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Augen zu - schon eröffnen sich neue Horizonte

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- Erlebnistag der Volkshochschule zeigt Erfahrungswelt behinderter Menschen

Haar (erl) - Es war stockfinster. Vorsichtig, immer mit den Händen an der Wand lang, tasteten sich die Haarer durch die Dunkelheit. Plötzlich wurde die Wand eiskalt oder die Hand griff in Wasser, die Füße betraten weichen Waldboden oder der Weg wurde steinig. Für wenige Minuten befanden sich die Sehenden in der Welt der Blinden - dank des Dunkelcontainers. Der stand beim Erlebnistag "Augen schließen -Horizonte öffnen" der Volkshochschule Haar für einen Nachmittag auf dem Pausenhof der St. Konrad Schule.

Zuvor hatte bereits Patricia Formisano vom Blindenbund, selbst seit Geburt blind, einen Einblick in den Alltag blinder Menschen gegeben: Sie berichtete von sprechenden Weckern oder Küchenwaagen, die ihr das Leben leichter machen, aber auch vom Verhalten sehender Menschen, das ihr manchmal das Leben erschwert. "Solange alles so ist wie immer, habe ich keine Schwierigkeiten. Wenn aber zum Beispiel auf meinem täglichen Weg plötzlich eine Baustelle entstanden ist, bin ich auf die Hilfe von Sehenden angewiesen", erklärt die 25-Jährige. Doch die sind dabei oft ungeschickt: Packen Blinde wortlos am Arm und führen sie um das Hindernis - und dann ist der Schreck natürlich groß.

"Wir wollen im Jahr der Behinderten nicht nur Probleme aufzeigen, sondern die Integration in die Gesellschaft erleichtern", sagt die Vorsitzende der VHS, Helga Wiedemann. Und so stand auf dem Programm des Erlebnistags nur Vergnügliches: Die integrative Band der Musikschule Haar und des Jugendkulturhaus Route 66, "Blue Dolphins", spielte, bevor sich die Besucher auf die vielen Stände im VHS-Gesundheitszentrum verteilten. Hier bekamen sie Augenbinden umgelegt, mussten die Hände auf den Rücken legen, ein Auge zukneifen oder tief in Rucksäcke oder Taschen greifen - und sich ganz auf ihre Sinne verlassen. So töpferten die Besucher blind große Kugeln, die mal mehr mal weniger rund ausfielen; klemmten Pinsel zwischen die Zehen oder Zähne, um eine Leinwand nach der anderen bunt zu machen. Staunend standen die Menschen vor dem Stand mit den optischen Täuschungen, neigten den Kopf hin und her, kniffen ein Auge zu und bemerkten verwundert, dass man auch als Sehender nicht immer seinen Augen trauen kann.

Als die Besucher das Gesundheitszentrum verließen, hatten sie immer noch einen Satz von Helga Wiedemann im Ohr: "Wir dürfen nicht vergessen: Jeder von uns kann ganz plötzlich ein Mensch mit Behinderung sein."

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