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Erinnerung an dunkle Tage

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Trauer und Hoffnung liegen nahe beieinander, findet Heinz Riederer mit Blick auf seine Fotos vom Olympischen Dorf. Riederer (80) war zu der Zeit der Olympischen Spiele 1972 Stadtrat in München. An das Attentat auf israelische Sportler erinnert er sich genau. gefö
Trauer und Hoffnung liegen nahe beieinander, findet Heinz Riederer mit Blick auf seine Fotos vom Olympischen Dorf. Riederer (80) war zu der Zeit der Olympischen Spiele 1972 Stadtrat in München. An das Attentat auf israelische Sportler erinnert er sich genau. gefö

Garching - „Damals wollte ich mir die Amtskette herunterreißen und davonlaufen. Heute habe ich es überwunden und ich habe gesehen, das Heitere und das Schöne ist im Olympischen Dorf angekommen." Heinz Riederer (80) war beim Attentat 1972 auf das Olympische Dorf in München Stadtrat.

Als Fotograf zeigt er jetzt in der Stadtbücherei Garching seine Sicht auf den Ort. Die Aufnahme sind zumeist im vergangenen Jahr entstanden. Erinnern aber sofort an die Tage, in denen dort israelische Sportler starben. Die Überlebenden „standen still weinend da“, erinnert sich Riederer bei der Vernissage.

Auf einem alten Foto ist das olympische Feuer zu sehen, das vor einer erwartungsvollen Menschenmenge brannte. Vor dem Haus, in dem damals elf Olympioniken den Tod fanden, steht eine Gedenktafel und am Hauseingang gibt es genau elf Türklingeln.

Die jüngeren Aufnahmen zeigen zum einen, dass das Geschehene nicht vergessen ist, zum anderen, dass Positives entstanden ist. Ein Graffito ähnelt dem berühmten Schrei von Edvard Munch und steht für das Entsetzen. Bunte Wandgemälde, friedliche Gassen und die Idylle an einem Weiher zeigen das optimistische Gesicht der Gegenwart. Berührend sind die Fotografien des in Garching lebenden Heinz Riederer, der seine Fotografien in Gedenken an seinen Vater, den Kunsttischler Henri Maison, mit dessen Namen zeichnet.

Einen festen Platz - sozusagen als Titelmodell - hat der bunt geringelte Olympia-Waldi, das Maskottchen der Olympischen Spiele 1972. Doch seine fröhlichen Farben wurden angesichts der Vergangenheit erst einmal in den Hintergrund gerückt. Später aber erobern sie die 2007 abgerissene und neu aufgebaute Bungalow-Welt des Olympischen Dorfes und seine Umgebung zurück.

„Ich war noch nicht lange Stadtrat in München, als die Olympischen Spiel eröffnet wurden, und nur zehn Tage später geschah der Anschlag“, sagt Heinz Riederer. „Als es damals hieß: Die olympischen Spiele gehen weiter, war das für mich unvorstellbar schwer. Heute aber sage ich: Es war richtig. Man darf sich durch den Terror die Spiele der Welt und die Spiele der Freundschaft nicht kaputt machen lassen.“ Eine Aussage, die er auch aus dem Blickwinkel eines Sportlers macht: Er gehörte zu den besten Zehn der 800 Meter-Läufer Deutschlands.

Die Liebe zur Fotografie entdeckte Riederer bereits 1958. In seinen Fotografien lichtet er nicht nur Bilder von Städten ab, sondern er stellt auch die Menschen im sozialen Umfeld der Metropolen in den Mittelpunkt. Er betreibt Spurensuche und will „den menschlichen Mikrokosmos in der anonymen Großstadt“ entdecken. Seine Ausstellungen in München und Garching zeigten bereits Facetten von Algerien, Jordanien, der Toskana sowie der Städte London und München. Nun widmete er sich dem Olympischen Dorf und vereint Vergangenheit und Gegenwart.

Öffnungszeiten

Die Ausstellung läuft bis 5. September. Sie ist zu den üblichen Öffnungszeiten der Bücherei zu sehen: Montag, von 11 Uhr bis 20 Uhr; Dienstag bis Freitag, von 11 bis 18 Uhr, und jeweils am 1. Samstag im Monat in der Zeit von 9 Uhr bis 13 Uhr.

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