Vor den Modellen: Sandra Zeller aus Kirchheim hat Söhne in der 6. und 7. Klasse. „Sie loben das Schulklima und auch das innovative Gymnasium. Aber sie braten im Sommer, da muss sich an der Dämmung etwas ändern.“
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Vor den Modellen: Sandra Zeller aus Kirchheim hat Söhne in der 6. und 7. Klasse. „Sie loben das Schulklima und auch das innovative Gymnasium. Aber sie braten im Sommer, da muss sich an der Dämmung etwas ändern.“
Stefan Scheinost ist als ehemaliger Elternbeiratsvorsitzender voll in der Materie. „Das neue Gymnasium muss her so schnell wie möglich, nun müssen Fakten geschaffen werden! Da darf man nicht mehr lange überlegen. Die Lehrer und Schüler leben hier in einer Ruine!“ 
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Stefan Scheinost ist als ehemali ger Elternbeiratsvorsitzender voll in der Materie. „Das neue Gymnasium muss her so schnell wie möglich, nun müssen Fakten geschaffen werden! Da darf man nicht mehr lange überlegen. Die Lehrer und Schüler leben hier in einer Ruine!“ 

Neubau statt Sanierung

Gymnasium Kirchheim kostet bis zu 88 Millionen Euro

Das Gymnasium Kirchheim ist in einem maroen Bauzustand, dem Anstieg der Schülerzahlen nicht mehr gewachsen und wird modernen pädagogischen Ansätzen nicht mehr gerecht. Es soll durch einen Neubau ersetzt werden. Das wird teuer.

Kirchheim – Der Neubau wird laut Schätzungen maximal 88 Millionen Euro teuer, inklusive Tiefgarage und 15 Prozent Puffer für „Unvorhergesehenes“. Die Hauptlast kommt auf den Zweckverband zu, der die Gemeinden Aschheim, Feldkirchen und Kirchheim verbindet. Lediglich ein Drittel übernimmt der Landkreis.

In einer öffentlichen Informationsveranstaltung konnten sich Gemeinderäte der drei Gemeinden, aber auch interessierte Eltern und Bürger in der Aula über den neuesten Stand ein Bild machen. An den Schülerzahlen hat sich nichts geändert, das neue Gymnasium soll 1500 Schülern in 42 Klassen Raum bieten. Geplant sind eine 4-fach Turnhalle, Tiefgarage, Mensa und Schulbibliothek. Um auch zukünftig die hohe Qualität für die Schüler sicherstellen zu können, plädierte Rektor Matthias Wermuth für den Neubau. „Derzeit können wir etwa im Chemieunterricht nur bedingt Versuche durchführen, da uns hierzu die technischen Voraussetzungen fehlen.“ Die vielen Auszeichnungen, die das „GyKi“ jedes Jahr erhalte, die Kooperationen mit Hochschulen und Industrie, das breit gefächerte Angebot an W- und P-Seminaren sowie auch Wahlangebote könnten zudem nur mit einer gewissen Schulgröße aufrechterhalten werden. „Dinge, von denen Ihre Kinder profitieren“, betonte Wermuth mit Blick auf die Eltern im Saal. Darüber hinaus gelte es als zukunftsfähige Schule den Schülern eine gesunde Umgebung sicherzustellen, in der sie nicht nur Lernen, sondern auch Toben, Verweilen oder Ruhen, alleine oder in Gruppen lernen können.

Es begann mit dem „Kirchheimer Fenstersturz“

Dies alles hat jedoch seinen Preis. Was ursprünglich im Jahr 2009 als der Kirchheimer „Fenstersturz“ begann – Fenster des Gymnasiums waren schadhaft und kippten nach innen, was Sanierungsarbeiten auslöste – mündet nun in einem Neubau von 88 Millionen. Die Alternative, eine Sanierung mit Teil-Neubau, käme auf 84 Millionen Euro und „ist somit nur geringfügig günstiger“, sagte Maximilian Böltl (CSU) Bürgermeister von Kirchheim und Zweckverbandsvorsitzender. Eine Sanierung hätte zudem den Nachteil, dass die Schüler unter Baulärm und Staub leiden müssten und in Container ausgelagert würden. Es käme also eine jahrelange Belastung auf Lehrer und Schüler zu. Das sei auch zu erwarten, wenn zuerst das weitere, bereits im Zweckverband beschlossene, Gymnasium in Aschheim oder Feldkirchen gebaut würde, bei dem die Kostenschätzung für 600 Schüler bei weiteren 59 Millionen Euro liegt. Da dieses Projekt jedoch noch in den Kinderschuhen stecke und „nicht vor 2025 realisierbar sein wird“, so Böltl, „könnten wir in Kirchheim so lange nichts tun.“ Weitere acht Jahre, in denen Schüler und Lehrer im Winter unter der schlecht funktionierenden Heizung bei elf Grad in den Räumen ausharren, im Sommer unter Gluthitze. Und bei Regen müssen Kübel unter den zahlreichen undichten Stellen aufgestellt werden. Also besser gleich ein Neubau.

