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Um junge Leute für das Unternehmen zu begeistern, geht der Oberschleißheimer Etiketten-Riese Schreiner Group in die Offensive, schaltet gezielt Anzeigen, präsentiert sich auf Messen und kooperiert mit Schulen.

Ausbildungsstart

4000 Lehrstellen unbesetzt: So kämpfen Firmen im Landkreis um jeden Azubi

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4000 Lehrstellen in Stadt und Landkreis München sind derzeit noch unbesetzt. Firmen müssen sich mittlerweile Einiges einfallen lassen, um Auszubildende für sich zu gewinnen. 

Landkreis – 715 Einzelhandelskaufleute, 286 Verkäufer, 144 zahnmedizinische Fachangestellte. Sie und weitere 4000 Fachkräfte fehlen in nächster Zeit falls die entsprechenden Lehrstellen heuer nicht besetzt werden. Das geht aus der jüngsten Statistik der Bundesagentur für Arbeit für München Stadt und Land im Juni 2019 hervor. 1000 freien Lehrstellen stehen derzeit rund 500 unversorgte Schulabgänger gegenüber, sagt Christoph Leicher, Vorsitzender des IHK-Regionalausschusses für den Landkreis.

Messen, Anzeigen schalten, Kooperation mit Schulen

Die Schreiner Group in Oberschleißheim bildet ab Ausbildungsstart im September 23 junge Menschen in neun Berufen aus. Gesucht wird noch ein Industriekaufmann. „Wir wollen diesen Platz unbedingt besetzen und nehmen auch kurzfristig Bewerbungen an“, sagt Geschäftsführer Roland Schreiner. Die Nachwuchssuche ist ein beschwerliches Unterfangen, der Geschäftsführer weiß um die Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt. Um Jugendliche für sich zu gewinnen, geht die Schreiner Group in die Offensive. Die Firma schaltet Anzeigen, präsentiert sich auf Messen, kooperiert mit Schulen.

Ähnlich geht die Unterhachinger Feinkostfirma Develey vor. Sie stellt jedem Azubi darüber hinaus einen Mentor aus vorherigen Lehrjahren an die Seite, an den er sich bei Fragen wenden kann. Durch sein Engagement hat das Unternehmen bereits alle 15 neuen Azubis beisammen, sagt Volker Leonhardi von der Personalabteilung.

Gastro-Chef: „Freizeit ist für junge Menschen wichtiger als früher“

Die teils aufwendige Vorarbeit lohnt sich nach der Erfahrung von Christian Hollweck, dem Direktor des Brauereigasthofs Aying. Manche Schüler entscheiden sich nach dem ersten Kennenlernen auf einer Messe für eine Schnupperlehre bei ihm. In fünf Tagen lernen sie Küche, Rezeption und Housekeeping kennen. „Und die meisten Schnupper-Azubis bewerben sich später bei uns.“ Mittlerweile hat er alle Stellen in der Küche sowie im Restaurant und Hotelfach besetzt. Das sei nicht selbstverständlich, die Branche leide extrem, weiß Hollweck. Grund dafür sind etwa die unpopulären Arbeitszeiten am Wochenende. „Freizeit ist für junge Menschen ein viel wichtigeres Thema als früher.“

Absolventen streben nach akademischer Ausbildung

Schwierigkeiten bereitet Unternehmen zudem die Tatsache, dass der Nachwuchs heutzutage nach Abitur und akademischer Bildung strebt. Die Folge: Die Bewerbungen um Ausbildungsplätze werden nicht nur weniger, sie kommen auch später an. „Oft nicht wie üblich ein Jahr vor Beginn der Lehre, sondern im Mai und Juni erst, wenn Schüler zum Beispiel die Fachoberschule abbrechen“, sagt Adriana Tittel, Sprecherin von Gruma Fördertechnik in Garching. Um auf sich aufmerksam zu machen, pflegt das Unternehmen seinen Auftritt in sozialen Netzwerken.

IHK-Chef: Ausbildung ist auch heute noch viel wert

IHK-Regionalchef Christoph Leicher lobt Firmen, die sich den Schwierigkeiten der Nachwuchssuche aktiv stellen. Denn eine Ausbildung sei nach wie vor viel wert. Miteinem erfolgreichen Abschluss stünden den Absolventen alle Wege offen.

Von der Politik wünscht er sich, dass sie sich verstärkt für ein ausgewogenes Verhältnis von beruflicher und akademischer Bildung einsetzt. „Im vergangenen Jahr ist die Zahl der Studienanfänger bayernweit gesunken bei einem gleichzeitigen Azubi-Plus in Betrieben.“ Die Berufsausbildung erfahre laut Leicher also bereits mehr gesellschaftliche Wertschätzung. Leicher hofft, dass sich der Trend fortsetzt.

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