahl geschorenen Stelle am Hals stoppt sie. Ein Katheter steckt in der Haut des Tieres. Seit ein paar Tagen steht das Pferd wegen einer Entzündung im Intensivstall der Pferdeklinik Aschheim. Die Tierärztin tastet vorsichtig den Bereich um den Katheter ab.

Die Ohren der Stute drehen sich nach hinten, sie nimmt jede Bewegung wahr. „Alles okay“, sagt Kasparek. Das Tier schnaubt, die Luft aus ihren Nüstern hinterlässt einen leichten Nebelhauch. Die Tierärztin blättert die Seite auf ihrem Klemmbrett um und wartet, bis der nächste Patient auf den Hof geführt wird. Die Morgenvisite ist die wichtigste Zeit des Tages.

Team der Pferdeklinik versorgt die Patienten 24 Stunden am Tag

Ihre Patienten versorgen Anja Kasparek (43), ihr Kollege Dr. Martin Waselau und ihr Team von der Pferdeklinik 24 Stunden am Tag. Sie wechseln Infusionen, hören Atemwege ab oder kraulen einfach nur das Fell. Für die Behandlung reisen die Besitzer mit ihren Pferde aus ganz Europa an. Den Weg zur Klinik weist ihnen ein unscheinbares Schuld am Ende einer Reihenhaussiedlung. Ein halbes Dutzend leerer Pferdeanhängern reiht sich am Rand des Parkplatzes auf. Draußen wirkt der Ort ruhig, nur ein Pferdewiehern durchbricht die morgendliche Stille. In der Stallgasse herrscht jedoch schon reger Betrieb. Eine junge Frau schaufelt den Mist aus einer Box. Ihre Kollegin kehrt die liegengebliebenen Halme von den Gummimatten, die in der Stallgasse ausgelegt sind. Der Geruch von Pferdeschweiß und frischem Heu wirbelt durch die Luft. Alles muss vor der Visite um neun Uhr sauber sein.

Jedes Pferd hat sein eigenes Boxenschild mit Informationen für Ärzte und Pfleger.

Rund 25 Pferde werden von den tiermedizinischen Fachangestellten aus den Ställen geführt. „Hier gehen wir nicht wie bei der Humanmedizin von Bett zu Bett, sondern die Tiere werden auf den Hof gebracht“, sagt Kasparek, die seit 2002 in der Pferdeklinik arbeitet und diese heute mit Waselau als Teilhaber leitet. Etwa eine Stunden diagnostiziert sie mit ihrem heutigen Team die Pferde, die wegen Verletzungen am Bein, wegen Koliken oder Lahmheiten in Behandlung sind.

Ein Happyfoto für jeden Besitzer.

Tierärztin Anja Kasparek

Während der Visite zieht Kasparek ihr Handy aus der Hosentasche und öffnet die Kamerafunktion, sie schnalzt mit der Zunge und drückt auf den Auslöser. Auf dem Bildschirm erscheint ein Foto des braunen Wallachs Guindero. Auf dem Klinikgelände herrscht wegen der Pandemie Besuchsverbot. Deshalb – „ein Happyfoto für jeden Besitzer“, sagt die Tierärztin.

Für Guindero ist seine Box in der Klinik mittlerweile ein zweites Zuhause geworden. „Er ist einer unserer Langzeitpatienten“, sagt Kasparek. Seit zehn Wochen kümmert sie sich um den Wallach. Normalerweise dürfen die Patienten nach ein paar Tagen wieder zurück in ihren Stall. Doch seine Diagnose, Hals-Wirbel-Versteifung, ist mit einer langwierigen Behandlung verbunden. Ohne Operation kann das Pferd im schlimmsten Fall nicht mehr laufen, da die Nervenstränge im oberen Hals abgetrennt werden. Guindero ist jedoch schon auf dem Weg der Besserung – dank Kasparek und ihrem Kollegen Waselau, die sich auf Halswirbeloperationen spezialisiert haben.

Pferde kommen aus ganz Europa in die Klinik

Kasparek klopft dem Wallach auf die Kruppe. Ein Zeichen, dass Guinderos Visite beendet ist. Eine tiermedizinischen Fachangestellten führt den nächsten Patienten auf den Hof: ein vierjähriges Turnierpferd. Diagnose: Meniskusschaden. „Das kann durch Wegknicken oder einen Tritt in ein Loch passieren“, erklärt Kasparek. Von Hamburg bis Mallorca kommen Pferde mit Knieproblemen in die Klinik – aus einem ganz besonderen Grund.

Endotracheale Tuben in XXL für die Narkose.

Dieser versteckt sich am Ende der Stallgasse hinter einer schweren Metalltüre. Ein imposantes Gerät, das leicht an ein überdimensionales Waffeleisen erinnert, nimmt die Hälfte des Raumes ein. Das Herzstück der ganzen Klinik: ein MRT für Pferde. „Das gibt es nur einmal in Europa“, sagt Kasparek stolz. Eine halbe Millionen Euro versteckt hinter Pferdeboxen. Vor allem für die Untersuchung des Kniegelenkes nutzen die Ärzte das Gerät genutzt. So können sie das Problem schnell erkennen und die Turnierpferde können zügig wieder in den Sport einsteigen.

Hufeisen klackern über das Hofpflaster. Die Visite ist beendet. Ein Teil der Pferde darf den Tag auf der Wiese verbringen. Anja Kasparek führt einen Wallach am Strick in Richtung Koppel. Sie macht den Zaun auf, zieht das Halfter ab und streicht dem Pferd über die Mähne.

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