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Der Weg über den Bahnsteig in Riem mutiert für Fahrgäste zum Hindernislauf. Sie müssen sich zwischen Holzabsperrungen ausweichen.

Die Fahrgäste sind alles andere als begeistert von den Zuständen

Dauerbaustelle am Bahnhof Riem: Gemeinde und Messe machen Bahn Dampf - Die gelobt Besserung

  • Laura Forster
    vonLaura Forster
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Der Bahnhof in Riem ist in einem äußerst unansehnlichen Zustand. Fahrgäste, die aus der S-Bahn steigen, begrüßt eine vermüllte Dauerbaustelle. Doch die Bahn gelobt Besserung.

Dornach/Riem – Kaffeebecher, Süßigkeitenverpackungen und Kaugummipapier wehen über den Bahnsteig, alle zwei Meter klaffen verschmutzte Öffnungen im gepflasterten Boden, die mit Holzbrettern provisorisch abgeriegelt sind. Nach einer Bank zum Hinsetzen suchen Fahrgäste vergeblich. Wer am Riemer Bahnhof ankommt, landet auf einer vermüllten Dauerbaustelle. Seit mehr als eineinhalb Jahren wird hier gebaut, doch es bewegt sich scheinbar nichts. Ein Armutszeugnis für einen Messebahnhof.

Als „Verbesserungswürdig“ bewerten die meisten Besucher den Zustand des S-Bahnhalts im Münchner Osten. Schon seit Mitte März 2018 soll das Gelände barrierefrei umgebaut werden, doch seit Monaten herrscht Stillstand. Thomas Glashauser, Bürgermeister der Nachbargemeinde Aschheim, findet die derzeitige Situation nicht zufriedenstellend. „Das sieht aber auch jeder, der die Bahn nutzt“, sagt er. Viele Bürger aus Aschheim und dem Dornacher Gewerbegebiet pendeln täglich vom S-Bahnhof Riem aus in die Stadt.

Bahnhof Riem: „Wenn man ein Ticket braucht, muss man immer auf das andere Gleis“

Den Aufenthalt am Problembahnhof versuchen die Reisenden dabei, so kurz wie möglich zu halten. „Wenn man ein Ticket braucht, muss man immer auf das andere Gleis“, sagt Maria Baltasar aus Riem, die täglich mit der S-Bahn nach München fährt. Und auch zum Stempeln müssen die Bahnfahrer einen weiten Weg auf sich nehmen. Treppen runter, durch die Unterführung, Treppen wieder rauf. Die Fahrkarte können nämlich nur bei Automaten auf dem Gleis Richtung Erding oder einer hinter Gestrüpp versteckten Maschine entwerten werden. Natürlich mit dem Risiko, dass die S-Bahn bis dahin längst abgefahren ist. Eins der vielen Probleme am Bahnhof Riem.

Kurz vor dem Wintereinbruch und im regnerischen Herbst haben die Bahnfahrer eine andere Sorge: das nicht vorhandene Wartehäuschen. Schon im vergangenen Winter mussten die Bahnhofsbesucher ungeschützt am Bahnsteig bibbern. Ob das auch dieses Mal der Fall ist, bleibt abzuwarten. Bürgermeister Glashauser hat allerdings gute Nachrichten: „Am Bahnhof soll etwas Provisorisches entstehen.“ Das habe die Bahn ihm mitgeteilt.

Stillleben: Baustelle mit Müll.

Zusammen mit Klaus Dittrich, dem Vorsitzenden der Geschäftsführung der Messe München, hat Glashauser der Deutschen Bahn (DB) vor einigen Wochen einen Brief geschrieben, und sich nach dem aktuellen Stand der Baustelle erkundigt. Jetzt ist die Antwort im Rathaus eingetroffen: Vor 2020 kann nicht weitergebaut werden. Das Problem sei das zu hohe Grundwasser, das den Bau des Aufzugs hinauszögere. Einen Lichtblick hat die DB für die Bahnfahrer dennoch. „In den nächsten Wochen soll ein Entwerter auf den Mittelsteig kommen“, zitiert Glashauser aus dem Schreiben. Ein Dach für die Sitzgelegenheit, die sich am anderen Ende der Unterführung befindet, habe die Bahn zuletzt bereits angebracht. Zufriedenstellend sei das trotzdem nicht.

Dieser Meinung ist auch Pendlerin Maria Baltasar. „Die Radl-Plätze ähneln einem Friedhof. Überall ist Müll. Ich wünsche mir, dass der Bahnhof sauber und funktionsfähig ist“, sagt sie.

Münchner Bezirksausschuss bekommt keine Antwort auf Anfrage bei DB

Dass die Bürger mit der aktuellen Lage unglücklich sind, merkt auch der Vorsitzende des Bezirksausschuss Trudering-Riem, Otto Steinberger: „Es liegt uns ein Bürgerschreiben über den Bahnhof Riem vor, dass wir im November im Gremium behandeln.“ Grundsätzlich sei die Situation ein Ärgernis, da man nicht weiß, wie es weitergeht. „Die Bahn hat damals angefangen, fünf Monate gearbeitet und seither dümpelt die Dauerbaustelle vor sich hin“, sagt Steinberger. Einen derzeitigen Stand von der Bahn habe er – im Gegensatz zu Glashauser – nicht.

Mit Hilfe der Messe München konnte Aschheims Bürgermeister den Druck auf die Bahn erhöhen. Die vorherigen Versuche verliefen demnach im Sand. „Als kleiner Dorfbürgermeister hat man keine guten Chancen“, sagt er mit einer Portion Galgenhumor. Ihm sind in der Sache, trotz der vielen Versuche, die Hände gebunden. Schlussendlich ist es alleinige Sache der Bahn. Umso dankbarer sei er, dass nun endlich ein bisschen was vorangeht.

Deutsche Bahn gelobt Besserung

Neben Riem wird derzeit auch der Bahnhof in Feldkirchen barrierefrei umgebaut. Die Endlosbaustelle sorgt auch bei den Feldkirchner Bürgern für Endlosärger. Aber Bürgermeister Werner van der Weck hat keine Möglichkeit einzugreifen, wie er sagt. Ab dem 4. November soll der Bahnhof jedoch barrierefrei sein.

„Wir haben es noch schwerer als Feldkirchen“, stöhnt Glashauser. Der Riemer Bahnhof liegt nicht auf Aschheimer Gemeindegebiet, sondern auf Münchner Flur. „Wir sind bereit, zu unterstützen, aber die zeitliche Schiene gefällt mir nicht. Der Termin, wann die Baustelle fertig ist, geht mir immer noch ab.“ Obwohl das der Wichtigste wäre, auch im Hinblick auf die internationale Fachmesse Bauma, die 2022 das nächste Mal stattfindet.

Die DB gelobt derweil baldige Besserung. Bis zum Jahresende, teilt ein Bahnsprecher auf Anfrage mit, sollen das Bahnsteigdach auf dem Mittelbahnsteig errichtet und die Schächte geschlossen sein. Der Bahnsteig erhalte dann auch wieder einen Ticket-Automaten mit Entwerter, zusätzliche Sitzbänke und Mülleimer. Wann die Arbeiten an der Unterführung weitergehen, befinde sich allerdings noch in der Abstimmung.

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