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Im Brennpunkt: die Wirecard-Zentrale in Dornach. 

Kommt doch alles anders?

Wirecard-Skandal entfacht Debatte um Parkhaus - Gemeinderäte wittern Chance

  • vonNico Bauer
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Um Wirecard einen Verbleib im Gewerbegebiet schmackhaft zu machen, sagte die Gemeinde ein Parkhaus zu. Angesichts des Bilanzskandals wittern Gemeinderäte die Chance, den Bau zu verhindern.

Aschheim – Wirecard steuert nach dem milliardenschweren Bilanzskandal in eine ungewisse Zukunft. Gestern machten zunächst Gerüchte um die Zerschlagung und den stückweisen Verkauf des Unternehmens die Runde, dann durchsuchten Ermittler von Staatsanwaltschaft und Polizei die Zentrale des Dax-Konzerns in Dornach. Am Abend zuvor hatte sich auch der Aschheimer Gemeinderat mit seinem ehemaligen Vorzeigeunternehmen befasst. Dabei ging es aber vor allem um das Parkhaus, mit dem man Wirecard den Verbleib im Ort schmackhaft gemacht hatte.

Die Rock Capital Group – der Investor, der das Parkhaus für Wirecard bauen würde – hat den nötigen Bauantrag bei der Gemeinde schon eingereicht. In der nächsten Bauausschusssitzung, verriet Bürgermeister Thomas Glashauser (CSU), hätte dieser auch auf der Tagesordnung gestanden. Doch nach den turbulenten Ereignissen der letzten Tage habe Rock Capitol den Antrag erst einmal zurückgestellt. Wohl ein Zeichen dafür, dass der Investor die grundsätzliche Entwicklung bei Wirecard abwarten möchte. Hingegen laufen die Umbauarbeiten in dem leer stehenden Bürogebäude im Einsteinring 30 bereits, in das eigentlich Wirecard hätte einziehen sollen.

„Dieses Zuckerl für Wirecard hätte es nicht gebraucht.“

Die gemeindliche Bauverwaltung machte nochmal deutlich, dass es sich bei dem bestehenden Baurecht weder um ein exklusives Wirecard-Bürogebäude handele noch um ein exklusives Wirecard-Parkhaus. Der Eigentümer, also Rock Capital, könne die Räume jederzeit an andere Firmen vermieten. Mit Blick auf das Parkhaus ergänzte Glashauser, dass der Gemeinderat rechtlich nur schwer Bauanträge, die dem Bebauungsplan entsprechen, ablehnen könne. Eine Verweigerung von Baurecht könne sogar größere Schadensersatzansprüche zur Folge haben.

Sabine Meier (Grüne) wünschte sich, dass der Bürgermeister darauf hinwirkt, dass auf den Bau des Parkhauses nun verzichtet wird. Das Gebäude im Grüngürtel des Gewerbegebiets Richtung Dornacher Wohnbebauung wird in Teilen des Gemeinderates und der Bevölkerung kritisch gesehen. Der Dornacher Heinrich Broda (FW) kündigte an, das Parkhaus konsequent abzulehnen: „Dieses Zuckerl für Wirecard hätte es nicht gebraucht.“

Das Parkhaus dürfte für Wirecard, deren flüchtiger Ex-Manager als möglicher Informant einer rechtskonservativen Partei Schlagzeilen macht, derzeit das geringste Problem sein. Insolvenzantrag, drohender Teil-Verkauf – es ist vollkommen unklar, ob und wie es mit der Firma in Dornach weitergeht. Dennoch war Eugen Stubenvoll, den Fraktionssprecher der Freien Wähler, enttäuscht von der Sitzung: „Ich bin etwas überrascht von dieser Veranstaltung, weil ich eigentlich erfahren wollte, wie es Wirecard geht. Jetzt läuft alles weiter wie bisher und wir werden ohne Antwort stehen gelassen.“

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