Hundling hier mit den Liedermacher-Kollegen Jamaram, Zwoa Bier, Showdown at Sundown, Muckemacher, Raggabund, Alex Cumfe, Inge Gründl und Weiherer (von links unten im Uhrzeigersinn).
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Hundling hier mit den Liedermacher-Kollegen Jamaram, Zwoa Bier, Showdown at Sundown, Muckemacher, Raggabund, Alex Cumfe, Inge Gründl und Weiherer (von links unten im Uhrzeigersinn). Screenshot: ak

Musiker aus Taufkirchen engagiert sich mit Kollegen für den guten Zweck

Hundling: Musikprojekt für Bahnhofsmission

  • vonAndrea Kästle
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Der Musiker Hundling lebt mit seiner Familie in Taufkirchen. Jetzt hat er sich mit einem Musikprojekt, an dem letztlich 15 Kollegen mitgewirkt haben, für die Bahnhofsmission in München engagiert.

Immer wieder singt er von den sogenannten einfachen Leuten. Mal von einem Hausmeister, der allen auf die Nerven geht mit seiner ständigen Rasenmäherei, dann wieder vom Getränkehändler nebenan, der sich im teuren München die Miete für seinen Laden einfach nicht mehr leisten kann. Der Musiker Hundling kommt aus Niederbayern, vor 30 Jahren ist er in die Landeshauptstadt gezogen. Inzwischen lebt er aber mit seiner Familie in Taufkirchen. Jetzt hat er sich mit einem Musikprojekt, an dem letztlich 15 Kollegen mitgewirkt haben, für die Bahnhofsmission engagiert – die ja dafür da ist, all jene wenigstens vorübergehend aufzufangen, die hier, an der Isar, erst mal durch alle Raster fallen.

Mit München, sagt Phil Höcketstaller, wie er eigentlich heißt, verbinde ihn eine „Hassliebe“. Natürlich möge er den Olympiapark, wisse er Festivals wie das Tollwood zu schätzen und bewege sich auch gern, wenn nicht gerade Corona ist, in der Kneipenszene. Aber dass die Stadt an der Isar, die sich gern rühmt als „nördlichste Stadt Italiens“, immer teurer und teurer wird, sieht er kritisch. Noch, meint er, könne man in der Glockenbachwerkstatt günstig essen und super Konzerte hören, noch haben Nachwuchstalente im Vereinsheim in Schwabing eine Möglichkeit, erste Bühnenerfahrungen zu sammeln. „Auch im Schlachthofviertel hat sich in letzter Zeit viel getan.“ Allerdings: Die Nischen werden immer kleiner.

Bluesrock auf Bairisch

Hundling macht mit seiner Band Bluesrock, auf Bairrisch. Vor inzwischen sechs Jahren hat er das BR-Heimatsound-Festival gewonnen – und sich durchgesetzt gegen über 200 Mitbewerber. Seither hat er zwei Alben („Ois Chicago“, „Gestern oder im 3. Stock“) herausgebracht und seinen Stil, „Münchner Gschichten“ in lässige Melodien einzubetten, verfestigt. In seinen Songs spaziert er mit einer neuen Flamme durch den Englischen Garten, überlegt, für wen oder was er überhaupt singen will oder erzählt vom Hirschen „Hansl“, der im Hirschgarten die Noagerl der Besucher austrinkt und regelmäßig beschwipst weiterspaziert – und den es wirklich gegeben hat. „Alltagsphilosophie“, sagt er, komme in seinen Liedern zum Tragen.

Seit 2015 ist der sympathische Musiker in der Szene etabliert. Zuletzt stand er im Jahr 80 Mal auf irgendeiner Bühne. Er sagt, deshalb habe ihn auch Corona erst nicht so schlimm getroffen. Denn 2020 bekam er noch die Tantiemen von den Konzerten, die er im Jahr zuvor gegeben hatte. „So bin ich ganz gut über die Runden gekommen.“ Und im Sommer habe er wieder auftreten können, „20 Gigs waren da in etwa möglich“. Hilfen vom Staat habe er bekommen. Inzwischen sei aber das Finanzpolster stellenweise durchgewetzt. „Heuer hat bei mir null stattgefunden, aber Unterstützung habe ich überhaupt keine gesehen.“

Schlagzeuger arbeitet als Vermessungstechniker

Dabei gehe es ihm, sagt er, im Vergleich zu manchen Kollegen, noch immer gut. Er habe eben nicht mehr vom Unterrichten gelebt; denn der Witz ist ja, dass Musiker, die mehr als 20 Prozent ihrer Einnahmen über Musikstunden generieren, keine Unterstützung vom Staat erhalten. „Die gehen alle leer aus“, weiß Hundling. „Das ist eine Schweinerei.“ Ein befreundeter Schlagzeuger arbeite deshalb jetzt als Vermessungstechniker, ein anderer jobbe als Elektriker, um nicht Hartz IV beantragen zu müssen.

Die Aktion für die Bahnhofsmission? Habe er bewusst geplant. Er wollte damit zeigen, dass auch Musiker, die zu kämpfen haben in der Pandemie, sich kümmern können um Menschen, denen es noch schlechter geht. „Mir war einfach“, sagt er, „der Aspekt Solidarität wichtig. Es geht in einer Gesellschaft darum, dass die Stärkeren auf die Schwächeren schauen“. Letztlich konnte er 15 befreundete Musiker mobilisieren, die von zuhause aus eine Strophe des Songs „Wofür?“, den Hundling schon vor Corona geschrieben hatte, eingespielt haben. Ein Tontechniker hat das Ganze zusammen gemixt, die Hundling-Schlagzeugerin Steffi Sachsenmeier hat die Beiträge geschnitten. Das Video, „ein ganz schöner Aufwand“, wurde hochgeladen auf Facebook und Youtube – und hat inzwischen gut 5000 Euro an Spenden eingebracht. 14 000 Mal wurde der Song aufgerufen.

Phil Höcketstaller wird es nicht langweilig werden. Er feilt an seinem dritten Album, das „Strawanzer di Monaco“ heißen wird und voraussichtlich nächstes Frühjahr herauskommen soll. Gleichzeitig feiert 2022 die Bahnhofsmission ihr 125-jähriges Bestehen. „Vielleicht geben wir ja in ihren Räumen im Hauptbahnhof ein Konzert?“ Dort würden die Lieder, in der die kleinen Leute von München einen Platz haben, bestens hinpassen.

Wer die Aktion

unterstützen will, spendet an die Katholische Bahnhofsmission, Liga Bank, IBAN: DE 09 7509 0300 0002 1689 79. Das Video ist abrufbar unter: https://www.youtube.com/watch?v=l9Z-IueJHRs

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