Der Schriftzug von Wirecard ist an der Firmenzentrale zu sehen.
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Das Wirecard-Gebäude in Aschheim.

500 Mitarbeiter wechseln zu spanischer Bank

Wirecard-Verkauf: Neuer Name - alter Standort?

  • Charlotte Borst
    vonCharlotte Borst
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Der Verkauf weiterer Teile des Wirecard-Konzerns ist in trockenen Tüchern. Die spanische Bank Santander übernimmt die Firma – für einen dreistelligen Millionenbetrag, wie es aus Finanzkreisen heißt. Dass auch rund 500 Mitarbeiter zur Großbank wechseln, fand in Aschheim-Dornach ein positives Echo.

Aschheim – Wenn sich am Mittwoch um 8.30 Uhr im Löwenbräukeller am Münchner Stiglmaierplatz Hunderte Gläubiger versammeln, kann Insolvenzverwalter Michael Jaffé (57) eine Lösung präsentieren. Schon das dürfte als Erfolg gewertet werden. Den Termin hatte das Amtsgericht schon vor Wochen festgesetzt. Als Jaffé am 25. August vor knapp drei Monaten als Insolvenzverwalter bestellt wurde, war es sein Ziel, den Investorenprozess zügig und bestmöglichst für Mitarbeiter und Gläubiger abzuwickeln. Dass der Verkauf zum 18. November gelingt, war ein schwer kalkulierbares Unterfangen.

Die immer neuen Skandalmeldungen um die Wirecard-Pleite hätten den Prozess „wie ein Störfeuer“ erschwert, heißt es aus unternehmensnahen Kreisen, immer neue Risiken seien aufgetaucht. Anfangs gab es 77 Bieter. Der Kreis der Kaufinteressenten verengte sich dann aber Runde um Runde. Schließlich erhielt die Banco Santander den Zuschlag, die zu den führenden europäischen Banken zählt. Allerdings übernimmt Santander keine Haftung für die Wirecard-Bank und deren frühere Aktivitäten. Somit wird in Dornach ein neues Buch aufgeschlagen, auch weil die Wirecard-Bank nun abgewickelt werden soll.

Ziel ist es, dass möglichst viele Mitarbeiter bleiben können

Jaffé hatte auch angekündigt, dass es sein Ziel sei, dass möglichst viele der restlichen 570 Mitarbeiter bleiben können. Das scheint gelungen. Dass die Großbank als neuer Eigentümer die Technologieplattform und zugleich die Mehrzahl der Mitarbeiter ins weltweite Händlerteam übernimmt, löst in Dornach positive Reaktionen aus. Die Mitarbeiter erhalten unter der Dachmarke „Getnet“ eine neue Perspektive.

Für den Gewerbestandort Dornach vollzieht sich mit der Wirecard-Pleite jedoch ein großer Umbruch. Viele Flächen am Einsteinring, die Wirecard angemietet hatte, werden nicht mehr benötigt, sind verwaist oder schon ausgeräumt und werden auf dem Mietmarkt bereits wieder angeboten. „Dass ein Profi wie die Banco Santander 100 Millionen Euro investiert, spricht für den Wert der Technologieplattform“, sagt Philipp Ullrich. Er ist Vorsitzender des Vereins zur Förderung des Gewerbestandorts Aschheim-Dornach, die Nachricht vom geglückten Verkauf stimmt Ullrich vorsichtig optimistisch. „Vielleicht wird eine kleine Kerneinheit hier am Standort bleiben“, spekuliert er, eventuell verfolge Santander auch die Strategie, einen größeren Satellitenstandort in Dornach aufzubauen.

„Das Tal der Tränen ist durchschritten“

Verdi-Sekretär Gregor Völkl.

In den vergangenen Monaten haben die verbliebenen Wirecard-Beschäftigten eng mit dem Insolvenzverwalter zusammengearbeitet, und seinem Team Unterlagen zugeliefert. Zugleich haben sie intern ihre eigene Vertretung aufgebaut und bis Ende Oktober sieben Betriebsräte gewählt. „Damit haben die Mitarbeiter jetzt eine Vertretung, die ihr Informations- und Mitbestimmungsrecht in Anspruch nehmen wird“, sagt Verdi-Sekretär Gregor Völkl. Themen wie Umstrukturierung oder Kündigung müssen künftig abgestimmt werden. „Das Tal der Tränen ist durchschritten. Jetzt sind die Mitarbeiter sehr engagiert und kämpferisch.“

Infoveranstaltung

„Wirecard und jetzt?“ heißt ein Online-Infoabend mit zwei Steuerspezialisten, zu dem die Grünen-Abgeordneten Claudia Köhler und Markus Büchler einladen: Freitag 20. November,19 Uhr. Dabei geht es um die Folgen für die Kommune Aschheim. Interessierte können sich unter claudia.koehler@gruene-fraktion-bayern.de anmelden, um den Link zur Diskussion zu erhalten.

Mehr zum Thema: Nach dem Skandal um Wirecard ist der Aschheimer Gemeinderat zu einer Sondersitzung zusammengekommen. Dabei äußerte sich der Bürgermeister erstmals seit dem Insolvenzantrag. Auch zum Parkhaus.

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