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„Wolpertinger-Anlage“ nennt Christian Böltl (39) die aus Teilen von drei Herstellern konstruierte Brennanlage.

Destillerie

Der edle Geist von „Ascaim“

Aschheim Wenn aus 100 Kilo Himbeeren 20 Liter Edelbrand werden, schmeckt der Genießer die Handarbeit heraus. Dann sind die Brüder Franz (50) und Christian Böltl (39) aus Aschheim am Ziel. Ihnen geht es nicht um Marktanteile, sondern um Qualität.

Es war einst eine witzige Idee, um nicht von Schnapsidee zu sprechen, und ist heute ein Premiumprodukt. Die kleine Destillerie „ascaim“ der Brüder Franz (50) und Christian (39) Böltl in Aschheim steht längst für eine außergewöhnliche Qualität, die den Inhabern am Herzen liegt. Sie produzieren ihre Edelbrände und Liköre aber weiter aus Spaß an der Freude und denken nicht über Ausweitungen ihres Hobbys nach. 2012 haben die Brüder zufällig auf dem Dachboden ein Buch mit Rezepten zur Herstellung eigener Schnäpse gefunden. Das machte sie neugierig und führte dazu, dass die Böltls auf dem Familienhof gegenüber dem Rathaus in den vergangenen Jahren eine kleine Destillerie Marke Eigenbau eingerichtet haben.

Richtige „Wolpertinger-Anlage“

„Eigentlich ist das eine Wolpertinger-Anlage“, scherzt Christian Böltl über das Konstrukt mit Teilen von drei verschiedenen Herstellern. So individuell wie die Anlage, sind auch die mittlerweile 13 verschiedenen Brände der Destillerie „ascaim“, deren Kundenstamm stetig wächst. Die Böltls wollen aber auch weiterhin im kleinen Rahmen produzieren und nehmen es in Kauf, die eine oder andere Sorte außerhalb der Saisonzeiten einmal nicht vorrätig zu haben. „Wir betreiben unsere Manufaktur weiterhin als Hobby Plus und wollen unseren Kunden das Produkt persönlich in die Hand drücken“, sagt Böltl.

Viele Auszeichnungen

Die Brüder Böltl haben sich auf die Fahnen geschrieben, ihre Brände mit maximaler Qualität zu brennen. Dafür setzen sie auf heimische Zutaten mit der Ausnahme der in Südamerika wachsenden Tonkabohnen, die als so ziemlich einzige Zutat importiert werden muss. Hauptsächlich nutzen die Hobbybrenner heimisches Obst für Brände, die dann auch nur saisonal mit frischen Früchten produziert werden. So werden rund 100 Kilogramm Himbeeren für 20 Liter des Edelgetränks benötigt. „Bei uns darf nichts Halbes im Schrank stehen“, sagt Christian Böltl.

Die Aschheimer Brüder brennen aus Leidenschaft und geben Interessenten gerne Einblicke in ihre Arbeit wie etwa beim Seminar der örtlichen Volkshochschule „Vom Obst zum Destillat“. Bestätigung bekommen die Böltls unter anderem bei namhaften Wettbewerben. Nach der Prämierung 2015 beim „Goldenen Stamperl“ in Österreich bewarben sich die Aschheimer 2016 für die Konkurrenz „Bayern-Brand“, bei der sie fünfmal Silber und zweimal Gold absahnten. Die goldenen Bewertungen bekamen sie für die Brände mit Apfel-Wacholder sowie Quitte. Diese Erfolge sind Christian Böltl wichtiger als Produktions- oder Umsatzrekorde. „Wir müssen gar nichts und wollen uns nicht in den Markt hineinkämpfen“, sagt der Brenner. Er genießt den Kunden, der das Besondere zu schätzen weiß: „Bei uns wollen die Leute die Handarbeit herausschmecken.“

Öffnungszeiten

Jeden Samstag von 10 bis 14 Uhr hat die kleine gemütliche Brennerei an der Ismaninger Straße 5 in Aschheim geöffnet.

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