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Damit mehr Menschen einsteigen, kämpft Ingrid Lenz-Aktas (SPD) aus Aschheim für eine grundlegende MVV-Tarifreform. Eine Flatrate wäre gut, aber vor a llem muss der Freistaat mehr Geld locker machen.

SPD-Kreis-Fraktionssprecherin ist schwer enttäuscht

Zug für die MVV-Reform ist abgefahren

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Seit Monaten feilt der MVV an seiner Tarifreform. Doch was bisher davon zu erfahren ist, enttäuscht Politiker, die es ernst meinen. Ingrid Lenz-Aktas (56), Fraktionssprecherin der SPD im Landkreis München, fürchtet, dass eine Chance verschlafen wird – auch vom Ebersberger Landrat Robert Niedergesäß, Sprecher der acht MVV-Verbundlandkreise.

Landkreis/Aschheim– Einfach, modern und gerecht sollte der neue MVV-Tarif für München und die Landkreise werden. „Damit wir mehr Menschen von der Straße bringen“, sagt Ingrid Lenz-Aktas. Bis Ende November sollen die MVV-Gesellschafter Beschlüsse fassen. „Doch was sich bisher abzeichnet, ist nicht der große Wurf, sondern eher ein Reförmchen.“

Die Kreispolitikerin aus Aschheim hat sich in die Dimensionen des Themas eingearbeitet, sie brennt für diese Reform. Die wurde im Juli 2013 angestoßen – mit der schwierigen Vorgabe, dass es für die Gesellschafter nicht teurer werden darf. Ingrid Lenz-Aktas sitzt in einem Café an der Aschheimer Hauptkreuzung. Alle zehn Minuten hält hinter ihr der 263-er Bus, der zur Messestadt fährt. Auf ihn ist die Kreis- und Gemeinderätin richtig stolz. „Seit wir den Zehn-Minuten-Takt eingeführt haben, steigen viel mehr Leute ein. Man muss ein gutes Angebot machen, dann wird es auch genutzt.“

Überlastete Straßen, täglich Stau – das sind schon heute handfeste Gründe für eine große Reform. Der Zuwachs in der Region, die Klimaschutzziele, sind weitere. Doch als sich Lenz-Aktas im Herbst 2016 nach dem Fortgang der Reform erkundigte, war sie entsetzt. Das bisherige System mit Ringen, Zonen, Streifen, Einzelfahrkarten wird lediglich modifiziert. Das ist den SPD-Politikern viel zu wenig. „Wie kommen die Leute zur Arbeit, wenn sie mit ihrem Diesel bald nicht mehr in die Stadt fahren dürfen?“

Es muss mehr Geld fließen

Der Netz-Ausbau stehe an, Tangentialen, eine Stadt-Umland-Bahn. „Das wird nur gelingen, wenn mehr Geld fließt.“ Die 56-Jährige hat viele Gespräche geführt und sich in die Materie tief eingearbeitet. „Andere Bundesländer stecken das Geld aus dem Länderfinanzausgleich in den Verkehr. Bayern hat das nicht gemacht. Das ist eine Schweinerei vor dem Herrn“, schimpft die sonst so besonnene Lektorin, der es viel zu langsam vorangeht: „Sonst hätte der MVV längst das Geld für die zweite Stammstrecke und für eine große Reform.“ Die Verkehrsbetriebe müssten um Finanzspritzen betteln. „Aber so stark ist deren Lobby nicht. Dabei ist der Ausbau des Verkehrs Aufgabe des Freistaats.“

Dass der Zug für eine weitreichende Reform so gut wie abgefahren ist, wirft sie auch dem Ebersberger Landrat Robert Niedergesäß (CSU) vor, dem Sprecher der acht Verbundlandkreise. Er habe das Thema nicht genügend in die Gremien und in die Öffentlichkeit getragen. „Wir hätten uns mehr Informationen gewünscht.“ Sie wolle ihm gar nicht an den Karren fahren, beteuert sie: „Aber ich weiß wirklich nicht, was er macht!“

Zu akzeptieren, dass die Maßnahmen, die bisher diskutiert werden, wohl nicht mehr Menschen in den MVV bringen. „das fällt mir wahnsinnig schwer“, sagt Ingrid Lenz-Aktas, „weil ich erwarte, dass Politik vorausdenkt“. Doch die Treffen und Gespräche, die Lenz-Aktas in den letzten Monaten angestoßen habe, hätten etwas in Bewegung gebracht, sagt die stellvertretende Landrätin Annette Ganssmüller-Maluche (SPD): „Ihrer Hartnäckigkeit ist es zu verdanken, dass eine Unruhe entstanden ist.“ Lenz-Aktas hofft auf die nächste Reform, die muss der ersehnte, große Wurf werden: „Ich bin eben eine unverbesserliche Optimistin.“

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