Im Innern des Atomreaktors FRM I: Die TU München hat die Genehmigung für den Rückbau des Atom-Eis erhalten. In Abschnitten soll die Anlage entkernt werden. Die Außenhaut, die Kuppel, steht unter Denkmalschutz. Foto: fkn (Führmann/TU)

Das Atom-Ei wird ausgeblasen

Garching - TU München hat die Genehmigung zum Rückbau des Reaktors erhalten

Garching - 16 Jahre nach der Antragstellung liegt nun die Genehmigung für den Rückbau des Atom-Eis in Garching vor. Nach und nach soll der erste deutsche Forschungsreaktor entkernt werden. Die Kosten liegen in zweistelliger Millionenhöhe.

Im Jahr 1998 wird Kanzler Helmut Kohl von Gerhard Schröder abgelöst, die Menschen zahlen mit D-Mark, und in Garching wächst ein neuer Forschungsreaktor in die Höhe, der FRM II. Sein Vorgänger, das 1957 erbaute Atom-Ei (FRM I), ist zu jener Zeit noch in Betrieb, und doch beantragt die TU München bereits damals die Genehmigung für den Rückbau der Anlage. „Das war auch als Zeichen zu verstehen, dass wir nicht zwei Reaktoren betreiben wollen“, erzählt Anton Kastenmüller, Technischer Direktor am FRM, „sondern, dass der alte Reaktor stillgelegt wird, sobald der neue in Betrieb ist“.

Das freilich dauert auch wegen diverser Gerichtsverfahren bis zum Jahr 2004; in dieser Zeit rückt die Zukunft des Atom-Eis in den Hintergrund. Erst als der FRM II ab 2006 im Regelbetrieb arbeitet, wendet sich die TU München wieder dem Abbau seines Vorgängers zu. Wobei der korrektere Begriff eigentlich Entkernung wäre: Da die charakteristische Kuppel des Atom-Eis seit 1997 unter Denkmalschutz steht, dürfen am Gebäude selbst keine Änderungen vorgenommen werden, sagt Kastenmüller. „Der Abbau betrifft also nur die Reaktoranlage im Innern.“

Acht weitere Jahre zieht sich das Genehmigungsverfahren hin, ehe das Bayerische Umweltministerium im April 2014 grünes Licht gibt: Der erste Forschungsreaktor in Deutschland, die Keimzelle des Garchinger Forschungscampus’, wo heute fast 20 000 Menschen studieren und arbeiten - diese Anlage wird nun Schritt für Schritt abgebaut und abtransportiert.

Von außen werde man davon jedoch wenig mitbekommen, sagt Kastenmüller. Zumal es bis zum Beginn der Abbauarbeiten noch ein, zwei Jahre dauern werde. „Jetzt geht es erst mal darum, die in der Genehmigung genannten Auflagen zu erfüllen“, sagt Kastenmüller. Der Abbau einer kompletten Reaktoranlage dauere in der Regel zehn bis 15 Jahre. Die Kosten hierfür lägen in zweistelliger Millionenhöhe, sagt der Technischer Direktor. „Eine etwas ältere Schätzung hat einmal von 24 Millionen Euro gesprochen.“

Schließlich gibt es im Innern des Atom-Eis auch nach dem Abtransport der Brennelemente im Jahr 2000 noch radioaktiv belastete Bauteile. Diese müssen unter speziellen Bedingungen - etwa in Wasser - sorgfältig getrennt und entsorgt werden. „Unser Ziel ist es, den radioaktiven Abfall zu minimieren“, sagt Direktor Kastenmüller. Dieser komme danach in ein Zwischen- oder Endlager für radioaktive Abfälle.

Das Atom-Ei selbst soll nach dem Abbau als Nebenanlage für den FRM II dienen, sagt Kastenmüller, etwa für Labore, Messinstrumente oder als Lager. „Die genaue Nutzung steht noch nicht fest“, sagt der Technische Direktor. „Aber bis dahin ist ja auch noch ein Weilchen hin.“

Die Reaktion des Vereins "Bürger gegen Atomreaktor Garching" lesen Sie in der Printausgabe.

Patrik Stäbler

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