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Wirtschaftliches Aushängeschild: In Aschheim ist man Stolz, einen Dax-Konzern im Ort zu haben.

„Künftig kleinere Brötchen backen“

Sprachlos in der Krise: Bürgermeister schweigt nach Wirecard-Insolvenz - Grüne fordern Sparkurs

  • Doris Richter
    vonDoris Richter
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Der Dax-Konzern Wirecard hat Insolvenz angemeldet. Während Aschheims Bürgermeister Thomas Glashauser schweigt, melden sich die anderen Parteien zu Wort und stellen Forderungen.

Aschheim – Lange hatte man in der Gemeinde gebangt, am Donnerstagvormittag dann die Gewissheit: Der Dax-Konzern mit Sitz im Gewerbegebiet Dornach hat im Zuge des Bilanzskandals Insolvenz beantragt. Was das für die Gemeinde bedeutet, ist noch völlig unklar. Bürgermeister Thomas Glashauer (CSU) schickte seinen Geschäftsleiter vor, der dem Münchner Merkur nur mitteilte, dass der Bürgermeister trotz mehrfacher Anfragen am Donnerstag und Freitag nicht gewillt sei gegenüber der Autorin, eine Stellungnahme abzugeben. Auch anderen Medien gegenüber schweigt sich Glashauser offenkundig aus, so gut es geht. Für kommenden Dienstag hat er immerhin den Gemeinderat zu einer Sondersitzung einberufen. Das Thema: die Insolvenz von Wirecard und die Auswirkungen auf die Gemeinde.

Während der Bürgermeister, der für die Krise keine Worte findet und auch sonst nicht dafür bekannt ist, offensiv ins Rampenlicht zu treten, schweigt, melden sich andere zu Wort. Die SPD fordert in einer Presseerklärung, den Fokus auch auf die Angestellten des Konzerns zu richten. Deren Arbeitsplätze und Existenzen seien aufgrund der Insolvenz akut gefährdet. Kevin Cobbe, Vorsitzender der SPD Aschheim/Dornach erklärt: „Viele der Menschen, die bei Wirecard arbeiten, wohnen direkt hier in Aschheim, in Dornach oder in der näheren Umgebung. Sie sind unsere Nachbarinnen und Nachbarn.“ Rund 1500 Menschen arbeiten für Wirecard in Aschheim.

„Vielleicht aber sollten wir künftig kleinere Brötchen backen“

Neben den Folgen für die Mitarbeiter sehen die Aschheimer SPD-Gemeinderäte Ingrid Lenz-Aktas und Andreas Bichler auch negative Auswirkungen auf die Gemeinde zukommen: Voraussichtlich würden Gewerbesteuereinnahmen in nicht unbeträchtlicher Höhe wegfallen. „Zu den Ausfällen in Folge der Corona-Pandemie kommt nun die Entwicklung bei Wirecard.“ Die Sozialdemokraten fordern allerdings nicht an den Ausgaben für Soziales oder Bildung rütteln – etwa den geplanten Schulbauten. „Die lokalen mittelständischen und kleinen Betriebe müssen nun erst recht unterstützt werden, damit die Gemeinde wirtschaftlich weiter gut und breit aufgestellt ist.“

Sabine Maier, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Gemeinderat, befürchtet, dass sich die Wirecard-Pleite sicher negativ auf den Haushalt auswirke. „Auch wenn mir der Kämmerer versichert hat, wir werden das schaffen.“ Aschheim habe schon öfter Pleiten miterlebt und man habe das immer durchgestanden. „Vielleicht aber sollten wir bei einigen Bauvorhaben künftig kleinere Brötchen backen“, sagt sie auch in Hinblick auf den geplanten Rathaus-Neubau. Was Maier und ihre Fraktion ebenfalls umtreibt: Wie es nun mit den Erweiterungsplänen des Konzern ins Aschheim weitergeht. Nur in kurzer Entfernung zum jetzigen Firmensitz am Einsteinring wollte Wirecard weitere Bürogebäude beziehen. Die Gemeinde genehmigte sogar ein Parkhaus im Grüngürtel.

„Da stehen im Moment ja halbe Bauruinen“

Mit Einschätzungen schwer tut sich auch Eugen Stubenvoll, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler. „Es ist auch ungut, dazu Stellung zu nehmen, das ist nicht unsere Aufgabe“, sagt er auch in Hinblick auf das Abtauchen des Bürgermeisters. „Die Folgen der Pleite für die Gemeinde einzuschätzen, ist schwierig, vor allem die finanziellen, da das ja alles unters Steuergeheimnis fällt.“ Sorge bereitet ihm auch, wie es mit den Baumaßnahmen rund um Wirecard weitergeht. „Da stehen im Moment ja halbe Bauruinen“, sagt Eugen Stubenvoll von den Freien Wählern. Gegen ihn hatte sich Glashauser mit knapp 53 Prozent bei der Kommunalwahl durch die Stichwahl gerettet. Zumindest, so Stubenvoll weiter, sei mit dem Bau des Parkhauses noch nicht begonnen worden. Nun sei er gespannt, was Glashauser am Dienstag zu sagen habe.

Bürgermeister Glashauser hatte Anfang der Woche mit Blick auf den taumelnden Konzern und dessen dramatisch sinkenden Aktienwerten noch gesagt, man müsse in guten wie in schlechten Zeiten zusammenhalten. Immerhin hatte er sehr dafür gekämpft, den Dax-Konzern in der Gemeinde zu halten. Hinsichtlich der Gewerbesteuereinnahmen hatte sich Glashauser zuversichtlich geäußert. Nicht zuletzt, weil die Gemeinde Einnahmen generell eher vorsichtig kalkuliere. Das war allerdings vor der Wirecard-Insolvenz.

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