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Das alte Rathaus (l.) wird durch einen Neubau ersetzt. Das Sauter-Haus (r.) hat die Gemeinde vor Jahren gekauft. Es wird auch abgerissen, hier entsteht der Erweiterungsbau.

Dreistündige Debatte vor der Entwurfsphase

Wachstumsschmerzen beim Rathaus

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Die Raumverteilung im neuen Rathaus Aschheim mutiert im Wahlkampf zum Zankapfel. Dennoch bringt der Gemeinderat das Projekt auf den Weg – mit einem raren Verfahren.

Aschheim – Die Sitzung hatte noch nicht begonnen, da krachte es gleich zum ersten Mal im Aschheimer Gemeinderat. Bei der Genehmigung der Tagesordnung stellten die Freien Wähler den Antrag, den Beschluss über das Raumprogramm des künftigen Rathauses zu verschieben. Die Gruppierung forderte erst Informationen über die Kosten des Rathaus-Bauprojektes inklusive Vergleich mit anderen Landkreis-Gemeinden. CSU und SPD lehnten den Antrag ab mit dem Argument, dass es keine Dringlichkeit gebe.

„Es hat sich nichts geändert, außer, dass bald Wahl ist“, spottete Bernhard Stilling (CSU). Bürgermeister Thomas Glashauser lehnte es ab, auf weitere Beschlüsse zum Rathaus bis zur neuen Legislaturperiode zu verzichten: „Wir alle sind bis zum 1. Mai gewählt und haben auch jetzt noch unsere Pflicht zu erfüllen.“

Ungewöhnliches Entwurfsverfahren

Mit dem Neubau der Rathaus-Fassade beschreitet die Gemeinde Aschheim Neuland, und nun steht ein selten angewandtes Verfahrens an. Mit dessen Eckdaten verabschiedete der Gemeinderat auch gegen die fünf Stimmen der Freien Wähler das Raumprogramm für die zukünftige Verwaltung. Im Gegensatz zu einem Architektenwettbewerb muss beim „VgV-Verfahren“ nicht das Ergebnis eines Preisgerichts angenommen werden, aber die Kommune muss ihre Entscheidungen für bestimmte Entwürfe transparent begründen. Die Planer der sieben am besten bewerteten Ideen werden zur Abgabe eines Angebots aufgefordert.

Der Münchner Architekt Peter Kellerer, der die Gemeinde bei dem Verfahren begleitet,präsentierte dem Gemeinderat auch schon den Zeitplan. Im August 2020 soll der künftige Baumeister den Auftrag erhalten mit dem Ziel, dass das Gebäude Ende 2023 bezogen werden soll. Das Raumprogramm sieht vor, dass durch den Ersatz für den bisherigen Altbau sowie die Erweiterung die Zahl der Arbeitsplätze von 57 auf 75 Arbeitsplätze anwachsen. 49 Büroräume mit 1220 Quadratmeter bedeuten gegenüber den bislang 35 Büros mit 667 Quadratmetern Fläche nahezu die Verdopplung der Kapazität. Dazu werden die Tiefgaragenstellplätze von 20 auf 65 mehr als verdreifacht.

Widerstand der Freien Wähler mündet in stundenlange Diskussion

Eine stundenlange Diskussion mit scharfem Ton gab es, weil die Freien Wähler das neue Raumprogramm so nicht mittragen wollten. Günther Sassmann kritisierte, dass die vor einem Jahr genannte Kostenprognose von 6,9 Millionen Euro so nicht haltbar sei. Dem hielt Bernhard Stilling (CSU) entgegen, dass es seinerzeit nur um einen Vergleichswert ging zwischen einer Sanierung des Altbaus und einem Ersatzbau.

„Vor einem Jahr wurde schon einmal ein Raumprogramm mit 1500 Quadratmetern beschlossen und jetzt kommen 1000 drauf“, sagte Heinrich Broda (FW), „ich verstehe das alles nicht.“ Er schimpfte, dass man mit ganz anderen Voraussetzungen in einen neuen Grundsatzbeschluss hineingetrieben werden soll. Bürgermeister Glashauser argumentierte damit, dass der Neubau mit der Erweiterung perspektivisch gesehen werden sollte: „Wir wollen eine Lösung zielführend für lange Zeit haben.“

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