Bürgermeister Thomas Glashauser, Ausgrabungsleiter Carl Göderz und Museumsleiterin Anja Pütz mit den Funden
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Aus der Erde in die Vitrine: Bürgermeister Thomas Glashauser, Ausgrabungsleiter Carl Göderz und Museumsleiterin Anja Pütz mit den Funden aus der Zeit 750 v. Chr..

Elf Gräber aus der frühen Hallstattzeit

„Die Toten sollten Gastgeber sein“ : Neue antike Funde bei Bauarbeiten aufgetaucht

  • vonNico Bauer
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Der Aschheimer Boden ist reich an historischen Schätzen. Das bewies sich nun auch bei Bauarbeiten im Gewerbegebiet. Dort fanden die Archäologen elf Gräber.

Aschheim – In Aschheim gibt es nahezu keine Baustelle, bei der die Archäologen bei ihren Untersuchungen im Vorfeld nichts aus dem Erdreich buddeln. Zu historisch ist der Aschheimer Untergrund. Und auch bei den Grabungen für den Neubau der Volvo-Niederlassung in direkter Nachbarschaft der Möbelhäuser war der Ertrag reichlich. Stolze elf Gräber aus der frühen Hallstattzeit (etwa 750 v. Chr.) wurden geborgen. Nach der bisherigen Tradition überließ der Grundstückbesitzer der Gemeinde die Funde, die gestern im AschheiMuseum präsentiert wurden. Sie können ab kommenden Jahr auch wieder dauerhaft ausgestellt werden.

Puzzlearbeit: Mit viel Liebe zum Detail wurden diese großen und kleinen Schalen wieder zusammengebaut, die in Aschheim gefunden wurden.

Ganz überraschend waren die Gräberfunde nicht, ihre Anzahl allerdings schon. Vor einigen Jahren beim Bau der Umgehungsstraße entdeckten die Archäologen bereits zwei Gräber aus dieser Zeit. „Es hätten auf dem daneben liegenden Grundstück auch nur zwei weitere Gräber sein können“, sagt Museumsleiterin Anja Pütz. Aschheim hatte seinerzeit wohl eine sehr große Grabanlage, weil höher liegende Bestattungen heute nicht mehr sichtbar sind. In der frühen Hallstattzeit zwischen 750 und 650 v. Chr. wurden verstorbene Menschen verbrannt und bekamen den Funden nach zu sehen schon reichlich Grabbeigaben. „Die Toten sollten Gastgeber sein“, sagt Carl Göderz von der Firma 3Archäologen über die Funde. Zu den Inhalten der Gefäße konnte er nichts sagen. Die Menschen hätten sich viel Mühe bei den Beigaben gemacht.

„Hier wurden sicher keine Fürsten oder Könige beigesetzt, aber...“

Besonderer Fund der Volvo-Grabung war der Großteil einer Schale, an der Reste von farblicher Verzierung zu sehen sind. Das lässt für die Aschheimer Museumsleiterin auch Rückschlüsse auf die Bevölkerung zu: „Hier wurden sicher keine Fürsten oder Könige beigesetzt, aber es waren eben auch keine ganz einfachen Leute.“

Wenn in den kommenden Jahren das Gelände von Volvo weiter bebaut wird, erwartet Anja Pütz Hinweise auf die Siedlung, zu der die Gräber gehören. Und sie würde sich wünschen, endlich einmal einen Depotfund zu machen. Diese können von Bürgern oder Raubzügen versteckte Dinge sein. Ein solches Depot ist irgendwie so mit das Letzte, was bei den Funden in den Böden Aschheims noch fehlt.

Dieses Gefäß zeigt, dass die Grabbeigaben bemalt waren. Das lässt auf wohlhabende Verstorbene schließen.

Die geschichtlichen Untersuchungen des Areals waren voriges Jahr eine größere Aktion. Teilweise wurden ganze Blöcke von Erde gepackt und im Labor die Scherben in aller Ruhe freigelegt für die Wiederherstellung der Gefäße. Göderz kommt immer wieder gerne zu Untersuchungen in die Gemeinde, „weil man hier in Aschheim immer etwas findet“.

Das AschheiMuseum befindet sich im Keller des Kulturellen Gebäudes und stellt dort einen Teil der zahlreichen Funde aus. Die neuen Schenkungen von Volvo will Anja Pütz 2021 beim nächsten Wechsel der Ausstellungsstücke der breiten Öffentlichkeit präsentieren.

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