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Ingrid Lenz-Aktas und die SPD fordern ein besseres Ticketsystem.

Verkehr im Landkreis München

SPD fordert sechs Mal mehr Geld fürs Schienen-Netz

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Einheitstickets für den MVV, Ausbau des ÖPNV und deutlich mehr Geld für die Schiene: Das fordern SPD-Politiker in einer Resolution.

Landkreis – Fast täglich kollabiert der öffentliche Verkehr auf Straße und Schiene. Das Verkehrssystem im Ballungsraum ist überlastet. Doch der Freistaat unternimmt nach Meinung der Landkreis-SPD nur Trippelschritte, um das zu ändern. Kreisfraktionssprecherin Ingrid Lenz-Aktas hat am Montag zu einer Verkehrskonferenz eingeladen.

SPD verabschiedet Resolution

Wie groß der Leidensdruck im Münchner Verkehr ist und wie groß er mit weiterem Zuzug noch wird, davon berichten die SPD-Politiker Edwin Kostermeier, Kreisrat und Mitglied im Mobilitätsausschuss, Landtagsabgeordneter Bernhard Roos, die Münchner Stadträtin Heide Rieke und der Neubiberger Autor Jörg Schindler im Hofbräuhaus. Gemeinsam mit den Teilnehmern verabschiedet Lenz-Aktas am Ende des Abends eine Resolution: Die SPD-Politiker fordern den Ausbau des ÖPNV, einen attraktiven MVV-Tarif und sechsmal mehr Investitionen ins Schienennetz, nämlich 387 Euro pro Einwohner, so viel wie die Schweiz pro Jahr locker macht.

Streifen, Ringe, Zonen: Nicht nur Touristen sind überfordert vom komplizierten Tarifsystem. Schon lange fordert Lenz-Aktas eine Flatrate. Die Aschheimerin (54) hat die aktuelle MVV-Reform als „Reförmchen“ bloßgelegt und ein Einheitsticket für Stadt und Landkreis München gefordert. Dass jetzt sogar der MVV-Geschäftsführer Alexander Freitag diese „Flatrate“ in Erwägung zieht, verbucht sie als „großen Erfolg“.

SPD fordert attraktiven Tarif und höhere Investitionen

Aber ein wirklich attraktiver Tarif ist nur eine der Forderungen. Damit die Leute von der Straße auf die Schiene umsteigen, müssten zum einen viel mehr Menschen vom ÖPNV-Angebot erfahren, so Klostermeier. Zum anderen müsse das Angebot besser werden. „Was ist seit 1972 passiert?“, fragt Lenz-Aktas in die Runde der 35 Zuhörer. „In der Stadt wurde das Schienennetz enorm ausgebaut. Aber was hat der Freistaat bei der S-Bahn getan?“ „Nichts!“, ruft ein Zuhörer rein.

Nach dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz vergibt der Bund Zuschüsse für Verkehrsprojekte, die in den Kommunen den ÖPNV oder das Straßenverkehr verbessern. Allerdings ist die Fördersumme seit 1996 bei 332,56 Millionen Euro pro Jahr gedeckelt und sei bereits 20-fach überzeichnet. „Das kann nicht gut gehen, dass Landkreis und Stadt Millionen etwa für den U-Bahnbau aufbringen müssen und der Freistaat eine Politik der schwarzen Null betreibt.“ Für Lenz-Aktas „ein Skandal, der zum Himmel schreit“. Und ein Grund, „sein Kreuz bei den Landtagswahlen bei der SPD zu machen“. Steuereinnahmen seien genügend da.

Dass Tangenten das Angebot verbessern würden, darin sind sich alle einig. „Seit 1975 ist die Stadt-Umland-Bahn nicht über die Diskussion hinausgekommen.“ Klostermeier warnt: „Wenn wir nicht aufpassen, ist bald alles zugebaut und kein Platz für eine Trasse freigehalten.“ Das zeigten die Planungen am Wächterhof in Hohenbrunn. Auch der Ayinger Walter Fürsicht beobachtet dies an der S7. „Da wird so nah hingebaut, dass für ein zweites Gleis kein Platz mehr ist.“

Die provokative These „Verkehr ist zu billig. Sprit ist zu billig“ vertritt Bernhard Roos und verweist auf den Online-Handel und seine Logistikunternehmen, die in die Städte strömen, um Einkäufe zuzustellen. Als Gemeinderat Roman Brugger berichtet, dass in Planegg auf Antrag der SPD beschlossen wurde, dass die Planegger gratis Busfahren können, erhält dieser Vorstoß spontan Applaus.

„Die Bevölkerung fordert den öffentlichen Raum zurück.“

Fakt ist, so Jörg Schindler, Co-Autor des Buches „Postfossile Mobilität“: „Wo Straßen gebaut werden, wird Verkehr geerntet.“ Dabei stehe die umgekehrte Entwicklung an. „Die Bevölkerung fordert den öffentlichen Raum zurück.“ Beispiele aus Moskau, wo Straßen verengt werden, und Barcelona, wo Innenstädte für den Autoverkehr gesperrt sind, zeigten erste Erfolge. Sein Plädoyer: „Mobilität integriert planen. Bisher plant jeder Sektor für sich, ob Schienen-, Flug- ode Straßenverkehr.“ Große Schritte sind für die ÖPNV-Infrastruktur im gesamten Landkreis gefordert. Sonst, so Lenz-Aktas, „werden Stadt und Landkreis im Verkehr ersticken“.

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