Ausgelassene Worthymnen und satte Klangpracht

- Pullacher Blasmusik feiert mit Konzert zehnjähriges Bestehen

VON MANFRED STANKA Pullach - Ab und zu muss man auch mal schwärmen. Die Zuhörer im bis zur letzten Stuhllehne ausverkauften Bürgerhaus taten es so ausgiebig, dass sie der Pullacher Blasmusik beim Jubiläumskonzert im Bürgerhaus Zugabe auf Zugabe abtrotzten.

Seit zehn Jahren läuten die Musiker mit loderndem Klang-Feuer den Frühling ein. Bei so viel Tradition im Rücken jubelten die Hörner heuer noch um Nuancen ausgelassener, schmetterten die Trompeten strahlender denn je. Mit über zweieinhalb Stunden satter Bläserpracht bewies Dirigent Sigi Sterr, wie hervorragend der von ihm zusammengeschweißte Klangkörper auf jeden Einsatz mit wieselflinker Geschmeidigkeit reagiert.

Den Weihrauch, der zum Finale vom Podium herunterströmte, den hätte es aber nicht gebraucht, auch nicht die vielen Worthymnen und Sterrs Versuche, sich als wortwitziger Entertainer zu profilieren. Damit geht nur die Balance eines ansonsten rundum gelungenen Konzertabends flöten. Die Jahre spielten, wie es es sich für ein Jubiläum gehört, die Hauptrolle. Also erinnerten sich einzelne Musiker, wann das jetzt folgende Stücke erstmals von ihnen zum Leben erweckt wurde, erzählten von Proben und davon, wie sich ein junger Musiknovize schnell zu einem Solopart hinaufmanöverierte.

Das war amüsant, teils rührend: Wenn sich Jasmine aus Frankreich, der Australier Greg und der Ire Colin mit Flügelhorn zu ihrer Liebe zur Musik bekennen, dann stimmt man dieser Globalisierung in Sachen Tonkunst vorbehaltlos zu.

Übrigens, auch Österreicher und Schwaben werden laut Sterr in die Musikergemeinschaft aufgenommen. Bei den Pullachern schlägt der Toleranzpegel eben weit aus!

Orchester entfesselt Kolorierungskunst

Ein Fest für den Dirigenten und die Zuhörer. Denn das Orchester entfesselt all seine Kolorierungskünste. Da wird mit dem Exotischen unverschämt sinnlich geflirtet, und das temperamentvoll schwülstige Klangfeuerwerk löst sich auf in irrlichternden Sternen. Ein Beweis mehr, zu welchen Abenteuern in Klang und Arrangement hochtrainierte Bläsertruppen fähig sind. Überhaupt bewies das Programm Mut zu extremen Ausdrucksbereichen. Einfach zum Dahinschmelzen, die subtile Empfindsamkeit, die Sigi Sterr und seine Mannschaft der Lyrik von Leonard Bernsteins symphonischen Variationen zur "West Side Story" zukommen ließen. In dieser Pluralität kann auch der beste Tenor nicht von "Maria" schmachten.

Jede Steigerung stimmt, und die rhythmische Präzision im Zusammenspiel ist unüberbietbar. Highlight folgt auf Highlight. Bei "The Blues Brothers in Concert" wirken einige ältere Zuhörer leicht irritiert. Der Rest aber jubelt über das fetzig rockige Spiel. Zwei, drei Patzer - vergeben. Denn Musik muss menschlich klingen.

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