Ausgebrannt

Taufkirchen - Die Schnapsbrennerei in Taufkirchen wurde abgerissen, dabei stand das Gebäude auf der Denkmalliste.

Nach 133 Jahren ist er gefallen, der Turm von Taufkirchen - und mit ihm die Schnapsbrennerei, aus der er als Schornstein hervorragte. Es war die Europäische Union, die ihn in die Knie gezwungen hat. So sieht es die Betreibergenossenschaft, die das denkmalgeschützte Gebäude nun dem Erdboden gleich machen ließ.

Warum der Abriss? Darüber muss Johann Hinterholzer, der sonst wortkarge Zweite Vorsitzende der Brennereigenossenschaft Taufkirchen, nicht lange nachdenken. „Das Branntweinmonopol ist weg, und deshalb ist unserere Brennerei nach 130 Jahren nicht mehr wirtschaftlich.“

Der Hintergrund: Auf Druck der EU-Kommission als oberste europäische Wettbewerbshüterin läuft das Monopol Ende September aus. Es hatte den Brennereien einen festen Preis oberhalb des Marktpreises garantiert, für den sie ihren Alkohol an die Monopolverwaltung abgeben konnten. Für die EU-Komission nicht vereinbar mit dem europäischen Recht.

Für die Taufkirchner Genossenschaft allerdings, die sich aus sechs lokalen Landwirtschaftsbetrieben zusammensetzt, bedeutete das Auslaufen des Monopols auch das Ende der Rentabilität. Mit dem 30. April stellte die 1880 erbaute Brennerei die Produktion ein, schon vor etwa einem Jahr hatte die Genossenschaft eine Abbruchgenehmigung bei der Unteren Denkmalschutzbehörde des Landratsamts beantragt. Als die nun da war, wurde abgerissen. Daran habe angesichts des Betriebsendes kein Weg vorbeigeführt. „Die Substanz war nicht zu erhalten“, sagt Hinterholzer.

Bemerkenswert: Seit Januar 2012 stand die Brennerei eigentlich auf der Liste schützenswerter Bauten des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege. Die Freude darüber hielt sich bei den Eigentümern schon damals in Grenzen. Vielmehr war die Aufnahme in diese Liste ein mittelschwerer Schock für die Genossenschaft: „Da wird man als Eigentümer ja gar nicht gefragt“, sagt Hinterholzer. Zudem sei 1991 und noch einmal 1993 schon eine Aufnahme in die Denkmalliste vom Landesamt geprüft und abgelehnt worden. „Und 2012 ist es auf einmal schützenswert.“ Für die Genossenschaft habe die Aufnahme in die Denkmalliste zur Folge gehabt, dass sie für eine Abbruchgenehmigung teure Gutachten erstellen lassen musste, die einen Abriss rechtfertigen. „Das ist sehr viel Geld - völlig umsonst“, sagt Hinterholzer.

Beate Zarges, Sprecherin des Landesamts für Denkmalpflege, sagt dagegen: „Es gibt ganz klare Gründe, warum ein Gebäude auf die Denkmalliste kommt.“ Auf der Liste wird das in knappen Worten so umrissen: „Genossenschaftsbrennerei, eingeschossiger Satteldachbau mit mittigem Quergiebel über hohem Sockelgeschoss in neubarocken Formen, rückwärtig mit Anbauten und Kamin in Sichtziegelmauerwerk, 1880.“

Wieso es dennoch zum Abriss kam, erklärt Walter Schuster vom Landratsamt, zu dessen Abteilung die Untere Denkmalschutzbehörde des Landkreises gehört. Eine Prüfung habe ergeben, dass die Sanierungsmaßnahmen die zum Erhalt des Gebäudes nötig gewesen wären, dem Eigentümer „nicht zumutbar“ gewesen wären, beziehungsweise den „Denkmalcharakter in Frage gestellt“ hätten. Auch das Landesamt für Denkmalpflege hätte diese Argumente „nachvollziehen können“. Genehmigung erteilt.

Aus einem anderen Blickwinkel betrachtet den Abriss naturgemäß Heimatpfleger Peter Seebauer, nämlich als „eine traurige Angelegenheit“. Die Brennerei sei Teil eines „geschlossenen Dorfensembles“ gewesen, das sich aus der Pfarrkirche St. Johannes der Täufer, dem südlich der Kirche gelegenen alten Schulhaus von 1864, der Gaststätte Trenner (erstes Seebauer bekanntes Schankrecht 1592), dem Marklhof im Süden des Gasthofs und - dazwischen - dem Maibaum sowie dem Kriegerdenkmal zusammengesetzt habe.

Was zukünftig auf dem Brennerei-Gelände entstehen könnte, darüber möchte die Genossenschaft noch nichts verraten.

Sebastian Horsch

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