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Standardware: Die Holzhäuser gibt es nur in einer Ausfertigung.

Asylunterkünfte: Holzhäuser billiger als Traglufthallen

"Feel-Home" kostet 507 Euro pro Flüchtling

Landkreis – 507 Euro für sieben Quadratmeter: So viel kosten die "Feel-Home"-Holzhäuser für jeden Flüchtling - pro Monat. Traglufthallen sind deutlich teurer.

Derzeit überlegen nahezu alle Gemeinden im Landkreis, wie und wo sie Unterkünfte schaffen können für Flüchtlinge. Meistens dauert es nicht lang und es fällt der Name „Feel Home“. Die Gebäude in Holzständerbauweise werden in immer mehr Kommunen aufgestellt, um Flüchtlinge unterzubringen. Sie mietet das Landratsamt von einem Investor aus Starnberg: der Firma „ehret + klein“. 

Das Unternehmen gibt es schon seit zehn Jahren, allerdings gehörte die Auslieferung von Fertighäusern im größeren Stil bislang nicht zu seinen Leistungen. Die Firma ist eigentlich spezialisiert auf Projektentwicklung und Objektverwaltung. „Die Fertighäuser sind nicht unser Schwerpunkt“, sagt Sprecherin Anke Witzel. Nur einer von 34 Mitarbeitern sei abgestellt worden, um den neuen Markt im Landkreis zu bedienen, der durch die Flüchtlingswelle überhaupt erst entstanden ist. 

Auch in Pullach hat vor kurzem ein Mitarbeiter des Unternehmens vorgestellt, wie die Häuser aus der Fertigpackung denn so aussehen. Die innerhalb von wenigen Stunden vor Ort aufgestellt werden können, weil eine Wohnung nämlich nur aus vier Einzelteilen besteht. Ein Haus mit je vier Wohnungen wird aus nur 16 Elementen zusammengeschraubt. Verschiedene Modelle gibt es nicht, die Einheits-Unterkünfte haben alle Platz für 32 Menschen, acht jeweils teilen sich eine der 56-Quadratmeter-Wohnungen. 

Wiie viel eines der Häuser kostet in der Herstellung, wie teuer es ist, die Grundstücke von den Gemeinden zu pachten und dann zu erschließen, das verrät „ehret + klein“ nicht. Bekannt ist aber, dass der Landkreis für ein Haus im Monat 16 228 Euro zahlen muss. Pro Bewohner, dem sieben Quadratmeter zur Verfügung stehen, macht das 507 Euro. 

Dies ist immer noch günstiger als die Traglufthallen, in denen pro Person und Monat 1000 Euro berechnet werden – allerdings dann inklusive Catering, Objektbetreuung und Versicherung. In den „Feel-Home“-Häusern können die Flüchtlinge selbst kochen. Die Mietausgaben bekommt die Behörde von der Regierung von Oberbayern erstattet. Mit den „Feel Home“-Häusern  wird die Einrichtung mitgeliefert: eine voll ausgestattete Küche mit zwei Tischen für acht Leute, mit Waschmaschine, zwei Kühlschränken und Hängeschränken voll Geschirr. Der Boden: PVC. Auch Matratzen sind bei der Grundausstattung dabei – alles nach den Vorgaben des Sozialministeriums. Fernseher oder Spülmaschine allerdings gibt es nicht. 

In vielen Gemeinden entstehen diese Holzhaus-Siedlungen. Gräfelfing, Taufkirchen und Haar haben sie bereits, in Ismaning, Höhenkirchen-Siegertsbrunn, Oberhaching, Planegg und Ottobrunn wurden sie beschlossen. Und einige Kommunen wie Pullach haben die Modul-Bauten bereits abgesegnet, nur noch nicht in Auftrag gegeben. 

Derweil überlegt Baierbrunn, ob es nicht besser wäre, in Eigenregie Sozialwohnungen zu errichten, für die es momentan gute Förderungen gibt. Und von denen eine Gemeinde länger profitiert als von den Fertighäusern, die nach zehn Jahren wieder abgebrochen werden – jedenfalls nach aktuellem Stand. Keiner weiß, ob sich die Gebäude auch bei Bedarf länger halten würden. Firmensprecherin Anke Witzel sagt: „Das können wir erst in zehn Jahren sagen."

Andrea Kästle

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