Hohe Summe ist erklärungsbedürftig

Die 88 Millionen Euro jedoch waren erklärungsbedürftig: Nur rund 33 Millionen seien zuwendungsfähig, wovon der Landkreis 30 Prozent, also zehn Millionen, trägt. Gemäß den anteilmäßigen Schülerzahlen blieben dann für Kirchheim 34,6 Millionen Euro, Aschheim müsste 23,4 Millionen Euro aufbringen und Feldkirchen 20,2 Millionen.

Frank Holz (CSU Kirchheim) wünschte sich, die Kosten bei 75 Millionen zu deckeln. Stephan Keck (SPD Kirchheim) bemängelte die Aufteilung der Kosten, die sich aus dem im Landkreis München einzigartigen System der Zweckverbände ergibt: „Schließlich liegen die weiterführenden Schulen in der Pflichtaufgabe des Landkreises. Wir Kommunen sind für die Grundschulen zuständig.“ Für Landrat Christoph Göbel (CSU) sind die Zweckverbände ein Instrument des Ausgleichs, alle Gemeinden an den Kosten für Schulen zu beteiligen, denn es gäbe stets Gemeinden, die wachsen wollten, andere nicht. „Ich kann ihnen aber heute schon versichern, dass es sogar noch ein drittes Gymnasium im Osten geben wird, die steigenden Schülerzahlen mit einem Plus von sicher 5500 bis zum Jahr 2030 erfordern dies“, erklärte er bei der Versammlung.

SPD-Gemeinderat versteht Kostenanstieg nicht

Marcel Prohaska (SPD Kirchheim) hält den immensen Kostenanstieg für völlig unverständlich. Die erste Kostenaufstellung für einen Neubau mit entsprechendem Raumprogramm aus dem Jahr 2015 lag bei rund 59 Millionen Euro. „Nun sind wir bei 88 Millionen, und ich kann diese Preissteigerung nicht in der gleichen Relation zur Erhöhung der Quadratmeter von 13 000 auf 18 000 sehen“. Die Frage, wie dies zustande kam, konnte im Laufe der Veranstaltung nicht geklärt werden. „Das werden wir detailliert auflisten“, versprach Böltl. Und stellte gleich klar: „Es geht hier nicht um die Frage, wieviel Luxus leisten wir uns!“

Kämmerer arbeiten an Finanzierungskonzept

Die weiteren Schritte des Zweckverbandes sind jedoch schon eingeläutet. „Wir werden nun mit den Preisträgern verhandeln, um mit der Beauftragung zu beginnen“, sagte Böltl. Die Kämmerer der drei Gemeinden erarbeiten derzeit ein Finanzierungskonzept. Die erforderlichen Grundstücke will Böltl bis Juli vertraglich gesichert haben. Die Gemeinde ist derzeit zu einem Drittel Miteigentümer der notwendigen Flächen. Im Zuge der Baurechtsschaffung für das große Neubaugebiet „Kirchheim 2030“ sollen die fürs Gymnasium notwendigen Grundstücke so umverteilt werden, dass der Zweckverband anschließend neuer Eigentümer ist. Umlegung bedeutet, dass hierfür keine Barmittel fließen.

Bleibt noch die Frage, wie die Kirchheimer Bürger beim geplanten Bürgerentscheid zu „Kirchheim 2030“ abstimmen. Denn das Gymnasium ist Bestandteil dieser Gesamtplanung. „Sollten sich die Bürger hier negativ entscheiden, wie wirkt sich das aus“, fragte Michaela Harlander, eine Bürgerin. „Dann müssen wir uns einen anderen Standort suchen“, antwortete Bürgermeister Böltl.

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