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Asylbewerberheim Unterhaching

Helferkreis zieht 100-Tage-Bilanz

  • Martin Becker
    VonMartin Becker
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Seit im Januar die Gemeinschafts-Unterkunft für Asylbewerber eröffnet wurde, sind inzwischen 100 Tage vergangen. Der Helferkreis zieht eine erste Bilanz.

Unterhaching - Zwei kleine, farbige Kinder spielen mit einem Bobby-Car, im Schatten hinterm Haus repariert ein Osteuropäer ein Fahrrad – neugierig beäugt von einem Mädchen. Ansonsten: absolute Ruhe. Beim Interviewtermin mit Franziska Kindsmüller (57), Leiterin des 70 Personen starken Helferkreises Asyl, und ihrer Kollegin Maja Schlemm (70) wirkt die Atmosphäre am Asylbewerberheim fast idyllisch. Doch das Bild täuscht, für Stille gibt es auch andere Gründe. „Manche Asylbewerber schaffen es bis heute nicht, über ihre Flucht nach Deutschland und die Erlebnisse auf dem Weg hierhin zu sprechen“, weiß Kindsmüller um die Gefühle.

Um die 75 Asylbewerber, darunter 20 Kinder und seit Januar sogar zwei Neugeborene, sinnvoll zu beschäftigen, findet jeden Tag ein Sprachkurs vom Landratsamt statt. Außerdem organisiert der Helferkreis zweimal pro Woche nachmittags einen zusätzlichen Deutsch-Kurs. „Der erste Schritt ist die Sprache, der zweite der Beruf, der dritte eine Wohnung – alles andere kommt danach“, erläutern Kindsmüller und Schlemm den Weg in die Zukunft, sofern der Asylantrag (wie in zwei Fällen schon geschehen) von den Behörden anerkannt wird. Weitere Aktivitäten gegen Leerlauf: Es gibt einen Frauentreff mit Ausflügen (Botanischer Garten, Bibliothek), ein Sportstudent ermuntert die Männer zum Fußballspielen, zwei Gymnasiastinnen bieten Kinderbetreuung an und gehen mit den Kleinsten auf Spielplätze. Mit Sachspenden wie Tischtennisplatte und Gartenstühlen wird auch das Ambiente rund um die Unterkunft attraktiver gestaltet.

Ein wichtiger Aspekt für Mobilität in der Region: Fahrräder. Auch die summierten sich über Spenden, die „Arbeitsgruppe Radlwerkstatt“ stellt Werkzeug bereit, das nun ein Asylbewerber verwaltet. Und Fahrräder herrichtet. „Hilfe zur Selbsthilfe“, so Schlemm, laute das Motto. Und um die Wertigkeit zu verdeutlichen, gibt’s die Räder nicht gratis – einmalig 20 Euro sind für die Nutzung zu zahlen. Probleme bereitete anfangs die Mülltrennung, auch nach einem „Müll-Seminar“ besteht noch Optimierungsbedarf. Mehr große Töpfe für gemeinsames Kochen, Kinderbetten für die Babys: Lücken werden über Kooperationen rasch gestopft.

Die Vision für den Sommer? „Die Menschen, von Eigeninitiative beseelt, wollen so schnell wie möglich eine Arbeitserlaubnis erhalten“, sagen die Helferkreis-Damen. „Bis dahin wollen wir ihnen noch ein bisschen Oberbayern zeigen.“

Diese Nationen sind momentan in der Unterhachinger Unterkunft vertreten: Nigeria, Kosovo, Iran, Tunesien, Senegal, Serbien, Russische Förderation, Syrien, Bosnien-Herzegowina, Libyen, Somalia, Eritrea, Ukraine und Mazedonien

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