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Thomas Danner (l.) und Manfred Bleise erreichen die Empfangstheke im Pilgerbüro in Rom – fünf Minuten vor der Schließung.

Pilgerweg ab Feldkirchen

Gelübde erfüllt -  zu Fuß nach Rom

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1300 Kilometer haben Thomas Danner (63) aus Heimstetten und Manfred Bleise (65) aus Aschheim in 50 Tagen zurückgelegt - zu Fuß.  Anstoß gab ein Gelübde.

Aschheim/Heimstetten – 1300 Kilometer liegen vor ihnen: von der St.-Emmeram-Kapelle in Feldkirchen über die Alpen bis nach Rom, auf dem alten Pilgerweg ins Zentrum der Christenheit. 50 Tage brauchen sie, bis sie Rom betreten. Ein Gelübde gibt den Anstoß für das Abenteuer der beiden Rentner Thomas Danner (63) aus Heimstetten und Manfred Bleise (65) aus Aschheim.

Der uralte Frankenweg, die „Via Francigena“, verläuft von Nordeuropa zum Petrusgrab in Rom.

Es ist acht Jahre her, als Orthopäde Danner einen Herzinfarkt erleidet. „Ein Tupferl hatte gefehlt“, erzählt er, und er hätte nicht überlebt. Die Chance, sich in ein normales Leben zurückzukämpfen, ergreift er wie ein Ertrinkender den Strohhalm. Mit großer Entschlossenheit trainiert er mit Nordic Walking und Krafttraining. Während seiner Rehabilitation schwört er sich: „Wenn ich es schaffe, wieder gesund zu werden, und der Herrgott mich lässt, pilgere ich nach Santiago di Compostela.“ Vier Monate später ist Thomas Danner fitter als vor dem Herzinfarkt. Für sechs weitere Jahre arbeitet er in einer Klinik. Mit 61 wechselt er in den Ruhestand und will nun sein Gelübde erfüllen

In Santiago ist zu viel Rummel

Einen Unterstützer bei diesem Vorhaben findet er in seinem Freund Manfred Bleise, der bereit ist, ihn zu begleiten. Nur über das Ziel müssen sie noch diskutieren: Santiago die Compostela? „Viel zu viele Leute“, meint Bleise. Der studierte Theologe und Altphilologe schlägt Rom vor. „Auf dem Jakobsweg pilgern seit Hape Kerkeling die Massen, der Pilgerweg nach Rom dagegen ist fast vergessen.“

„Wie lange es dauert, das war uns wurscht.“ Im Durchschnitt laufen sie einen Kilometer in zehn Minuten, 26 Kilometer am Tag. „Morgens aufstehen, frühstücken, los gehen und nach etwa fünf Stunden ankommen“, so beschreibt Bleise das tägliche Programm, aus dem Zeitdruck völlig verbannt ist.

Start bei der St-Emerams-Kapelle in Feldkirchen.

Über Brunnthal zur Isar, entlang der Loisach durchs Kochelmoor über Mittenwald nach Innsbruck. Das sind die ersten Stationen. Zum Brenner hinauf und nach Südtirol. Auf der Via Francigena, der alten Frankenstraße, durchstreifen sie gemütlich die wechselnde Landschaft und erleben viel Wunderbares am Wegesrand. Vom Gardasee wandern sie durch Po-Ebene  nach Mantua, ins „Don-Camillo-Städtchen Brescello und weiter nach Parma. Bergauf, bergab geht es über die Hügel der Toscana nach Siena. „Die Freundlichkeit der Leute war großartig“, sagt Manfred Bleise. Er lacht. „Bis wir in Südtirol waren, wurden wir gefragt: Wohin geht ihr? Ab der Po-Ebene hieß es: Woher kommt ihr?“

Nachmittags belohnen sie sich mit einem Essen, genießen einen Kaffee oder ein Bier und die ausführliche Zeitungslektüre. „Die Hektik des normalen Alltags ist von uns gefallen“, sagt Danner, „wir haben uns auf eine gewisse, wohltuende Langsamkeit umgestellt.“

Viele Hospize und Pilgerherbergen auf der Via Francigena sind in Vergessenheit geraten. Manchmal finden die beiden Wanderer eine Unterkunft in einem Kloster oder einem unbewohnten Pfarrhaus. „Der Schlüssel lag im Wirtshaus oder in der Sakristei“, erzählt Bleise. Hier schlafen sie umsonst, eine Spende ist freiwillig. Bei der Abreise bekommen sie einen Stempel in den Pilgerpass.

Anders als die Pilger vor 500 Jahren zu Zeiten Luthers sind Bleise und Danner nicht immer auf idyllischen Pfaden unterwegs. Oft verläuft der Weg über stark befahrene Straßen. „Die italienischen Autofahrer waren eigentlich sehr zuvorkommend“, sagt Bleise, „außer in Rom.“ Hier rettet sie einige Male nur ein Sprung in den Straßengraben vor einem vorbeibrausenden Lkw.

Der letzte Abschnitt bricht unerwartet an. „Plötzlich steht ,Rom 147 km’ auf einem Wegweiser“, erzählt Danner. Da wird den beiden bewusst: „Wir sind in fünf Tagen da.“ Immer stärker wird die Anziehungskraft des Ziels. Aber auch die Hektik der  Großstadt schlägt ihnen entgegen. 

Warten auf Audienz beim Papst

Oft hatten sie sich in den zurückliegenden Wochen die Ankunft ausgemalt. Doch die ist dann nicht besonders spektakulär: Von La Storta im Nordwesten Roms geht es auf der Hauptstraße 20 Kilometer durchs Industriegebiet hinein in die Ewige Stadt. Das letzte Stück verläuft schnurgerade auf einer alten Römerstraße. „Frustrierend war, dass es kein Ortsschild gab“, sagt Bleise. Vorbei an Brunnen, Triumphbögen und Obelisken erreichen sie kurz vor 12 Uhr das Pilgerbüro – fünf Minuten, bevor geschlossen wird. 

Mit ihren Rucksäcken stehen sie etwas abgehetzt am Empfang und müssen erfahren, dass es erst drei Tage später wieder Karten für die Papstaudienz gibt. Die Wartezeit verbringen die beiden mit Besichtigungen. Während für Bleise eher der Weg das Ziel war, ist für Danner die Audienz mit Franziskus Ziel und Höhepunkt. Für ihn hatte die Pilgerschaft, wie er sagt, mehrere Dimensionen: „Raum, Zeit und Transzendenz.“

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