Für den Schutz der Landschaft – hier bei Ebenhausen – ist ein Gesamtkonzept nötig. Kommunalpolitiker und Fachleute sprechen sich für mehr Zusammenarbeit aus, um Freiflächen trotz Wachstumsdrucks zu schützen. 
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Für den Schutz der Landschaft – hier bei Ebenhausen – ist ein Gesamtkonzept nötig. Kommunalpolitiker und Fachleute sprechen sich für mehr Zusammenarbeit aus, um Freiflächen trotz Wachstumsdrucks zu schützen. 
Die Stadt dehnt sich ins Umland aus. Dieses Bild der Krake soll aus den Köpfen verschwinden, fordert Sören Schödel-Rutschmann. 
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Die Stadt dehnt sich ins Umland aus. Dieses Bild der Krake soll aus den Köpfen verschwinden, fordert Sören Schödel-Rutschmann. 
Zusammenarbeit ist gefragt, damit gleichwertige Räume sich begrenzen.
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Zusammenarbeit ist gefragt, damit gleichwertige Räume sich begrenzen.

Wichtige Kooperation

Gemeinsam für den Landschaftsschutz rund um München

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Kirchheim - In der Wachstumsregion München gerät die Landschaft zunehmend unter Druck. Die kostbaren Freiräume zu bewahren und zu gestalten, ist eine gemeinsame Herausforderung für die Kommunen.

Gut 80 Bürgermeister, Gemeinderäte, Bauamtsleiter, Vertreter von Landkreisen, Vereinen und anderen Organisationen diskutierten im Vorhoelzer Zentrum der Technischen Universiät München auf Einladung des Regionalen Planungsverbands (PV). Grüne Freiräume sind wichtige Faktoren für die Lebensqualität. Doch in der Wachstumsregion München müssen in den kommenden Jahren viele Wohnungen in Stadt und Umland gebaut werden. Wie lassen sich Siedlungsdruck und Landschaftsplanung vereinbaren? Welche Akteure müssen zusammenarbeiten, welche Konzepte und guten Beispiele gibt es? Diese Fragen diskutierten Kommunalpolitiker und Fachleute unter der Moderation von Karla Schilde von der Abteilung Regionales der Stadt München.

Explosionsartiger Wachstumsschub

Das Umfeld von München habe einen explosionsartigen Wachstumsschub erlebt, sagte Toni Ried, Vize-Landrat und Zweiter Bürgermeister von Ebersberg. Für seine Forderung, „wir brauchen ein Entwicklungskonzept, wir müssen unsere Landschaft schützen“, erntete er spontanen Applaus. Die Experten sind sich einig, dass der Landschaft bei der Planung von Kommunen eine ebenso große Bedeutung zukommen muss wie Wohnen, Gewerbe oder Verkehr. „Wir wollen den alten Gegensatz aufbrechen“, sagte der Dachauer Landrat Stefan Löwl: „Landschaft ist genauso wichtig wie Gewerbegebiete.“

Kirchheims Bürgermeister Böltl wünscht sich eine Ost-Allianz

Maximilian Böltl, Bürgermeister von Kirchheim, wünscht sich eine Ost-Allianz, in der ähnlich wie in der Nord-Allianz Gemeinden und Landkreise zusammenarbeiten. Denn er sieht eine neue Negativwelle auf die Kommunen im Münchner Osten zurollen: „Der Schlachthof konnte erfolgreich abgewendet werden. Der Großmarkt kommt als Nächstes.“

RPV-Geschäftsführer Christian Breu räumte mit der verbreiteten Annahme auf, dass für Gewerbe-und Verkehr der größte Flächenanteil versiegelt werde. „Treiber für die Flächeninanspruchnahme ist das Wohnen“, sagte er. Zum einen weil jährlich 30 000 bis 35 000 Menschen in die Region München zuziehen, zum anderen weil der Wohnquadratmeterbedarf pro Person gestiegen ist. Die Gesellschaftsstruktur hat sich verändert, es leben mehr Singles und weniger Familien mit Kindern in Stadt und Umland.

Wohnungsbau frisst die meiste Fläche

Wo soll die Landschaft geschützt werden, wo gibt es für die Gemeinden Entwicklungsflächen? „Nach innen verdichten und neue Potenziale entdecken“, nannte Susanne Hutter-von-Knorring, Abteilungsleiterin Grünplanung der Landeshauptstadt, den Ansatz der Stadt.

Das Konzeptgutachten „Freiraum 2030“ der Landeshauptstadt enthält konkrete Ideen: Vernetzen der Freiflächen durch viele kleine oder neue Wege, neue Dachflächen als Grünflächen rekrutieren, an Wochenenden auf Schulhöfen und Gewerbeparkplätzen temporäre Nutzungen ermöglichen und Zwischennutzungen auf Freiflächen zulassen, „bevor der Bagger kommt“, wie beim Freiluftsupermarkt im neuen Stadtteil Freiham.

Perspektiven für die Freiraumplanung gab Landschaftsarchitektur-Professor Sören Schöbel-Rutschmann von der TU in seinem Kurzreferat. Er fordert, dass sich mehrere Landkreise zusammentun sollen, um ihre Landschaft zu erhalten. Ein Gesamtkonzept für die Region sei nötig, das den Gegebenheiten der Natur als Strukturgeber folgt. Sein Appell: „Die Gemeinden sollten München nicht als Krake sehen, die auf das Umland zugreift, sondern als Partner auf Augenhöhe miteinbeziehen und gemeinsam Konzepte entwickeln.“

Zusammenarbeit der Kommunen und Kreise

Die Kommunalpolitiker und Fachleute diskutierten über die Möglichkeiten der Zusammenarbeit von Kommunen, aber auch über die Frage, wie gemeinsame Grünprojekte finanziert werden können. Dabei sind auch die Landwirte als Nutzer der Landschaft wichtige Akteure und Partner, betonte Michael Schanderl, Bürgermeister von Emmering. Der Dialog der Nutzer und Akteure soll fortgesetzt werden: Konzepte müssen gemeinsam erarbeitet, Konsens gefunden und die Finanzierung von Freiraumprojekten fair verteilt werden. Christian Breu hofft, dass die Veranstaltung ein „Auftakt“ war zu weiteren Diskussionen.

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