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Der Direktor ist eine Frau: Katharina Thalbach schlüpft in die Rolle des Theaterdirektors Emanuel Striese – und füllt sie ganz und gar aus. Außerdem übernimmt sie die Rolle der Ehefrau des Direktors. 

Tosender Applaus für die drei Thalbachs

Bekannt ist vor allem Katharina Thalbach als Schauspielerin. Aber auch Tochter und Enkelin haben Talent auf der Bühne - wie sie bei einem Theaterabend in Aschheim zeigen.

Aschheim – Mutter Katharina, Tochter Anna und Enkelin Nellie Thalbach brillierten im „Raub der Sabinerinnen“ auf der Bühne im Aschheimer Kulturellen Gebäude. Bereits Tage zuvor war das Stück ausverkauft, das Publikum dankte am Schluss mit tosendem Applaus.

Die Komödie handelt von der Aufführung einer Römertragödie, die Professor Gollwitz (Markus Völlenklee) einst als Jugendlicher geschrieben und Theaterdirektor Striese (Katharina Thalbach) zur Aufführung überlassen hat. Allerdings soll das Stück unter einem Pseudonym erscheinen, Gollwitz möchte im Falle einer Blamage keinesfalls als Gespött dastehen. Die Dinge nehmen ihren Lauf, es kommt, wie es kommen muss, das Inkognito wackelt.

Waren die 234 Besucher schon beim Betreten des Saals vom Bühnenbild positiv überrascht, hatten sie bereits nach wenigen Minuten Zigarrenrauch in der Nase, da Dienstmädchen Rosa (Wenka von Mikulicz) gemütlich einen Stumpen in der guten Stube rauchte. Alle warteten jedoch auf Katharina Thalbach, deren erster Auftritt nach gut acht Minuten vom Publikum quittiert wurde mit: „Das ist sie!“ Thalbach inszenierte das Stück nicht nur, sondern war auch, in der Rolle des Theaterdirektors Emanuel Striese, der Dreh- und Angelpunkt des Stücks. Diese Rolle füllte sie in breitem Berliner Dialekt aus, aus den Sabinerinnen werden „Sabinscherinnen“, aus Titus Tacitus „Titschus Tatschus“. Sehr schnell war dem Publikum klar, die Rolle Strieses ist Katharina Thalbach auf den Leib geschnitten. „Die ist ja sensationell, ich kenne die Thalbach nur aus dem Fernsehen“, sagte etwa Angelika Neuss, die extra aus Milbertshofen gekommen ist.

Thalbach, kugelrund in der Rolle des Direktors, schlüpfte zudem in die Rolle der Frau des Direktors und lieh ihre rauchige krächzender Stimme auch dem ausgestopften Kakadu Cicero. Er sorgte mit Kommentaren wie „Gib Küsschen“ während des gesamten Stücks stets für Lacher, ebenso ein großer Sessel, dessen Stuhlbein stets einknickte, außer Katharina Thalbach nahm auf dem Stuhl Platz. Dankbar nahm das Publikum auch kleinere Einwürfe wie „da schlagen die Sechzger die Bayern mit 6:0“, mit Schmunzeln und Raunen an.

Dass sich ein Theater-Gen wirkungsvoll vererben kann, bewiesen Anna und Nellie Thalbach. Trotz ihrer geringen Körpergröße bestechen alle drei Thalbach-Frauen durch eine ungemeine Bühnenpräsenz. Anna spielte eindrucksvoll und energisch, Nellie verkörperte die brave und dennoch mit allen Wassern gewaschene Professoren-Tochter. Sie führt mit ihren jungen 21 Jahren die Thalbach Generation fort, die mit viel Liebe und Leidenschaft für die Schauspielerei steht. Theaterbesucherin Angelika Neuss, die ihren Operngucker dabei hatte, war erstaunt: „Alle drei haben die gleichen Augen, die sind so groß und strahlend. Welch‘ ein schöner Abend und tolles Erlebnis.“

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