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Impulsiv und durchaus zupackend: die jungen Schauspieltal ente aus Krakau und Unterschleißheim.

Austauschschüler bringen „Struwwelpeter“ auf die Bühne

Grausige Kinderbuch-Geschichten neu interpretiert

Oberschleißheim – Hans Guck-in-die-Luft, Zappelphilipp und der Suppenkasper: Mit Geschichten aus dem „Struwwelpeter“ haben sich Austauschschüler aus Polen und Deutschland in der Jugendbegegnungsstätte am Tower in Oberschleißheim befasst. Die Schüler des Unterschleißheimer Carl-Orff-Gymnasiums (COG) und die Gäste aus Krakau kennen sich bereits recht gut.

Im zweiten Jahr der Partnerschaft des Kreisjugendring (KJR) München-Land mit dem Krakauer Kulturzentrum sind sich die 14- bis 17-jährigen Schüler zum dritten Mal begegnet. Jeder Besuch wird mit einem Gegenbesuch beantwortet. Im Juli reisen die Unterschleißheimer für eine Woche nach Polen.

Dem Programm, das die jugendlichen Schauspieler im Heiner Janik-Haus auf die Bühne brachten, war anzumerken, dass die Austauschschüler sich nicht fremd sind. Dass das Spiel der Jugendlichen durchaus inspirierend wirkte, liegt an den Möglichkeiten, die das COG der Theatergruppe bietet. In schöner Regelmäßigkeit zaubert das Lehrer-Ehepaar Stefanie Höcherl und Thomas Blum Talente aus dem Hut. Theatergruppen der Schule sind vielfach ausgezeichnet. Für die Gruppe, die im Rahmen des Austauschprogramms mit den polnischen Gästen auftrat, zeichnet Thomas Blum verantwortlich.

Stefan Stoll, Leiter der Jugendbegegnungsstätte, sah mit Vergnügen, wie sich die Austauschschüler auf der Bühne gegenseitig beflügelten. „Bei dem Programm geht’s nicht nur um Sprache“, sagte er. Es gehe darum, „sich kennenzulernen, sich auf einer künstlerischen Ebene zu begegnen.“ Stoll ist überzeugt, dass Unterschleißheimer und Krakauer, bedingt durch die unterschiedliche kulturelle Sozialisation, voneinander profitieren. „Das setzt Kräfte frei,“ sagte er, vermittle Anstöße beim Erwachsenwerden, öffne Horizonte.

Vom Daumenlutscher bis zum Struwwelpeter sind die Figuren wohl jedermann bekannt. Vergeblich auf der Suche nach einem geeigneten Kinderbuch, hatte sich Heinrich Hoffmann, Arzt und Psychiater aus Frankfurt, 1845 selbst daran gemacht, ein Kinderbuch zu schreiben. Pädagogen mögen streiten, ob Hoffmanns Geschichtensammlung wirklich kindgerecht ist. Vor 170 Jahren jedenfalls war man anscheinend der Ansicht, Kinderbüchern unbedingt etwas Lehrreiches in einem abschreckenden Sinne beimengen zu müssen.

In der Tat ist es grausig, wenn der Suppenkasper elendig verhungert oder dem Daumenlutscher die Finger mit überzeichnet großer Schere abgetrennt werden. In jedem Fall bietet der autoritäre Stoff reichlich Potenzial für eigene Deutungen. Die 28 Austauschschüler, 15 Krakauer und 13 Unterschleißheimer, nutzten diesen Raum für ihr eigenes Spiel.

Von der großen Treppe im Foyer des Oberschleißheimer Heiner Janik-Hauses schaute das Publikum dem Spiel der jungen Schauspieler gebannt zu. Bei aller Interpretation hielt sich die Gruppe doch an den Hoffmann-Stoff. Zwar zappelte der Struwwelpeter recht irr in Zwangsjacke gewandet herum. Dann aber folgte der Auftritt des geerdeten Bayern, der im breitesten Dialekt an Struwwelpeters Haarpracht herummäkelt.

In Hoffmanns Kinderbuch ergeht es dem unbelehrbaren Buben ähnlich schlecht: „An den Händen beiden ließ er sich nicht schneiden, seine Nägel fast ein Jahr.“ Und weiter: „Kämmen ließ er nicht sein Haar. Pfui! ruft da ein jeder: Garst’ger Struwwelpeter“. 

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