Sind Auszeichnungen bereits gewohnt: v.l. Brunhilde Rommel, Ingrid Simmet, stellvertretende Bezirksvorsitzende AWO Oberbayern, Pfarrerin Barbara Hopfmüller, Max Wagmann, Vorsitzender AWO Kreisverband, Monika Prause, Linda Stiller, Claudia Bernardoni, Heidi Maurer, Sabine Rube, Irene Martius, Rony Goliana, Daniela Graser, Ulla Wolf, Margrit Grubmüller und Diakon Karl Stocker. Foto: Michel

AWO-Preis für den Helferkreis

Landkreis - Als Rony Goliana, 27, aus seinem Leben erzählt, ist es still im Saal des Feststadls in Aschheim. So still, dass die Kellner nicht das Nachschenken wagen. Die hundert Gäste, die eben noch geratscht haben und gelacht, schweigen, als Rony ihnen von der tiefschwarzen Nacht im Sommer 2012 erzählt. Der Nacht, in der er sein Zuhause und seine Familie verlassen hat.

Die Mutter drängte den Studenten aus Al-Hasaka (Syrien) zu fliehen. Denn Rony ist Christ und Al-Hasaka von den IS-Milizen umstellt. „Wer dort lebt hat nur drei Möglichkeiten: viel Geld bezahlen, zum Islam konvertieren - oder getötet werden“, sagt Rony mit klarer Stimme ins Mikrofon. Seine Flucht dauerte vier Monate; vorbei an Bergen, Flüssen, Städten und quer durch fremde Länder. Ihn quälen Albträume und die Angst um seine Familie. „Aber ich bin dankbar, dass ich hier sein darf“, sagt er. „Und voller Dankbarkeit begegne ich den Menschen in Ottobrunn, die mir ihre Türen geöffnet haben in der Zeit, als ich alleine hier eintraf.“

Die Menschen in Ottobrunn, damit meint Rony vor allem die Mitglieder des Helferkreises Asyl. Seit ein paar Monaten arbeitet der Sprachstudent selbst ehrenamtlich mit und übersetzt, wenn neue Flüchtlinge aus der Bayernkaserne ausgespuckt und in die Gemeinde gekarrt werden. Ohne die Ehrenamtlichen aus den Helferkreisen wäre der Landkreis aufgeschmissen. Das sieht auch die Arbeiter Wohlfahrt (AWO) so - und hat Rony, seinen 50 Mitstreitern aus Ottobrunn und Hohenbrunn und den 40 Helfern aus Putzbrunn den „Preis für soziales Engagement im Landkreis München“ verliehen.

Die Verleihung des mit 2000 Euro dotierten Preises fand auf der 60-Jahr-Feier des AWO Kreisverbandes München-Land statt. Und obwohl der sich enorm entwickelt hat in den vergangenen zehn Jahren - aus den zwei Einrichtungen im Jahr 2004 sind mittlerweile 65 geworden- wollte Max Wagmann, Vorsitzender des Kreisverbandes, nicht viel Aufhebens um den runden Geburtstag machen. „Heute sind es vor allem die Ehrenamtlichen, um die es geht.“

Ehrenamtliche wie Irene Martius, 48, aus Putzbrunn. Seit über einem Jahr kümmert sie sich um Flüchtlinge, unterrichtet sie im Alphabetisierungskurs. Zuerst im Pfarrhaus von St. Stephan; seit es die neue Gemeinschaftsunterkunft gibt (wir berichteten), im dortigen Gemeinschaftszimmer. Es sind vor allem die Schicksale der Menschen, die Martius oft mitnehmen. Trotzdem: „Es gibt so viele schöne Momente, in denen ich froh bin, diese Arbeit machen zu dürfen.“ Das schönste Erlebnis? Martius überlegt kurz, dann lacht sie - und erzählt von einer Stunde, da stöhnte einer ihrer Schüler aus dem Senegal plötzlich laut auf und ließ sich in den Stuhl sinken. „Als ich ihn gefragt habe, was denn los ist, hat er mich angestrahlt und gesagt: ,Ich bin einfach nur glücklich, dass ich endlich lesen und schreiben kann’.“ Es sind diese Momente, für die Martius und ihre Mitstreiter dankbar sind. „Dass wir dafür ausgezeichnet werden, ist schön. Vor allem, weil solche Preise dafür sorgen, dass die Menschen von den Helferkreisen erfahren und mitmachen wollen.“ Das sei auch das Ziel des neuen Preises, den die AWO von nun an jährlich vergeben will, sagt Max Wagmann. Übrigens: Bereits im vergangenen Jahr wurden die benachbarten Kreise mit der Pater-Rupert-Mayer-Medaille des Katholikenrates der Stadt München geehrt.

Wie die Helfer die Unterbringungsnot der vergangenen 14 Tage erlebt haben? „Mit einer Welle der Hilfsbereitschaft“, sagt Diakon Karl Stocker. Viele Menschen seien an ihn herangetreten, „sie wollten helfen oder spenden“, berichtet der Geistliche, der die Helferkreise vor zwei Jahren aufgebaut hat und seitdem koordiniert. Wer sind die Menschen, die ihre Freizeit opfern, um Flüchtlingen zu helfen? „Eine bunte Truppe, kein Rentnerverein“, sagt Stocker und lacht. Immer mehr Junge spenden Zeit; Junge wie Rony Goliana aus Al-Hasaka. Der hat den Preis der AWO an diesem Abend entgegengenommen. Er fühlt sich wohl, sagt er. Was ihm noch fehlt zum vollkommenen Glück, ist seine Familie.

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